Review

Warum schreibe ich hier in letzter Zeit eigentlich dauernd Reviews zu französischen Filmen (Chrysalis, Largo Winch) ? Weil es kein anderer tut ? Will die sonst niemand mehr sehen ?

Fakt ist: Das französische Spannungskino hat in letzter Zeit trotz vergleichsweise beschränkter Ressourcen einige ansehnliche Reißer hervorgebracht, außer den genannten etwa noch die Banlieu 13-Filme, den angeblich sogar zum Hollywood-Remake anstehenden "36", das schon etwas ältere "Tödliche Wespennest". In Kombination mit dem einzigen noch aktiven Superstar des gallischen Kinos, Monsieur G. "Seagal sieht schlank gegen mich aus" Depardieu sollte eigentlich zumindest das Niveau des soliden "36" erreicht werden. Leider Fehlanzeige: Das ist ein sehr durchschnittlicher, ziemlich wirrer Cop-Thriller geworden, der dem gerne genommenen Thema "korrupte und schlimmere Cops" aber auch so gar nichts Neues abgewinnen kann.

Depardieu ist der standardmäßig innerlich ausgebrannte Cop Mat (Schneider ?), der in seinem Privatleben ebenso glücklos ist wie im Dienst, wo er einen drogensüchtigen Kidnapper kurzerhand erschießt, aber von der beleidigten Geisel prompt angezeigt wird. Und es kommt noch schlimmer: Ein Freund, ebenfalls Bulle, plant mit ihm ein großes Ding: Einem mit Unterstützung höchster Kreise operierenden Drogenring will er die aktuelle Lieferung abjagen. Mat verweigert zwar die Teilnahme, wird aber trotzdem tief in die Sache hereingezogen, denn der Freund überlebt seinen Coup nicht, und Mats Ex-Frau (Asia Argento) ist dummerweise die Chefin der Abteilung für innere Angelegenheiten.

Ich weiß nicht genau, ob ich bei Ansehen des Filmes nur leicht übermüdet war oder warum mir selbst diese kurze Inhaltsangabe schon schwer fiel - habe ich den Film überhaupt richtig verstanden ? Zu meiner Verteidigung ist aber zu sagen, dass das Drehbuch es einem wirklich nicht leicht macht, denn das zentrale Element - die Verschwörung um die Drogen und die Verwicklung von Depardieus Kumpel in die Sache - bleibt so nebulös wie der Sinn des Filmtitels. Ist der Kumpel/Drogen-Cop nun nur korrupt oder hat er einen extrem seltsames Verständnis von Gerechtigkeit, wie zwischenzeitlich angedeutet wird ? Wer oder was sind die ganzen Hintermänner, geldgierige Großanleger oder Berufsdrogenschmuggler ? Bei der Aufklärung der Sache tappen wir mit Depardieu, der fast in jeder Szene im Bild ist, leicht unsicher auf verschiedenen Spuren, ohne je wirklich Klarheit zu gewinnen. Um die Handlung überhaupt sinnvoll voranzutreiben, braucht man dann ein paar ziemlich missglückte Nebenfiguren (wie die überall auftauchende, mysteriöserweise fast allwissende Reporterin). Und die finale Auflösung, wenn man sie denn so nennen mag, ist dementsprechend weder überraschend (aufmerksame Beobachter sehen schon viel früher, was Sache ist) noch wirklich befriedigend, zumal sich der Film - wie schon der mehrfach erwähnte 36 - einem echten Showdown verweigert.

Aber auch auf der Ebene eines Actionfilmes funktioniert das Ganze leider kaum. Obwohl immer wieder einige relativ harte Gewaltszenen eingestreut wurden, verdient sich der Film die entsprechende Genre-Einordnung hier nur in Ansätzen. Einige kurze Schusswechsel, ein klein bisschen Depardieu als Seagal-Verschnitt in vermutlich gedoubelten Fights, ein oder zwei Autostunts, insgesamt werden Genrefans mit dem Produkt nicht sehr glücklich werden. So etwas wie Spannung stellt sich dementsprechend auch nie wirklich ein, man nimmt das Geschehene zur Kenntnis, langweilt sich nicht, aber wenn der Film dann unspektakulär zu Ende geht, droht das blitzschnelle Vergessen.

Dennoch: Einige Pluspunkte kann das Produkt dann doch sammeln. Die Grundstimmung des überwiegend nachts spielenden Films ist angenehm düster, die mangels Action recht dominanten Dialoge arten nie in Geschwätzigkeit aus, bleiben schön knapp und lakonisch. Und natürlich Depardieu: Der Mann war nie der beste Schauspieler der Welt, aber eben Leinwandpräsenz pur, und sein inzwischen wirklich Obelix-mäßiger Leibesumfang verstärkt diese Wirkung nur. Ob er gerade mal einen Killer killt oder ein paar Augenblicke mit einer jungen Drogensüchtigen privat wird -  der Schirm gehört formatfüllend ihm, ihm alleine und niemandem anders. Außer vielleicht Asia Argento, die in ihren leider wenigen Szenen erstaunlicherweise wirklich mithalten kann und ganz einfach die coolste Braut ist, die das europäische Kino aktuell zu bieten hat. Ach ja: ganz nebenbei sei noch erwähnt, dass der Film für eine DVD-Premiere und einen französischen Film eine wirklich gute Synchro hat.

Bleibt die Erkenntnis, dass auch die Franzosen im Bereich des Spannungskinos nicht nur Volltreffer landen. Ein gut aufgelegter Superstar, brauchbare Grundstimmung und ein paar starke Szenen reichen einfach nicht, wenn ein wirres, schwer durchschaubares und doch überraschungsfreies Drehbuch im Wege steht und auch die kaum vorhandene Action den Film nicht über die Zeit rettet.

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