Review

Die Nachkriegsjahre, deren filmische Erzeugnisse in Deutschland leider zu wenig Beachtung finden - was sich mit zunehmenden DVD-Veröffentlichungen hoffentlich noch ändern wird - brachten in Deutschland nicht nur eindringliche Dramen hervor, sondern auch Kriminalfilme, die häufig ethische Fragen wie hier die Frage nach Konfliktlagen infolge des Einsatzes neuer medizinischer Behandlungsmittel - in diesem Fall von Psychopharmaka mit persönlichkeitsverändernder Wirkung - stellten.

Das beachtliche Darstellerensemble von "Vom Teufel gejagt" des in Kiew geborenen Regisseurs Viktor Tourjansky vereint die Publikumslieblinge Hans Albers und Willy Birgel mit Darstellern, die ihre bekanntesten Auftritte in der Zeit des frühen Tonfilms oder noch des Stummfilms hatten, wie Otto Wernicke (bekannt durch seine wunderbaren Auftritte als "Kommissar Lohmann" in "M" bzw. "Das Testament des Dr. Mabuse" von Fritz Lang) oder Lil Dagover (weibl. Hauptrolle in "Der müde Tod" von Lang).

Insbesondere beweist Hans Albers hier, dass er viel mehr konnte als den launigen Seemann zu geben. Die stechend blauen Augen, mit denen Albers bereits als "Münchhausen" verschiedene Damen becircte, haben in Tourjanskys Nachkriegs-Krimi beeindruckende Auftritte, wenn der vom blonden Hans gespielte Psychiatrie-Chefarzt Dr. Blank im Rahmen eines bedenklichen Selbstversuchs in einen starren Blick verfällt und die Kontrolle über sein Verhalten verliert, was beängstigend anzusehen ist.

Zu erwähnen sind aber auch noch die sehr ansprechenden Leistungen der oft für gebrochene weibliche Figuren eingesetzten Heidemarie Hatheyer als Schwester eines Kriminellen, der ebenfalls zum Opfer des Versuchs wird, oder des als Polizeiermittler auftretenden Joseph Offenbach, den hier wie so oft eine zwielichtige, von Hinterlist geschwängerte Aura umweht, was in der für ihn ungewöhnlichen Polizistenrolle natürlich ungeahnte Wirkungsmöglichkeiten bietet.

Was das Thema des Films angeht, die Frage nach der Richtigkeit des Einsatzes von medizinischen Mitteln, deren Wirkung niemand so recht abschätzen kann, lässt sich aufgrund der Entstehungsjahre sicher mit der Medizinforschung im Dritten Reich in Verbindung bringen, für die heute die Menschenversuche des Dr. Mengele als berüchtigtstes Beispiel fungieren. Aber das Abwägen zwischen Fortschritt, Erfolgsstreben, der Hoffnung auf segenbringende Heilungsperspektiven und auf der anderen Seite Sicherheitsfragen und ethischen Bedenken (wie heute bei Präimplantationsdiagnostik und Embryonalforschung) ist älter und hat entscheidend dazu beigetragen, dass der phantastischen Literatur das heute so genannte "Mad Scientist"-Motiv gestiftet wurde. Der Dr. Blank dieses Films verlässt die Rolle des verantwortungsvoll handelnden Arztes jedoch nie so weit in bewusster Form, dass wirklich von ihm als verrücktem Wissenschaftler gesprochen werden könnte - und "Vom Teufel gejagt" gerät trotz des etwas reißerischen Titels nicht zum Horrorschocker.

Robert Louis Stevenson, dessen Erzählung von Dr. Jekyll und Mr. Hyde dem Motiv der künstlich herbeigeführten Persönlichkeitsveränderung in diesem Film mit zugrundeliegt, hat die Frage nach der Frage der Verantwortung innerhalb der medizinischen Forschung nicht nur in diesem berühmten literarischen Text, sondern auch in der Geschichte vom "Body Snatcher" behandelt, die als "The Doctor and the Devils" ebenfalls verfilmt wurde.

Zusammenfassend kann Tourjanskys überzeugender Krimi, dessen Stimmungsintensität nicht zuletzt durch das charismatische Spiel von Albers zustandekommt, klar empfohlen werden.

Details
Ähnliche Filme