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Leute, holt die Wunderkerzen raus, der Vin ist wieder da! So zumindest klangen die euphorischen Stimmen nach der Veröffentlichungen des vierten „The Fast and the Furious“-Films.
Doch getreu dem Werbespruch „Neues Modell. Originalteile“ ist der Star des Erstlings nicht allein zurückgekehrt: In der Auftaktsequenz ist neben Dominic Toretto (Vin Diesel) auch seine Freundin Letty wieder dabei, die zu einer Crew gehört, mit der Dom einen Tanklastzug von seiner Fracht befreit. Gibt natürlich Komplikationen, was erst zu schicken Autostunts (yeah!), später zu einer offensichtlich aus dem Rechenknecht stammenden Einlage (buh!) stammt, womit der Film von Anfang an gemischte Gefühle erzeugt.
Das Wiederauftauchen von Brian O’Conner (Paul Walker) zieht den Film ein wenig in Richtung des kernigeren, geerdeteren Copfilms, gerade eine mit Handkamera geschossene Verfolgungsjagd zu Fuß erbringt den Eindruck. Ein normaler Bulle ist Brian allerdings nicht mehr, mittlerweile jagt er beim FBI nach Drogendealern und hat den bisher unbekannten Dealerchef Braga zu seinem Ziel erkoren – für den auch Letty fährt, nachdem Dom infolge des Coups aus der Eingangssequenz alleine untertaucht.

Doch Braga lässt Letty ermorden, womit er Dom auf den Plan ruft. Dieser erscheint wieder in Los Angeles und sucht nach Rache an dem Gangsterboss. Bald kreuzen sich die Wege von Brian und Dom bei ihren Ermittlungen…
Nachdem die vorigen Filme immer simpler wurden, versucht sich „Fast & Furious“ wieder an einem Ermittlungsplot, der jedoch in erster Linie Mittel zum Zweck ist Brian und Dom wieder zusammenzuführen, wieder das Spannungsfeld aus Feindschaft, Freundschaft und Rivalität, das ihre Beziehung kennzeichnet, zu porträtieren, die vorher lose verbundene Serie mehr als Franchise zu begreifen (eine Idee, die der Nachfolger „Fast Five“ noch weiter ausbaute). Es fällt schnell auf, dass der Plot darüber hinaus wenige Qualitäten hat, die Ermittlungen Dom und Brian zwar von A nach B nach C schicken, aber doch nur Alibicharakter haben – die Enthüllung von Bragas Identität wird zwar aufgebauscht, letztendlich ist sie aber vollkommen egal, der Film wäre nicht anders hätte man sie von Anfang an gekannt.
Ebenfalls etwas hilflos wirken die Versuche das Ganze wieder als ernsthafteren Film nach dem entrückt-quirligen „Tokyo Drift“ zu inszenieren: Die Erwähnungen früherer Abenteuer sind Wegwerfverweise, die neu aufflammenden Gefühle zwischen Brian und Doms Schwester Mia (Jordana Brewster) werden pflichtschuldig und emotionsarm abgehandelt, die Straßenrennen mit Hip-Hop-Soundtrack, glänzenden Karren und gelackten, leichtbekleideten Mädels, die sich anscheinend gerne wie Fleisch behandeln lassen, beißen sich mit dem Versuch einen etwas düsteren Actionthriller zu inszenieren, immerhin muss eine der Hauptfiguren schnell ins Gras beißen. Dabei hat der Film durchaus seine Momente, etwa wenn die Tuner-Clique zu Lettys Beerdigung stilecht mit gepimpten Karren angereist ist.

Aber immerhin: Fahrspaß zwischendurch gibt es, wieder werden Autos an die Grenzen ihrer Leistung getrieben und/oder geschrottet, hin und wieder sorgen ein paar kleine Nahkampfeinlagen und ein paar brauchbare Ballerszenen für Auflockerung, Hauptaugenmerk liegt aber auf den Rennszenen. Und auch da macht „Fast & Furious“ nicht vollends glücklich: Wie schon bei den beiden Vorgängerfilmen wird immer wieder auf CGI gesetzt, weil man noch spektakulärer werden will, doch wenn als Höhepunkt gedachte Szenen wie die Raserei durch einen Bergstollen eher an ein „Need for Speed“-Videospiel denn an einen reinrassigen Actionfilm erinnern, dann hat man etwas falsch gemacht.
Da hilft es dann auch nur teilweise, dass Vin Diesel der Reihe wieder Street Credibility und augenzwinkernden Machocharme mitbringt, dass Paul Walker in seiner Rolle gewachsen ist, dass der Support mit John Ortiz, Laz Alonso und Jack Conley drei durchaus charismatische Player an Bord hat. Darstellerisch sind die Frauen hier mal wieder Verlierer: Entweder als knapp beschürzte Staffage zum Angucken da, im Falle der Originaldarstellerinnen in erster Linie des Namens wegen da. Jordana Brewsters Part als Love Interest könnte man weglassen, Michelle Rodriguez als toughe Letty hat da schon mehr Pfeffer, wird aber eben schnell aus der Handlung entfernt.

In „Fast & Furious“ finden sich gute Ansätze wie die beginnende engere Verzahnung der Franchise und die Erschließung eines Publikums abseits der Tunerszene, doch erst „Fast Five“ sollte diese Ansätze wirklich weiter entwickeln. Dass der Plot nur Mittel zum Zweck ist und es statt Autostunts öfter CGI-Kreationen zu sehen gibt, ist schade. Kein verkehrter Film, aber eben einer mit einigem ungenutzten Potential.

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