Wenn man nach der Anzahl der Bewertungen von "Fear and Loathing in Las Vegas" auf den Bekanntheitsgrad von Hunter S. Thompson Rückschlüsse ziehen könnte, sollte man annehmen, dass der Name vielen Usern ein Begriff ist. Daher bin ich ein wenig erstaunt, dass ich diese geniale Dokumentation aus dem Jahre 2008 habe eigenhändig eintragen müssen.
Alex Gibneys Materialwahl zur Zusammenstellung seiner Dokumentation fällt positiv aus. Der Film beinhaltet einen guten Abriss der 1960er Jahre; fokussiert sich dabei auf das spezielle Lebensgefühl der Westküste zu dieser Zeit und hebt die Hintergründe der "counterculture" hervor, die ohne Zweifel als Grundlage des literarischen Schaffens von Hunter S. Thompson dient. Zu Wort melden sich zahlreiche Freunde, Politiker, Autoren: Tom Wolfe, Jimmy Carter, Johnny Depp, Juan Thompson uvm. . Durch eine große Anzahl an Archivaufnahmen entsteht das Bild eines Mannes, der im Laufe seines Lebens eine Entwicklung vollzog: Journalist, Rebel, erfolgreicher Schriftsteller und abschließend Gonzo-Ikone.
Der Film beginnt mit den Reaktionen Thompsons auf das 9/11 Attentat und verlagert anschließend den Fokus auf seine Hauptwerke: Hell´s Angels, Fear and Loathing in Las Vegas und Fear and Loathing on Campaingn Trail 72´. Immer wieder sehen wir Johnny Depp, der uns relevante Inhalte aus dem literarischen Oeuvre vorliest. Dabei werden oftmals Parallelen zu politischen Geschehnissen der heutigen Zeit hergestellt, um die Aktualität von Thompsons Schriften zu unterstreichen.
Wenn man über die Person Hunter S. Thompson einen Dokumentarfilm realisiert, kommt man an den Drogenexzessen nicht vorbei. Diese werden jedoch nicht affirmativ dargestellt und der Film verweigert sich auch fortwährend einer einfachen, reduktionistischen Psychologisierung, die man durchaus vermuten könnte, nachdem man von Alex Gibney die schwierige Kindheit des Docs vor Augen geführt bekam. Viele Elemente wurden anhand von Kassettenrekorder rekonstituiert, die Hunter im Laufe seines Lebens mit sich trug und auf denen Fragmente seiner wilden Exzesse verewigt waren.
Ein weiteres Thema des Films ist der Selbstmord Thompsons. Der Waffennarr beendete sein Leben eingehändig im Alter von 68 Jahren als er von seinen Liebsten umgeben war: Sein Sohn befand sich im Haus und mit seiner Frau sprach er am Telefon. Es war kein Akt der Verzweifelung, sondern ein gut durchdachter Plan.
Auch mit einem zurückhaltenden Blick gelingt Gibney eine großartige Verwebung aus Dokumentation und Biographie. Für Fans von Hunter S. Thompson ist dieser Film sicherlich Pflichtprogramm; aber auch für Anfänger stellt er einen gelungenen Einstieg in die Welt des Gonzo-Journalismus und dessen Hauptvertreter dar.
Letztendlich bleibt noch die großartige Musik hervorzuheben, die aus coolen Oldies der 60er und 70er besteht!