Als seine Freundin, gespielt von Michelle Rodriguez, ermordet wird, sinnt der flüchtige Gangster Dominic Toretto, gespielt von Vin Diesel, nach Rache. Der Mord geht auf das Konto eines Gangsterbosses, der Drogen über die mexikanische Grenze schmuggelt. Da dieser für die gewagten Schmuggelaktionen Fahrer benötigt, wittert Toretto seine Chance, an den Mörder seiner Geliebten heranzukommen, trifft dabei aber auf den FBI-Agenten, dem er vertraut hatte, obwohl er von diesem infiltriert wurde, gespielt von Paul Walker, der ebenfalls auf der Spur des Gangsters ist.
"The Fast and the Furious" war mit einem Einspielergebnis von über 140 Millionen Dollar ein relativ großer Erfolg und wurde zu einer Art Inbegriff des coolen, maskulinen Actionfilms. Kein Wunder also, dass mit "2 Fast 2 Furious" eine Fortsetzung in die Kinos kam, die qualitativ mit dem Vorgänger durchaus mithalten konnte, aber Vin Diesel, der durch Tyrese Gibson ersetzt wurde, schmerzlich vermissen lies, woraufhin der desolate dritte Teil "The Fast and the Furious: Tokyo Drift" erschien, in dem keiner der alten Darsteller zu sehen war. Nachdem dieser jedoch nicht das gewünschte Einspielergebnis erreichte, kehren die Macher nun mit "Fast and Furious 4" zu ihren Anfängen zurück, mit der Originalbesetzung und einer Story, die an den ersten Teil anknüpft, die Regie übertrug man an Justin Lin, der schon den dritten Teil der Reihe inszenierte. Trotz dieser Maßnahmen ist "Fast and Furious 4" leider nicht mehr und nicht weniger als ein passabler, solider Actionfilm geworden, der aber nicht allzu weit hinter seine Vorgänger zurückfällt, da er ähnliche Vorzüge und dieselben Schwächen hat.
Dabei beginnt der Film überaus viel versprechend. Auf einem kaum befahrenen Highway in der dominikanischen Republik überfallen Diesel und seine Truppe einen LKW mit mehreren Hängern, den sie praktisch während der Fahrt in seine Einzelteile zerlegen. Die Szenen sind schnell geschnitten, gut in Szene gesetzt, sehr spannend gemacht und versprechen einen überaus gelungenen Actionfilm, der über seine volle Laufzeit beste Unterhaltung bietet.
Dann setzt jedoch die Handlung ein. Zunächst einmal merkt man, wie schwer sich die Story damit tut, die Hauptcharaktere des ersten Teils wieder zusammenzubringen, so läuft der Film ziemlich langsam an, bis der Plot schließlich an Tempo zulegt. Versuche, die Charaktere dabei tiefer zu konstruieren, das komplizierte Verhältnis des gesuchten Verbrechers und des FBI-Agenten, der ihn einst infiltriert hatte und eine Affäre mit seiner Schwester hatte, zu vertiefen sind dabei eher halbherzig und nehmen dem Actionfilm vor allem am Anfang die Fahrt und erhöhen die Dramaturgie leider kaum. Die Handlung, die dann allmählich einsetzt ist zwar akzeptabel, aber nicht wirklich gut, es gibt kaum Überraschungen, echte Spannung erzeugt der Plot zu keinem Zeitpunkt und manche Handlungsweisen der Hauptfiguren wirken mehr oder minder unglaubwürdig. Als Vehikel für die Action-Szenen reicht sie jedoch aus und ist zumindest besser als beim desolaten dritten Teil der Reihe und lässt zumindest am Ende einen Hauch von Spannung und Dramatik zu.
Die Action-Szenen im Mittelteil des Films sind solide, mehr aber auch nicht und kommen nicht an die Eröffnungs-Sequenz heran. Vor allem das Straßenrennen krankt an seinem übertrieben hektischen Schnitt, der das Geschehen zu unübersichtlich gestaltet und dem Schauwert der Action-Sequenz damit erheblich schadet. Dafür ist der Showdown aber ziemlich gut gelungen und so deckt der Film in dieser Hinsicht die Erwartungen weitestgehend ab, auch wenn qualitativ und quantitativ vielleicht noch ein bisschen mehr aus den Actionszenen herauszuholen gewesen wäre. Ansonsten ist die Inszenierung von Lin nahezu identisch mit denen der Vorgänger. Die herausgeputzten, getunten Wagen sorgen teilweise für hohe Schauwerte, genauso, wie die zahlreichen, überaus leicht bekleideten Nebendarstellerinnen und die ganz netten Aufnahmen von Los Angeles. Die Filmmusik besteht erneut aus nervtötendem, hektischen Hip-Hop und Techno, passt aber ganz gut in den, teilweise mitunter etwas krampfhaft auf cool getrimmten Film, der Fans der beiden ersten Teilen jedoch gut gefallen wird. Narrativ gibt es, den langatmigen Anfang mal ausgenommen, keine sonderlich großen Brüche und damit bietet der Film unterm Strich solide, wenn auch kurzweilige Unterhaltung.
Vin Diesel, der hier endlich wieder in seiner besten Rolle zu sehen ist, nachdem er unter Anderem in "Der Babynator" keine sonderlich gute Figur machte, spielt die Rolle des knallharten, kantigen, aber sympathischen Verbrechers und Rennfahrers rundum überzeugend und drückt dem coolen, sehr männlich geprägten Film damit seinen Stempel auf. Überflüssig zu erwähnen, dass es für diese Rolle keine bessere Besetzung geben könnte, auch wenn Diesel in den wenigen emotionalen Momenten vielleicht ein wenig hölzern wirkt. Paul Walker spielt seine Rolle, die er bereits in den ersten beiden Teilen der Reihe hatte, überaus souverän und leistet sich keine Fehler. Neben den beiden gut besetzten Hauptdarstellern gibt es keine weiteren darstellerischen Höhepunkte, da der Part von Michelle Rodriguez leider überaus kurz ausfällt und Jordana Brewster, die sowieso schon in einer potentiallosen Nebenrolle steckt, eher blass bleibt.
Fazit:
Da der Plot nicht sonderlich gut geworden ist und vor allem anfangs einige Längen verursacht und weder Spannung noch Dramatik aufbaut, ist "Fast and Furious 4" trotz seiner gelungenen Action-Szenen, der coolen Machart und seiner beiden guten Hauptdarsteller ein mittelmäßiger Actionfilm, der Fans der Reihe durchaus gefallen wird, aber ansonsten nicht mehr als solide und kurzweilige Unterhaltung bietet.
57%