Review

Den harten und vor allem agilen Cop nimmt man dem mittlerweile ziemlich aus allen Nähten platzenden Gérard Depardieu kaum noch ab, - den abgehalfterten und desillusionierten Alkoholiker im Nachtleben einer tristen Großstadt schon.
Insofern hinterlässt diese Benelux-Produktion den eher zwiespältigen Eindruck, aus seinen Möglichkeiten nur das oberflächliche Potential ausgeschöpft zu haben.

Polizist Mat (Depardieu) arbeitet seit Jahren nachts, als ihn sein alter Kollege Franck vom Drogendezernat kontaktiert. Sie könnten gemeinsam in einen großen Deal einsteigen, doch Franck zieht die geplante Aktion allein durch und stirbt. Kurz darauf befindet sich Mat im Visier der Internen als auch im Zentrum der Gangsterbosse…

Rein atmosphärisch kann man der Inszenierung nicht viel vorwerfen, denn ein paar schäbige Gegenden, finstere Gassen und die zumeist nächtliche Umgebung sorgen für eine angemessene Tristesse, die durch häufigen Regen oder Schnee untermauert wird.
Ob es die heruntergekommene Wohnung von Mat ist, einige dubiose Bars oder die Werkstatt eines Freundes, - ein abgestumpfter Cop macht sich recht gut in solchen Umgebungen.

Die Story wird hingegen zu behäbig vorangetrieben und mit vielen Nebenhandlungssträngen angereichert, die den Kern der Geschichte nur wenig voranbringen.
Zu selten kommt Spannung auf und auch die Action, mit kleinen Verfolgungen per Auto, einigen Schießereien und kurzen körperlichen Auseinandersetzungen bleibt überschaubar. Auffällig sind allenfalls ein paar deftige Gewaltszenen, die vom Genickbruch über blutige Kopfschüsse bis zu einem abgetrennten Kopf reichen.

Auch die Figurenzeichnungen bleiben reichlich vage. Von Franck erfährt man lediglich Bruchstücke, gleiches gilt für Calhoune (Asia Argento), der Chefin der Inneren, die mal etwas mit Mat hatte. Ein latent grimmig entschlossener Blick und knappe coole Statements sind nicht viel, um eine vermeintliche Geheimniskrämerin zu präsentieren.
Ferner wird vor einigen Klischees nicht halt gemacht, wie dem Drogenboss, der so nebenher eine berauschende Party für den Geburtstag des Töchterchens feiert oder die Kleinkriminelle Farida, die sich kurzfristig bei Mat einnistet, das Geschehen aber nicht weiterbringt.
Lediglich Mat bleibt als Trauerklos in lethargischem Zustand Sympathieträger, da er mit einigen wenigen Tugenden ausgestattet ist, für die richtige Sache einsteht und Loyalität beweist.

Diverse Abläufe kommen einem im Verlauf leider nur allzu vertraut vor. Ein Verfolger muss abgeschüttelt werden, eine Fotografin gibt wertvolle Hinweise, eine Suspendierung steht an und am Ende verdichten sich die Verstrickungen aus Drogen, Korruption, Verrat und Intrigen, die wie immer in höchste Kreise reichen. Großartige Twists bleiben aus und wer letztlich die Fäden in der Hand hat, ist spätestens ab Mitte der Erzählung zu erahnen.

Ohne Depardieu wäre der Streifen weitaus schlechter weggekommen und auch die Wahl und Gestaltung der Kulissen kaschiert einige Schwachpunkte.
Jedoch täuscht die phasenweise lahm vorgetragene Geschichte mit einigen redundanten Figuren nicht darüber hinweg, es durch und durch mit unspektakulären Cop-Krimi-Elementen zu tun zu haben, die im Zusammenhang rein gar nichts Innovatives beinhalten.
Sehbar, aber ohne sonderliche Spannungsmomente oder markante Schauwerte und von daher allenfalls Fans von Depardieu zu empfehlen.
4,5 von 10

Details
Ähnliche Filme