Für Menschen mit Insektenallergie war der Sommer 2009 alles andere als angenehm: Blinde Fliegen, vor denen man fast zwanzig Jahre verschont blieb, asiatische Marienkäfer mit Hang zu kleinen Bissen und letztlich wurden auch die Wespen wesentlich früher aggressiv als gewöhnlich. Es scheint, als habe der lange kalte Winter genau das Gegenteil vom Erhofften bewirkt und Verlaufsmuster der Natur ad absurdum geführt.
In diesem Fall des Tierhorrors fallen mutierte Wespenschwärme über eine amerikanische Kleinstadt her, auf dass die Gebissenen zu willenlosen Drohnen werden und wie hirnamputierte Zombies durch die Gegend straucheln, - das ist zwar bekloppt, aber über weite Strecken recht amüsant.
Dazu gehört sowohl die niedliche Ansammlung vieler Kleinstadtklischees als auch der altbackene Aufbau des Storygerüsts: Polizistin Jane kehrt nach zehn Jahren mit ihrer Tochter Kelsey nach Black Stone zurück, wo ihr Mann beim Einsatz an einem Wespennest starb.
Dessen Bruder Devin hegt noch alte Gefühle für Jane, muss sich aber einer weit wesentlicheren Aufgabe stellen, denn mutierte Wespen werden zur Bedrohung von Leib und Leben…
Der Ansatz ist recht brauchbar, die Wespen nicht nur einfach zustechen zu lassen, sondern als Konsequenz teilweise im Körper des Infizierten zu hausen, um letztlich wie auf Kommando auszuströmen. Nachdem ein Wegelagerer zu Tode gestochen und in die Gerichtsmedizin gebracht wird, steht dieser alsbald wieder auf und erwürgt den Pathologen, - spätestens ab da ist der Ort in Aufruhr und Devin, der zwar lediglich als Kammerjäger arbeitet (es aber fast bis zum Abschluss in Molekular-Biologie gebracht hat) ist prädestiniert, an einem Gegenmittel zu arbeiten.
Die interessanteste Figur wird von Robert Englund verkörpert, der äußerlich einen verschrobenen Imker gibt, von dem man aber gleich ahnt, dass der eine wesentlichere Funktion bekleiden dürfte.
Sein Spiel zwischen lieben Onkel und geheimnisvollen Einzelgänger kann das ansonsten etwas müde Geplänkel diverser Privatprobleme etwas auffrischen und bei Laune halten, zumal kleinere Schmunzler auf sein Konto gehen.
Nur leider ist es mit dem Kern des Tierhorrors nicht so gut bestellt. Einzelne Angriffe der Insekten finden sich fast gar nicht und lediglich angedeutete Schwärme am Himmel oder hinter einer Mauer sind etwas zu wenig, um die allgegenwärtige Bedrohung auf den Zuschauer zu übertragen. Man fokussiert dabei eher die „Körperfresser“-Taktik, indem man vermehrt Gebissene ins Spiel bringt, die mit leerem Blick und ausgestreckten Armen tatsächlich wie Zombies anmuten, jedoch auch nicht allzu viel bei den Sympathieträgern anrichten.
Diese stehen wiederum etwas zu sehr im Vordergrund und die Dramenanteile sowie eine Familienzusammenführung nehmen etwas zuviel Raum in Anspruch.
Glücklicherweise können kleinere Twists ein wenig Leben in die Bude bringen, da im Mittelteil ein spürbarer Mangel an Bewegung herrscht, der erst gegen Finale wieder ausgeglichen wird, als es gemeinsam darum geht, Hubschraubern auszuweichen und gleichzeitig das Nest zu vernichten.
Dabei können sich die Effekte für eine TV-Produktion durchaus sehen lassen, einige Explosionen sehen genauso ordentlich aus wie vereinzelte Wespen oder jene in großen Schwärmen, die über der Stadt kreisen.
Bei Temposzenen punktet ferner die grundsolide Kamera, etwa bei einer Hatz durch ein Maisfeld und auch auf darstellerischer Seite gibt es keine Totalausfälle zu verzeichnen.
Obgleich Englund jeglichen übrigen Mimen komplett die Show streitig macht.
Am Ende strotz die Geschichte nur so voller Logiklöcher und Ungereimtheiten, wenn es als Begründung mal wieder um biologische Kriegsführung geht und man die Sache letztlich einfacher haben könnte, als auf diesem Umweg solch ein Chaos anzurichten.
Nun ja, der Tierhorror benötigt dumme Ansätze um zu unterhalten, dafür kommt dieser mit schnörkelloser Inszenierung zuweilen recht sympathisch auf den Punkt, er könnte jedoch etwas bissiger zu Werke gehen.
6 von 10