Review

Dracula- Das ist eine jener klassischen Horrorfiguren, die, wie Frankensteins Monster oder die Mumie, schon Generationen von Horrorfilmliebhabern begeistert hat und es wie kaum eine andere schafft, dem Publikum kalte Schauer über den Rücken zu jagen.
Ebenfalls wie die im selben Jahr entstandene Frankenstein-Verfilmung von James Whales beruht auch dieser Film von Tod Browning auf einer literarischen Vorlage- nämlich dem 1894 erschienen Roman von Bram Stoker. Beide von Universal produzierte Filme gelten heute als Klassiker und Wegbereiter für unzählige mehr oder minder qualitativ hochwertige Plagiate und Fortsetzungen.

Als nächstes möchte ich nun erstmal ein paar Worte über den Inhalt des Films verlieren, bevor ich mit meiner Review einzelne Aspekte näher betrachte:

Die Storyline beginnt damit, dass wir miterleben wie der junge Maklersgehilfe Renfield kurz vor Sonnenuntergang mit einer Kutsche ein ungarisches Dorf mitten in der „Pampa“ erreicht. Er ist auf dem Weg zum Schloss des Grafen Dracula, der in dieser Gegend eine zweifelhafte Reputation besitzt, was man deutlich an den Reaktionen der Dorfbewohner merkt.
Zunächst sieht es so aus, als ob Renfield die Nacht in dem Dorf verbringen müsse, da der Kutscher sich weigert, so kurz vor Sonnenuntergang seine Fahrt fortzusetzen. Doch Renfield gelingt es, sich von ihm bis zum Borgo Pass bringen zu lassen, wo ihn bereits eine Kutsche des Grafen erwartet. Im Schloss angekommen, trifft Renfield schon bald auf seinen Gastgeber. Nach einem kurzen Dialog kommen die beiden zum Geschäft und schließen den Kauf des Grafen, ein Grundstück namens Carfax Abbey in London, ab. Per Schoner begeben sich nun Dracula und Renfield nach England, wo der Maklersgehilfe nach der Ankunft aufgrund seines mentalen Zustandes in die psychiatrische Anstalt des Dr. Seward eingewiesen wird. Dem Grafen gelingt es währenddessen sich bei seinen neuen Nachbarn eben jenem Dr. Jack Seward, der jungen Mina Seward, ihrem Freund Jonathan Harker und ihrer Freundin Lucy Weston vorzustellen und leichtes Interesse bei einer der Damen zu erwecken. Es kommt wie es kommen muss, die junge Miss Lucy fällt dem Blut saugenden Grafen zum Opfer und ist fortan verdammt ihr Leben als Untote zu fristen. Nach diesem Vorfall wird aufgrund der ungewöhnlichen Todesumstände beschlossen den erfahrenen Dr. Van Helsing um Beistand zu bitten, der schließlich zu der Schlussfolgerung kommt, dass sie es hier mit Nosferatu, einem untoten Vampir zu tun haben. Ebenfalls ist bald klar, dass der neue Nachbar Dracula dieses gesuchte Wesen ist. Fortan wird alles getan um weitere Opfer zu vermeiden, doch dem Grafen gelingt es trotzdem sich der jungen Mina Seward zu bemächtigen- oberstes Ziel ist nun dem Treiben endgültig Einhalt zu gebieten und den Grafen zu vernichten.

Dieser heutzutage zu Recht von Genrefans als Klassiker angesehene Film beginnt in seiner Ursprungsversion gleich mit einem ebenso klassischen Stück Musikgeschichte- zuerst sanft und im Verlauf immer aufbrausender, vernimmt das Ohr des Zuschauers während der gesamten Anfangscredits Tchaikovsky’s Schwanensee.
Von der allerersten Minute an schafft es der 1931 entstandene Filme eine Aura des Unheils aufzubauen. Das beginnt damit, dass wir die Kutsche des Marklersgehilfen durch die unwirtliche Matte- Paintings- Landschaft Ungarns brausen sehen und wissen, dass ihm sehr bald sein Auftrag zum fatalen Verhängnis wird. Allein dieses Vorwissen vermag es, ein bedrückendes Gefühl im Magen des Zuschauers hervorzurufen.
Einen Großteil seiner Atmosphäre bezieht der Film besonders am Anfang zudem durch die karge Landschaft, die mit Hilfe der weiter oben bereits erwähnten Matte-Paintings - gemeint sind gemalte Hintergrundbilder, die in den Film einkopiert wurden - kreiert wird; im späteren Verlauf dann vor allem durch Lugosis Bildschirmpräsenz, auf die ich später noch einmal zurückkommen werde.

Der Film an sich weiß, trotz seiner langsamen Inszenierungsweise, auch heute noch zu gefallen. Zwar scheint es, dass dem Film in der zweiten Hälfte gegenüber der ersten Halbzeit ein bisschen die Puste ausgeht, wodurch der Spannungsbogen etwas in Mitleidenschaft gerät, aber selbst dies kann den überaus positiven Gesamteindruck des Werks kaum schmälern. Kann die Kamera zwar nicht mit schnellen Schnitten und viel Action aufwarten, so gelingt es ihr nichtsdestotrotz wunderbar fesselnde Bilder einzufangen, die sich relativ nahe an Bram Stokers Vorlage halten. Es wurden zwar hier und da einige Details und Handlungsstränge verändert, was sich aber nicht störend auf das Filmvergnügen auswirkt und damit zu begründen ist, dass der Film nicht direkt auf Stoker’s Vorlage beruht, sondern auf dem gleichnamigen Bühnenstück, das ein paar Änderungen aufweist.
Als Beispiel für Unterschiede sei hier die Veränderung von Verwandtschaftsverhältnissen und Namen genannt oder die Verlegung vom Finale aus den Gefilden Transsylvaniens ins heimische London.

Einen kleiner negativer Aspekt bleibt hier jedoch noch zu erwähnen, und zwar sind es die schauspielerischen Leistungen, die sich bei den meisten Akteuren leider nur im Bereich des durchschnittlichen ansiedeln lassen. Allen voran die überaus hölzern agierenden Darsteller von Jonathan Harker (David Manners) und Dr. Jack Seward (Herbert Bunston). Beide wirken als hätten sie sich vor Drehbeginn Botox ins Gesicht spritzen lassen, denn wirkliche Emotionen oder anderweitige Regungen sucht man hier vergebens. Ähnlich, wenn auch nicht in ganz so dramatischem Ausmaß, lässt sich das bei den beiden Darstellerinnen von Mina Seward (Helen Chandler) und Lucy Weston (Frances Dade) beobachten; die beiden Damen wirken für ihre Rollen zu steif, direkt so, als könnten sie sich nicht richtig in ihre Rollen hineinversetzen. Einzig und allein Bela Lugosi (Graf Dracula) und sein Diener Renfield (Dwight Frye) holen die Kohlen aus dem Feuer. Lugosi spielt nicht den Grafen, er ist der Graf höchstpersönlich. Ihn umgibt eine Aura des mystischen und des gefährlichen und er versteht es, seine Rolle vor allem mit Hilfe seiner Mimik zu vermitteln. Ein großes Lob geht hierbei an die Beleuchtungs- Crew des Films, denn sie haben zusammen mit Lugosi diesen einmaligen hypnotischen Blick des Grafen geschaffen, der einen bis in die Träume hinein verfolgt.

Fazit: Ein spannendes und atmosphärisches Stück Kinogeschichte, dass trotz der vielen Jahre auf dem Buckel noch heute seine Anhänger finden wird. Für Genrefans ein Muss!!

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