“My Name is Charles Bronson. And All My Life I Wanted to Be Famous.”
Der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn („Pusher 1-3“) widmet mit BRONSON – nein, nicht dem rot sehenden Action-Raubein der 80er, sondern – dem populärsten, teuersten und gemeingefährlichen Gefängnisinsassen Großbritanniens, der im Jahre 1962 unter dem Namen Michael Peterson geboren wurde, ein Portrait.
Die Erzählung beginnt mit einem Dreikäsehoch, der an der Schule Lehrer verdrischt. Schon früh rasiert sich unser Protagonist die Haare ab und lässt sich einen markanten Schnauzer wachsen, der im Laufe der Zeit zu seinem Markenzeichen avanciert. Bereits in jungen Jahren überfällt er einen Tabakladen, für den Bronson glatte 7 Jahre einsitzen muss. Zu dieser Zeit beginnt er den Knast zu lieben, ihn als seine Bühne zu sehen.
Wegen überaus schlechter Führung wird Bronson – dank „Gefängnis-Aerobic“ mittlerweile zu einem muskelbepackten Bomber gereift – in eine Irrenanstalt verlegt, wo er sich mit Scheiße fressenden Mitpatienten und abgeben muss und ihm der Verstand mit Medikamenten weggeballert wird.
Nach geschlagenen 26 Jahren wird er entlassen. Doch das Leben draußen ist nichts für ihn…
Michael Petersons alias Bronsons Geschichte steht sinnbildlich für das Scheitern von Therapie und Resozialisierungsmaßnahmen, für Einzelhaft, Perspektivlosigkeit, gehässige Pfleger und gewaltbereite Bullen. Peterson, der mit seinen zahlreichen Geiselnahmen (u.a. einer, die mit einem 2-tägigen Protest auf einem Hausdach endete) zu Berühmtheit gelang, hat es tatsächlich geschafft, so etwas wie ein moderner, Englischer John Dillinger zu werden. Das Szenario, das Oliver Stone mit Mickey und Mallory Knox aufzeigte, hat dieser Motherfucker also in echt hinbekommen.
BRONSON ist aber ganz weit weg davon, medienkritische Töne anzustimmen. Die Geschichte des unbelehrbaren Schlägers ist vielmehr eine Ode an den prügelnden Pöbel, welcher sich weder durch Staatsgewalt noch durch gutes Zureden von seinem Vernichtungszug abbringen lässt. Hierbei fallen einem vielleicht Werke wie „Made In Britain“ oder „Nackt“ (ich weiß, beide leider sehr unbekannt) ein, die allesamt besser und „straighter“ ausfallen und mehr „Kopf-durch-die-Wand“-Haltung aufweisen.
Allerdings darf man BRONSON auch nicht mit Gewalt verherrlichenden, unkritischen und selbstzweckhaften Prügel-Actionern á la „Footsoldier“, „Hooligans 2“ oder „Football Factory“ gleichsetzen, in denen diese Hooligan-Schläger-Mentalität glorifiziert wird. Refns Film geht so etwas wie einen Mittelweg, zwischen Gewaltverherrlichung und Kritik, gibt jedenfalls kein klares Statement dazu ab.
Wirklich positiv an BRONSON sind sein Erzählstil und die visuelle Umsetzung, welche schon eindeutig in Richtung „bizarr“ gehen. Hauptcharaktere Bronson geht gelegentlich in den Dialog mit dem Zuschauer, übernimmt die Rolle des Erzählers und gibt seine Sicht der Dinge preis. Dies tut der Glatzkopf mit dem Kaiser-Wilhelm-Bart auch schon mal adrett geschminkt oder in Liedform.
Ferner brilliert der Streifen mit optischer Finesse, deren Startschuss bereits die Titeleinblendung abfeuert, welche so fett und pompös ausfällt, dass sie einen quasi ausknockt bzw. die vorlaute Fresse im Vornherein stopft. Ferner sind die Szenen nur karg, ja fast schon minimalistisch ausgeschmückt, also nur wenig Requisiten und kein unnötiger Firlefanz, der von unserer narzisstischen Skinhead ablenkt.
Dieser fällt nebenbei bemerkt richtig kultig aus, so die Marke sympathischer Bösewicht, mit dem man liebend gerne die Nächte durchzecht und sich an seinen Schandtaten erfreut. Die Figur dieses „rechtsradikalen Meister Proppers“ ist jedenfalls eines der Highlights des Films und seine Verkörperung durch Tom Hardy (Nebenrolle in „RocknRolla“, Theo in „Minotaurus“) ist einfach brachial gelungen.
Bleibt nur zu erwähnen, dass es dem Werk etwas an Elan und Pepp, enorm aber an Tiefgang fehlt, zu welchem Regisseur Refn durchaus in der Lage gewesen wäre, erinnert man sich an das Dealer-Drama „Pusher“.
Schnauzer und Glatze: 75,5%
Einsicht, Reue und Therapiemotivation: 0%
Hass: 100%
Fazit:
Bizarres Prügel-Drama mit einigen optischen Finessen und einem hyper-energetischen Hauptcharakter, das es aber nicht wirklich schafft, auf den Punkt zu kommen. Ferner teils gewiss ein bisschen zu abgespaced, um jedermanns Geschmack zu treffen.
Somit: Die zum Bersten geballte Faust donnert nicht mitten in die Fresse, sondern schrammelt haarscharf am wunden Punkt des Zuschauers vorbei.
Schade, hätte man besser machen können.