Auch mit englischer Synchronisation veröffentlichter Fernsehfilm von TVB (Television Broadcasts Limited), der sich den Originaltitel Xian Ren, also Informant, und somit die gleiche Bezeichnung und auch das gleiche Motiv im Genre wie der ähnlich angelagerte The Stool Pigeon (2010) trägt. Hier als Mischung aus Heroic Bloodshed Drama, einer Seifenoper im ziemlichen Auswuchs und tödlicher Action inszeniert, die erfreulich erfrischende Perspektiven ebenso findet wie sich zeitweise auch im Hader um die eigene überbordende Emotionalität verliert. Zusätzlich auch enorm ein Produkt seiner Zeit, der späten Achtziger, was sich im Vor- und Nachteil gleichermaßen ergeht:
Der Tunichtgut und Kleinkriminelle Alex [ Chin Siu-ho ] wird entgegen seinen Willen vom mit allen Mitteln aufstrebenden Polizisten Hank [ Michael Tiu ] als Informant eingesetzt und be- und ausgenutzt, was auch seinen besten Freund und Blutsbruder Rick [ Andy Dai ] alsbald gefährlich in die Kreise der wahren Gauner um Dragon [ Jue Gong ] und Co. zieht. Währenddessen versucht Alex älterer Bruder Wade Cheung [ Law Lok-lam ], der als Police Inspector unter der Aufsicht seines vorsitzenden Commanders [ Lam Chung ] die Triadenkreise auf seine Weise bekämpfen soll, die zerrüttete Beziehung innerhalb der Familie und dies auch mit Hilfe der Mutter Mrs. Cheung [ Lily Li ] wieder zu kitten. Auch Alex neue Freundin Mandy [ Anita Lee ], eine freiwillige Sozialarbeiterin, gerät trotz aller Vorwarnungen rasch in den zunehmend gefährlicher werdenden Strudel aus Verbrechen und Gewalt.
Erquicklich ist hier im Gegensatz zu anderen Produktionen des Fernsehsenders, dass nun mal auch für eine gewisse Schar von Publikum, doch eher dem Älteren, den sogenannten Couch Potatoes ihre Arbeiten anvisiert, der recht offensive Einstieg in das Geschehen mit zuweilen ruppigen Szenen. Anders als gewohnt wird sich tatsächlich nicht wie abgefilmtes Theater in kulissenhaftem Milieu und mit starrer Kamera, sondern durchgängig in der Öffentlichkeit der Stadt, mitten auf den Straßen, in der Bevölkerung und dort auch immer in Bewegung agiert. Der einleitende Überfall auf den Juwelier erinnert in seiner Brutalität, den gewählten Bildern und der Konsequenz extrem an City on Fire (1987), dem bis Heute mit als Aushängeschild dieses Subgenre geltenden Werkes, und scheint sich sowieso zu Beginn und auch im Showdown plus vorauseilendem zweiten bleihaltigen Raubzug direkt in diese Richtung zu manövrieren.
Weitaus genug Eigenständigkeit kann man der Formulierung durch Regisseur Chow Wah-yu, der trotz visuellen Geschmacks und dem Talent für das Finden tatsächlich ungewohnter Bild- und Milieueinstellungen der Herkunft des Fernsehens treu blieb, dennoch attestieren. So ist die Handlung um den unfreiwilligen Undercover alles Andere als konkret konzentriert, aber dennoch auf seinen Anti-Helden als Antagonist fokussiert und all die Nebenstränge und -figuren Drumherum im Spielraum orientiert. Einflüsse innerer und äußerer Art prasseln auf die vermeintliche Identifikation von Alex ein, der schon vor dem gezwungenermaßen angenommenen Job als Spitzel alles Andere als mit sich und der Welt im Reinen und nun erst recht im Unklaren über den weiteren Verlauf seines Lebens ist. Eine mehrfache Zerrissenheit der Person, zwischen seinem Bruder im Geiste und dem des Blutes, zu der vertanen Chance in der Vergangenheit und dem trüben Ausblick auf die Zukunft, auch der eigenen Unsicherheit in Bezug auf den Willen und das Wollen der Selbstbestimmung, selbst hier so einfach scheinender Dinge wie die Beziehung zu Mandy und so der Liebe.
Der im Grunde einzige, aber auch gleich größte Nachteil des Filmes ist dabei die Kommunikation selber, vor allem der Drang nach Monologen, die nur klagen und jammern und im gleichen Atemzug auch Forderungen an die Umwelt stellen, die die Aussprechenden selber im Ansatz nicht ankommen und dies auch nicht einmal probieren. Subtile Beeinflussungen in Dramatik und Dramaturgie sehen jedenfalls anders aus als das häufige Lamentieren, die Streiterei unter den Brüdern, das an- und ausdauernde Gutmenschentum von Mandy und auch die durchgängig eingewebte Schwarz-Weiß-Zeichnung vieler Nebenfiguren aus; zumal darstellerisch all den Konflikten eher mühsam und überzogen Rechnung getragen und auch Manches über den Rand der Erträglichkeit hinaus gespielt wird.
Mehr Pluspunkte fängt man sich in der formalen Beflissenheit ein, die Stadt Hong Kong auch mal aus anderen Aufnahmen und sowieso mit viel Aufspürung vom Puls von Ort und Zeit zu erhaschen. Die Ästhetik, die sich ab und an an Montagen von Musikvideos, also dem damalig gerade neu aufkommenden Medium aspiriert fühlt, scheint im Nachhinein schon etwas antik, ist so quasi der zerstörende Kraft der Zeit erlegen. Dafür kann man sich aber auch der Fähigkeit vergewissern, in den von Yuen Bun überwachten Actionszenen ohne viel Umschweife, Vorbau und Gerede zum Punkt zu kommen, gerade eine Absperrung und Erstürmung eines gesamten Wohnblockes durch die Polizei, und die folgende Auseinandersetzung unterschiedlicher Schusswaffen ist in der hier brachialen Umsetzung ein Genuss-Stück, einzelnstehend für sich.