Review

Im Nachhinein muss man attestieren, dass der Autor David A. Prior gerade in der Erschaffung von Sujets wesentlich besser gefahren ist als der Regisseur gleichen Namens und gleicher Gestalt, stehen doch gerade im engen Überblick der auch im engen Zeitrahmen stattgefundenen Filme über den Vietnamkrieg in der Theorie immer grundsätzlich integrer als in der Praxis dar. Gerade auch 1988, als gleich zwei der Werke, neben dem phantasmagorischen Night Wars noch Operation Warzone erschienen, wurden jeweils im Grunde auch außerhalb der Wahl von Schauplatz Vietnam zu Kriegszeiten mögliche und dort schon vernünftig ausprobierte Themen platziert, die angesichts des Hintergrundes aber noch besser funktionieren.

Während man in dem anderen Vertreter nach einer Befreiungsaktion einen Maulwurf, einen Doppelagenten aufspüren muss, wobei einem gleichzeitig sowieso schon die Kugeln um die Ohren fliegen, werden hier mehr oder minder die Facetten von zum Beispiel Altered States (1980) oder speziell auch Nightmare on Elm Street (1984) und Dreamscape (1984), nur halt im Nachhinein als Posttraumatisches Stresssyndrom und dem nicht gelangen Können in die gesellschaftliche und persönliche Freiheit und im ewigen Kampf gegen die Vietcongs nachgespielt:

Neun Jahre nach Beendigung des Vietnamkrieges und ihrer Rückkehr nach Amerika haben die beiden in der selben Einheit gedienten Trent Matthews [ Brian Edward O'Connor ] und vor allem Jim Lowery [ Cameron Smith ] die dortigen Erlebnisse und den Verlust ihres Freundes Jhonny [ Chet Hood ], den sie im gegnerischen Gefangenlager lassen mussten, noch nicht überwunden. Lowery ist kurz davor, sich im ständigen Alkoholkonsum die Knarre an den Kopf zu halten, und auch Matthews fängt langsam an, wie sein Kumpan Halluzinationen über den Überläufer McGregor [ Steve Horton ] und andere Hirngespinste zu entwickeln. Während Trents Frau Susanne [ Jill Foors ] besorgt den Psychologen Dr. Mike Campbell [ Dan Haggerty ] informiert, finden Trent und Lowery plötzlich heraus, dass sie im Schlaf zurück in das Gefangenenlager reisen und eventuell die Geschehnisse dort korrigieren können. Allerdings haben die Kugeln dort die gleiche Wirkung wie in der Jetztzeit und Realität.
 
Dabei klappt das Zusammenspiel zwischen Wahn und Wirklichkeit, Fantasie und Realität und dem Traum als luzide Kapazität angesichts der bisherigen Großtaten der Prior - Brüder (Ted Prior, sonst als Hauptdarsteller ständig gesetzt, ist hier ausnahmsweise mit am Skript aktiv) tatsächlich wunderbar bis überraschend kreativ. Natürlich ist der Vergleich nur auf das sonstige Werk beschränkt und klingt dadurch positiver, als es im Vergleich zu vielleicht den jeweiligen Originalen aus den Jahren davor aus den Jahren ist. Dennoch muss man gutheissen, dass die Anfangsminuten mal nicht die besten des Filmes, sondern die schlechtesten und dann die wohlwollend aufgenommene Steigerung mit zunehmenden Interesse und wahrgenommenen Aufmerksamkeiten und kleineren Knalleffekten zu verzeichnen ist.

So wird der Boden der Tatsachen den beiden unterschiedlichen Veteranen auf beunruhigende und emphatische Art und Weise weggezogen, mit dramaturgischer Wirkung gar, was ja nun gar keine Selbstverständlichkeit des üblichen Œuvre und hier nur lobend zu erwähnen ist. Angekommen aus dem Ritt durch das Elend die Jahre zuvor und dem Tragen der Uniform zum Zweck von Tod und Vernichtung ist nur Einer der Freunde, der allerdings auch einen Job und eine Freundin und somit Rückhalt und Fangseile der wichtigen Natur besitzt. Der Andere hat nur den Alkohol und die Erinnerungen, wobei er an beiden auch stetig, mal mit dem permanenten Zuführen der hochprozentigen braunen Flüssigkeit an den Mund und den starren Blick auf frühere Trophäen, Gruppenfotos aus der Dienstzeit und anderer Zeugnisse des Grauens festhält. (Trent hat auch Bilder, allerdings nur das im Fotorahmen eingefangene Cover von Priors  Hell on the Battleground, 1989, was schon schick im Aussehen ist, aber leider nicht bei der Traumabewältigung hilft.) Zwei Kameraden, die gleiches erlebt haben und deswegen für immer zusammengeschweißt sind, wobei man sich auch noch gegenseitig mit dem damaligen Dienstrang wie "Sarge", "Sergeant" etc. anredet, obwohl man doch längst in der Zivilisation und dem Pazifismus ist.     

Zugute kommt neben für die Verhältnisse soliden Action- und Stuntszenen dem Film dabei auch eindeutig, dass die Darsteller, vielleicht nicht unbedingt die beiden Klopse in den Hauptrollen, aber all die Anderen so schlecht gar nicht sind. Haggerty macht seine Sache hervorragend, auch die Foors vermittelt Sympathien, während Horton viel mit den Augen rollt und böse schaut und vom heutzutage als Stuntman und Stunt Coordinator in Hollywood arbeitenden David Ott in seinem Kurzdebüt als Autoverkäufer schlichtweg an die Wand gedrückt wird. Glorreich sind auch einige visuelle Ideen. Da steht der Taurus mal im nächtlichen vietnamesischen Dickicht, wird der fernöstliche Dschungel im grellen Rotton erleuchtet und schaut so wie die Hölle selber aus; auch die Idee mit dem wahrhaftigen Tod samt Todesmaske hinter dem aufblitzenden Mündungsfeuer ist so von schlechten Eltern nicht.

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