Manchmal genügt ein Film zur rechten Zeit. „Michael Clayton“, der mehr oscarnominierte Film des Jahres 2008 katapultierte trotz Debutstatus den bisherigen Drehbuchautoren Tony Gilroy mitsamt seiner sperrigen, wenig zugänglichen, aber doch beachtlich gespielten Inszenierung zum heißen Regiekandidaten für die Zukunft. Aber man ist immer nur so gut wie sein nächster Film – und das wird Gilroy auch im Falle von „Duplicity“ lernen müssen.
„Duplicity“ spielt zwar wieder in derselben Umgebung wie „Clayton“, nämlich zwischen den Mühlsteinen von Konzernen, Industrie und dunklen Geschäften, ist vom Ton her aber eher ein Leichtgewicht.
Die Geschichte von dem sich selbst nicht sicheren Pärchen, das bei zwei konkurrierenden Großfirmen in Sachen Körperhygiene, Kosmetik und Gesundheit jeweils in der Abteilung Industriespionage versucht, sich mittels eines Coups zum finanziell lachenden Dritten zu machen, während sie Gefahr laufen, daß der jeweils Andere einen übers Ohr haut, umweht noch ein Hauch von 60er Jahren, als man diese „Einer-legt-den-Anderen-rein“-Stories noch mit guter Besetzung im großen Stil verkaufen konnte.
Aber es ist nicht nur Komödie, was hier gespielt wird, es ist auch Drama, es soll Satire sein und nebenbei wird auch noch die schnöde Realität einer verkaufenden Branche gezeigt, die zwischen Produktpalette, Innovationen und Aktionären eingesperrt ist. Das ist schon ein bißchen mehr zu kauen und zu verdauen – und um es vorweg zu nehmen – Gilroy verschluckt sich an seinem eigenen Skript.
Die Zuschauer sollen das Geschehen scharf und bissig finden, ein wenig abstrus und sie sollen mit dem zentralen Pärchen, beide Ex-Agenten verschiedener Geheimdienste, mitfiebern, sie mögen, lieben, auf einen finalen Erfolg hoffen, samt beider Hochzeit. Das ist enorm schwer zu vereinbaren und es funktioniert auch nicht, zumindest nicht richtig.
An der Besetzung rumzumäkeln scheint da fast ein Sakrileg, immerhin werden hier Julia Roberts und Clive Owen aufgeboten und in der zweiten Reihe Paul Giamatti und Tom Wilkinson.
Und doch, schon hier liegt der Hase im Pfeffer, denn gerade die Chemie zwischen den Erstgenannten funktioniert nicht so, wie sie sollte. Owen wirkt immer viel zu ernst und zu verbissen, um mit den wenigen wirklich geschliffenen Dialogen geanu das Eis zu brechen, das er gerade ankratzen kann. Und Julia Roberts hat nach der langen Babypause und vielen sperrigen Rollen ihren Weg noch nicht wieder gefunden, schwankt unentschlossen zwischen „Oceans Eleven“, „Erin Brockovich“ und dem strahlenden Etwas aus „Pretty Woman“ hin und her. Nur: alle drei in einem Film wirkt nur bemüht.
Dagegen wird Wilkinson, wahrhaftig eine Bank, sträflich unterbeschäftigt, was dem Plot geschuldet ist; wohingegen Paul Giamatti als Chef des „angreifenden“ Konzerns dermaßen vom Leder chargiert, das es so was auch garantiert in Wirklichkeit gibt. Er rollt die Augen, knurrt, grollt, geifert, faltet Leute zusammen und ist immer fünf Minuten vor Schlaganfall, um dann vor Publikum Mr. Jovial rauszukehren. Ein bißchen Schmierenkomödiantentum ist da im Spiel, aber es hätte dem Gesamtwerk gut getan, wenn nicht alle den Stoff so ernst genommen hätten.
Und damit sind wir auch bei dem Hauptfehler: der Stoff schreit nach Überspanntheit, nach Leichtigkeit, er muß fliegen, man muß mitschlittern können – aber nichts davon ist zu sehen. Gilroy inszeniert den Plot mit einer sturen Verbissenheit, um Ernst und Witz zu transportieren, und unter dieser Last leidet alles.
Der ganze Aufbau deutet für aufmerksame Zuschauer einen Plottwist an, der dann auch wirklich eintritt, dessen Offensichtlichkeit man aber hätte kaschieren können, wenn die Chemie der Protagonisten einen mitreißen würde.
Noch dazu verharrt Gilroy hier wieder beim „Clayton“-Look: viel zu üppig, viel zu große Räume, zu tendenziell ausgebleichte Farben. Der Film geht in die Breite, wo er aerodynamisch sein sollte, viele Einstellungen wirken überflüssig oder in die Länge gezogen, hier fängt nichts Feuer.
Was dazu führt, das man im Leerlauf viel zu früh anfängt, über das Geschehen nachzudenken, als die satirischen Möglichkeiten zu genießen – und so fallen die Ecken und Kanten in Form von Langeweile ins Gewicht.
So wird aus einer flotten Sause ein über zweistündiger Bastard aus vielen verschiedenen Themen, Genres und Erzählstilen, was nicht unbedingt schlecht aussieht, aber eben die Begeisterung missen läßt, die das Thema verlangt hätte. Für Gilroy eine Vollbremsung im Mittelmaß und für viele Zuschauer, die sich nicht dezidiert auf eine Analyse einlassen vermutlich stinklangweilig. (5/10)