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Man könnte lange darüber spekulieren, warum ein Mann 34 Jahre im Gefängnis verbringt und 30 davon in Einzelhaft, ohne jemals einen Menschen umgebracht zu haben.
Michael Gordon Peterson ist der vielleicht populärste Gefängnisinsasse Englands, seine gewalttätigen Schübe sind legendär und der Drang nach Berühmtheit wurde letztlich erfüllt, denn der Mann sitzt nach wie vor ein.
Dieses Biopic bemüht sich nicht um eine Erklärung für das Verhalten eines ohnehin undurchschaubaren Charakters, bietet letztlich aber auch keine Aussage.

Charles Bronson nennt sich Peterson erst später, als er bereits unzählige Aufenthalte in verschiedenen Haftanstalten hinter sich hat. Der Wunsch nach Anerkennung, egal auf welchem Wege, steht für den stillen Einzelgänger im Vordergrund und so prügelt er sich durch die Wärterscharen, nimmt Gefangene und landet schließlich sogar in der Nervenheilanstalt.

Der Däne Nicolas Winding Refn hat die Biographie bewusst grotesk angelegt und lässt Bronson von Beginn an zum Zuschauer sprechen, ohne dass sich dieser über seine inneren Beweggründe äußert. Er berichtet über eine durchschnittliche Kindheit ohne besondere Vorkommnisse, lediglich der Hang zum Prügeln zeichnet sich früh ab. Er heiratet, wird Vater und überfällt eine Postbank. Daraufhin wird er zu sieben Jahren Haft verurteilt und der einseitige Werdegang ist eingeläutet.

Problematisch ist an der kompletten Erzählung, dass Bronson keine wirkliche Entwicklung durchmacht und die Abstecher zu seinem visualisierten Innenleben in Form einiger Episoden auf einer Theaterbühne kaum Substanz beinhalten.
Sie sind zu abstrakt gehalten, zeigen die Hauptfigur mal als Clown, mal im zwiespältigen Dialog mit einer Krankenschwester, doch eine Pointe ist dabei selten auszumachen, obgleich einige visuelle Umsetzungen recht brauchbar sind.

Dass der Streifen latent sperrig zu konsumieren ist, liegt ferner an der etwas einseitigen Erzähltechnik. Vorfälle wiederholen sich und dass Bronson beim Aufschließen seiner Zelle sogleich über das Personal herfällt, entwickelt sich fast zum Running Gag.
Auch einige endlos lange Einstellungen bringen immer mal wieder Durchhänger hervor, unterstreichen zwar die innerliche Leere Bronsons, wirken in ihrer Präsentation jedoch zu zäh.

Etwas außergewöhnlich ist demgegenüber der kurze Aufenthalt in der Irrenanstalt eingebunden worden, bei dem während einiger Szenen das gute Gespür für eine effektive Kamera ebenso durchschimmert, wie die zumeist grandiose Songauswahl (in diesem Fall „It´s a Sin“ von den Pet Shop Boys).
Doch solche Szenen, bei denen auch mal ein herzhaftes Lachen entstehen kann, sind äußerst selten, auch wenn die Chose als bizarre Satire zu verstehen ist.

Was der Sache durchaus hilft, ist Hauptdarsteller Tom Hardy, der hier die Performance seines Lebens abliefert. Der Mann ist mit vollem Körpereinsatz (auch mal nackt) dabei, hat sich extra für die Rolle eine wahnsinnige Muskelmasse antrainiert und glänzt durch eine unglaubliche Präsenz, die durch die stets treffende Mimik zum meisterlichen Gesamtpaket komplettiert wird, - zumal der Mann die Geschichte die meiste Zeit im Alleingang stemmen muss.

Es ist ein Streifen, der im Endeffekt polarisieren wird, denn für reine Action-Fans bietet „Bronson“ nur leidliche Ansätze, für Freunde tiefgehender Dramen bleiben kritische Töne zu oberflächlich und wer bizarre Kollagen mag, dem dürften ab und an die Pointen fehlen.
Die interessante Verpackung ist das eine, wozu auch Songauswahl, Gestaltung der Sets und Kamera/Schnitt zählen, doch innerhalb dieser, bleibt die Aussage doch zu vage:
Er ist im Knast und verinnerlicht diese isolierte Welt als die, in der er die Berühmtheit verkörpert, - darüber hinaus geschieht allerdings auch rein gar nichts und die Geschichte bleibt so einfältig wie seine verrückte Hauptfigur.
5 von 10

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