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Larry David spielt einen genialen Physiker, der fast für einen Nobelpreis nominiert worden wäre, mittlerweile aber ein verbitterter, paranoider Neurotiker ist, der einen Selbstmordversuch hinter sich hat und ein ausgesprochen depressives Weltbild hat, von dem er überzeugt ist, dass es zutrifft. Doch dann tritt eine simpel gestrickte junge Frau vom Land, gespielt von Evan Rachel Wood, in sein Leben und stellt es auf den Kopf.

Woody Allen, der mit Tragikomödien rund um Liebe, Partnerschaft und Tod wie "Der Stadtneurotiker", "Manhattan" oder "Hannah und ihre Schwestern" zu einem der Bekanntesten und Besten seiner Zunft aufstieg und auch seit der Jahrtausendwende mit "Scoop" oder "Vicky Cristina Barcelona" hervorragende Filme ablieferte, meldet sich nach seinem Europa-Trip mit "Whatever Works" zurück in New York, der Stadt, die für ihn schon immer die Quelle seiner Inspiration war. Und er kann mit seinem neusten Werk durchaus an alte Meisterwerke anknüpfen.

Einmal mehr ist seine Hauptfigur ein Neurotiker, der Angst vorm Tod hat, auf der anderen Seite aber auch mit dem Leben nicht wirklich zu Recht kommt, aber irgendwie genial ist. Er hat ein tristes Weltbild, glaubt nicht an einen Sinn hinter dem Leben, an sämtliche Religionen, glaubt die Wahrheit gepachtet zu haben und leidet unter seinen eigenen Ideen. Auf ihn trifft ein junges, freches und ungebildetes Mädchen aus dem Süden, eine Streunerin mit sehr begrenztem Horizont, die schließlich sogar beim Quasi-Nobelpreisträger einzieht.

Was dann folgt, ist typisch Allen, aber doch erneut innovativ und einzigartig: Gegensätze ziehen sich an, es kommt sogar zu einer Ehe des ungleichen Paares, wobei der Physiker versucht, seiner jungen Frau sein Weltbild einzuimpfen. Dann taucht auf einmal die Mutter der jungen Frau auf, ist zunächst schockiert darüber, was ihre Tochter mit dem alten Knacker treibt. Doch dann findet die gottesfürchtige Frau nach der Trennung von ihrem Mann ebenfalls ihr Glück - und zwar in einer Dreiecksbeziehung, während ihr noch gläubigerer, konservativer Mann ebenfalls in New York auftaucht, um dann sein Glück in einer sehr speziellen Beziehung zu finden. Die Charaktere sind dabei mitunter stark überzeichnet, aber dies ist zunächst egal, sie vereinen allesamt Eigenschaften auf sich, die so ziemlich bei jedem zu finden sind. Das Fazit des nie langweilig werdenden Beziehungswirrwarrs: Jede Beziehung ist gut, so lang sie funktioniert und die Beteiligten damit glücklich sind.

Unterhaltsam ist "Whatever Works" dabei selbstverständlich auch. Allen leistet narrativ versierte Arbeit, zudem ist die handwerkliche Leistung des Altmeisters auch ansonsten absolut makellos. Er legt seinen Figuren, besonders natürlich der neurotischen Hauptfigur, die er im Grunde auch selbst hätte spielen können, zahlreiche zynische Sprüche in den Mund, die allesamt enorm amüsant und zudem sehr wohlwollend dosiert sind. Hinzu kommt sein ausgezeichnetes Gespür für Situationskomik, womit "Whatever Works" unterm Strich sehr unterhaltsam ausfällt. Als weiterer guter Einfall entpuppt sich, dass sich der geniale Physiker der Tatsache, dass er in einem Film agiert bewusst ist und deshalb mit dem Publikum spricht.

Larry David leistet dabei in der schwierigen Rolle des paranoiden Neurotikers hervorragende Arbeit und spielt ähnlich, wie Allen selbst es immer in vergleichbaren Rollen getan hat. Dabei bringt er seine zynischen Sprüche beiläufig ein und bildet den perfekten Gegenpol zu Evan Rachel Wood. Wood, die bisher durchaus Kostproben ihres Könnens gab, zeigt hier ihre bisher beste Leistung und spielt als naive aber fröhliche Streunerin hinreißend gut. Und auch die restlichen Darsteller bringen ihre mitunter schrulligen Figuren mehr als gelungen auf die Leinwand.

Fazit:
"Whatever Works" ist ein typischer, aber doch besonderer Allen-Film. Die enorm amüsante Tragikomödie überzeugt mit ihren liebenswerten, etwas skurrilen Charakteren, ihrem abwechslungsreichen Humor und Allens sehr eigenen Blick auf Liebe und Beziehungen. Absolut sehenswert.

84%  

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