"Gegen Grausamkeit hilft nur Grausamkeit."
Im Jahre 1448 ist die Joseon Dynastie von König Sejong (Ahn Seong-gi) der aufstrebenden kaiserlichen Ming Dynastie ein Hindernis für die Expansion ihres Reiches. Sie verlangt daher vom Nachbarland die komplette Unterwerfung. Durch den Konflikt zwischen den beiden Ländereien beauftragt Sejong die hübsche Hong-ri (Han Eun-jeong) eine von ihrem Vater entwickelte Geheimwaffe auf Basis der Feuerwaffen-Technologie zu konstruieren. Er versteckt sie im Dorf des einfachen Händlers Seol-joo (Jeong Jae-yeong) der für die nötigen Materialien sorgen soll. Dies erweist sich allerdings als sehr beschwerlich, da die Ming Dynastie ebenfalls von der Macht der Geheimwaffe weiß und Spione zum auskundschaften in das benachbarte Land schickt. Häufig muss Seol-joo hohe Risiken und Verluste eingehen um an Schwefel und andere Chemikalien zu gelangen. Als dann der Prototyp der gefertigten Waffe nicht das gewünschte Ergebnis bringt und die Anspannung der Länder wächst, scheint die weitere Fertigung und allgemeine Lage des Reiches hoffnungslos.
"Divine Weapon" erzählt die auf historischen Begebenheiten erste Anfertigung eines automatisierten Langstreckenraketen Systemes. Für Korea ein wichtiges geschichtliches Ereignis, was einer opulenten Verfilmung bedurfte. Beeindruckend sind Kostüme, Kulissen, Actionszenen und orchestraler Soundtrack präsentiert. Dummerweise wurden dadurch Handlung und Figuren vernachlässigt, was dem Film seine Faszination schon beinahe komplett wieder nimmt.
Am Drehbuch liegts, dass die pompöse Inszenierung direkt wieder weich gespült wird. Denn auch wenn die Bilder definitiv erhaben sind, weiß die Geschichte selbst nur selten zu gefallen. Zu Beginn wird man mit Informationen der verschiedenen Parteien erstmal überrolt, was die Ereignisse eine gewisse Zeit undurchsichtig macht. Mit der Zeit legt sich dies wieder. Gemischt mit kurzweiligen Schwertkämpfen, die gefallen könnten, wären sie durch ihren schnellen Schnitt nicht so unübersichtlich wie die Handlung zu Beginn, plätschert die Erzählung um den Bau der mächtigen Waffe so vor sich hin. Unspektakulär und unspannend.
Trotz der visuell überragenden Arbeit fallen hin und wieder lieblos angefertigte Effekte wie Feuer und Explosionen auf. Der recht häufig angewandte Versuch die angespannte Situation durch einfältigen Humor etwas aufzulockern, schlägt völlig fehl. Der Witz wirkt eher wie Klamauk und passt in den wenigsten Momenten zur ausgespielten Situation. Da will noch nicht mal mehr ein müdes Lächeln aufkommen.
Allgemein fehlt es der Geschichte an Ernsthaftigkeit. Immer wieder dringt der Unterhaltungswert in den Vordergrund und zerschlägt die Versuche einen epischen Rahmen aufzubauen. Schade, denn die Mischung aus Historienepos, Actionfilm und Drama ist ansonsten gut dosiert.
Nur das gigantische Finale rettet den Film vor dem totalen Aus. Hier passt fast alles. Die Blickwinkel, die Emotionen, der hohe Anteil an taktischem Vorgehen. Gerade unter den Massenszenen finden sich detailliert ausgearbeitete, choreographierte Kämpfe die mit Hollywoodproduktionen locker konkurrieren können. Und das alles unterlegt mit einem treibenden Soundtrack. Schade, dass dieses hohe Niveau nicht schon vorher zu sehen ist, auch wenn sich ein paar Unglaubwürdigkeiten, wie das verschonen der Pferde bei einem Pfeilhagel, eingeschlichen haben.
So wie in einem Eastern üblich stellt sich ein Mann gegen hunderte und dezimiert letztere meist ohne sich eine Verletzung zuzuziehen. Auch weite Sprünge durch die Luft sind keine Seltenheit. "Divine Weapon" ist allerdings bodenständiger als "Hero" oder "Tiger & Dragon", verfolgt also eher die Pfade von dem Epos "The Warlords".
Was man im Kopf behält, ist nicht die überwältigende Schlacht, sondern den unglaubhaften Schluss der zudem noch den vorher ausgewälzten Kitsch zu Ende führt. Da wirkt auch die finale Texttafel mit dem Verweis auf historische Ereignisse keine Wunder mehr.
Die Schauspieler scheinen mit ihrer Aufgabenstellung überfordert. Einerseits herrscht absolut überspitzte Darstellung, andererseits gelangweilte Leere. Schuld daran sind Figurenzeichnungen, die eher blass und austauschbar erscheinen. Kein Wunder also, dass die teils noch unerfahrenen Mimen diese recht oberflächlich oder überzogen vorführen.
Dem westlichen Zuschauer ist bestenfalls Ahn Seong-gi bekannt, der schon in "Arahan" und "Musa - Der Krieger" Hauptrollen übernehmen durfte, dort allerdings glaubhafter als in diesem Historienepos.
Ungewohnt ist ebenso die eindeutige Gut- / Böse-Zeichnung die in hierigem Fall China in einem äußerst undifferenzierten Licht dastehen lässt.
Rein visuell erscheint "Divine Weapon" in einem glanzvollen Licht und auch das halbstündige, actionreiche Finale zieht alle Register. Allerdings kann dies den Vorgeschmack der vorhersehbaren und Klischee beladenen Handlung, die langatmig und ohne Höhen vor sich hin läuft, kaum vergessen lassen. Obwohl der Film in seinen einzelnen Kategorien als Historienepos, Actionfilm oder Drama mit Schönheitsfehlern hätte durchkommen können, vermiest er es sich selbst durch einen erzwungen hochgradigen Unterhaltungswert der nicht zündet. Das undurchsichtig verlaufende Schnittdebakel in den meisten Kämpfen erledigt dann den Rest.
3 / 10