"Saurer Geldregen"
Alles Gute kommt von oben. Das denkt sich auch Sam Phelan (Chris Hemsworth), als buchstäblich aus heiterem Himmel ein prall gefüllter Geldkoffer auf seine Motorhaube kracht. Es kostet ihn nicht allzu viel Mühe seine anfangs skeptische Gattin Leslie (Victoria Profeta) davon zu überzeugen, den warmen Geldregen nicht bei der Polizei versickern zu lassen. Also geht das junge Paar erst mal auf eine ausgedehnte Shopping Tour. Möbel, Flatscreen, Schulden und ein schicker Wagen, die Phelans fühlen sich wie nach einem Lottogewinn. Die Euphorie währt allerdings nur kurz, denn der wahre Besitzer des Geldes ist ihnen bereits auf den Fersen.
Reese Kubic hat seine Beute kurz vor seiner Verhaftung kurzerhand über eine Autobrücke geworfen. Aus dem Knast heraus beauftragt er seinen Bruder Pyke (Sean Bean in einer Doppelrolle) mit der Wiederbeschaffung. Und Pyke ist clever. Über die Zulassungsstelle kommt er an die Daten kürzlich bar bezahlter Neuwagen. Da dies völlig unüblich ist, muss er nicht lange suchen. Schon nach dem zweiten Versuch sitzt er auf der neuen Couch der geschockten Phelans. Und die merken schnell, dass mit dem knallharten Gangster nicht zu spaßen ist. Obwohl sie „nur" 78,000 Dollar ausgegeben haben, will Pyke das ganze Geld zurück. Bis auf den letzten Cent. Selbst als ihr Haus neu beliehen und das Auto wieder verkauft ist, gibt sich Pyke nicht zufrieden und zwingt die Phelans zu einer improvisierten und riskanten Einbruchsserie, um auch den Rest noch zu beschaffen ...
Cash ist ein kleiner fieser Thriller mit komödiantischem Einschlag, der ganz auf den von Sean Bean genüsslich verkörperten Schurken Pyke Kubic zugeschnitten ist und vor allem auch aus diesem Grund Spass macht. Die aberwitzige Mischung aus Pedanterie, plötzlichen Gewaltausbrüchen, fernöstlichen Entspannungstechniken und ausgefeiltem Psychoterror macht ihn zu einem extrem unberechenbaren und damit höchst gefährlichen Charakter. Trotz seinem kultivierten Auftreten, seiner Höflichkeit, seinen Rechenkünsten (er rechnet nach jedem Bruch die noch ausstehende Summe in sekundenschnelle im Kopf aus) sowie seinem bankkaufmännischen Expertenwissen und Geschick (die Hypotheken-Verhandlungen mit dem verdutzen Banker der Phelans führt er im Alleingang) strahlt er unterschwellig permanent Gefahr und Bedrohung aus.
Obgleich in erster Linie auf vordergründigen Thrill setzend, zeigt Cash auch ganz nebenbei, welche psychologischen Auswirkungen Gewalt bzw. Gewaltanwendung auf uns Menschen haben können. Die Phelans finden zunehmend Gefallen an den diversen Überfällen und genießen (zunächst widerwillig) den Adrenalinkick. Cash ist in dieser Hinsicht ganz sicher keine tiefschürfende, gesellschaftskritische Psychostudie (und will dies bestimmt auch nicht sein), liefert aber doch zumindest ein paar wahre Einsichten in diese Thematik.
Natürlich ist das Szenario in letzter Konsequenz unglaubwürdig, da wohl kein Gangster bei einer Summe von 640.000 Dollar für lediglich noch ausstehende 15.000 Dollar eine Reihe neuer Straftaten (noch dazu im Verbund mit Amateuren) und damit seine Freiheit riskieren würde. Trotzdem bleibt das Geschehen bis zum Ende recht kurzweilig und spannend. Und die durchaus interessante Frage, wie man sich in einer vergleichbaren Situation selbst verhalten würde, wird so manchen bestimmt auch nach dem Filmgenuss noch eine Weile beschäftigen.