Review

Wer dachte, dass mit „Schrei – denn ich werde dich töten“ der Tiefpunkt des deutschen Slasherfilms erreicht wurde, der wird mit „Insel der Angst“ (so der passendere Alternativtitel von "Das Mädcheninternat") eines Besseren belehrt. Die wiederum von RTL produzierte Fortsetzung von „Schrei – denn…“ unterbietet den ohnehin schon nicht hochklassigen Vorgänger Szene für Szene locker und nervt durch seine Einfallslosigkeit und gepflegte Langeweile.

Zur Story: Nach den Geschehnissen des ersten Teils lebt Nina (Katharina Wackernagel, „Hinter Gittern“) in einem Sanatorium auf einer ehemaligen Klosteranlage auf einer einsamen Insel, in dem sie und ein paar andere Mädchen versuchen, ihre traumatischen Erlebnisse aus der Vergangenheit zu verarbeiten. Doch leider kehrt alle 10 Jahre der mordende Geist einer Nonne wieder, dessen Kind von anderen Nonnen lebendig begraben wurde. Die Dekade ist gerade wieder herum und zusammen mit ihrem Freund Niklas (Barnaby Metschurat, „Solino“) kämpfen Nina und die anderen Mädchen ums Überleben…

Die Nonne mit den scharfen Gegenständen erinnert irgendwie an den Killer in „Düstere Legenden“ und die Szenerie der abgeschotteten Insel sowie das konspirative Umherlaufen der Seemänner könnte „Ich weiß noch immer, was du letzten Sommer getan hast“ entsprungen sein – auch in „Insel der Nacht“ wird also wieder heftig von US-Vorbildern geklaut. Ist ja auch kein Wunder: der Stab des Films ist beinahe identisch mit dem des Vorgängers „Schrei – denn ich werde dich töten!“. Der mäßig talentierte Robert Sigl ohne Sinn für spannungsfördernde Elemente führte wieder Regie, Bestseller-Autor Kai Meyer („Der Alchimist“) schrieb wieder das uninspirierte Drehbuch, Katharina Wackernagel spielt wieder humorlos die ängstliche Neve Campbell für Arme.

Zwar hat der Film stellenweise nette Anflüge einer düsteren Atmosphäre (auch was den Schauplatz mit hohen Grusel-Potenzial angeht), weiß selbige aber mangels Timing und Spannungsbogen nicht für aufgeregtes Herzklopfen auszunutzen. Natürlich sucht man harte Gore-Einlagen wieder vergeblich, da auch „Insel der Angst“ für eine TV-Auswertung produziert wurde. Aber zumindest ein wenig Blut und ein paar mehr Morde (sind hier nur 4) hätte man doch erwarten können. Mangelt es dem Film schon so an Klasse, verschlimmert sich der Eindruck noch durch die gepflegte Langeweile ob der vielen Klischees und Drehbuch-Löcher sowie durch das lächerliche Finale, wo man wiederum einen netten Fight zwischen Harlekin und vermummter Nonne hätte erwarten können. Aber nein, das hätte ja eventuell nach Kampfchoreografie verlangt und die ist ja bekanntlich aufwendig. So wird man bei Ansicht dieses Films nie den Eindruck los, dass Amateurfilmer Andreas Bethmann hier mit einem etwas höheren Budget als sonst und in Gewalt weniger grafischer als üblich am Werke war.

Natürlich gibt es dann noch die Streichholzschachtel-Charakterzeichnung der geschändeten Mädchen: Da haben wir ein stummes Vergewaltigungsopfer, welches auf wundersame Weise in einer brenzligen Situation das Sprechen wieder erlernt (stöhn), die Zicke und die Gehbehinderte, welche natürlich für ein hier sehr willkommenes Spannungselement im sonst so trantütigen Film sorgt. Die Darsteller spielen dabei mit ihren gestelzten Dialogen nie über Daily-Soap-Niveau. Genau auf diesem Level bewegt sich auch das ach so wendungsreiche Drehbuch.
Natürlich bleiben auch viele Fragen ungeklärt: Warum ist Nina ausgerechnet in diesem pubertären Sanatorium-Zoo gelandet? Warum rächt sich die Nonne an unschuldigen Teens? Und warum zum Geier hat RTL diese schrottige Fortsetzung überhaupt in Auftrag gegeben?

Fazit: Billige und gänzlich uninspirierte Fortsetzung eines ohnehin schon schlechten Films. „Insel der Angst“ übersteigt sowohl in Inszenierung und Bebilderung als auch in Sachen Dramaturgie und Darstellerleistungen nie das Niveau einer Daily Soap. Spannungsloser und ultra-trashiger Versuch eines deutschen Slashers – ab auf den filmischen Scheiterhaufen!

Details
Ähnliche Filme