"Müde Wachleute"
„Money changes everything" trällerte Pop-Göre Cindy Lauper bereits in den 80ern. Motto und Entstehungsjahrzehnt passen auch gut zum Actionthriller Amored, der eine ordentliche Reihe „Old School"-Attribute für sich verbuchen kann: Ein simple, schnörkellos erzählte Story. Eine klare Absage an ADS-Kamera und Mach 4-Schnitte. Eine wohldosierte Mischung aus Testosteron und Adrenalin. Das alles schön säuberlich verpackt in eine knackige Laufzeit von 88 Minuten. Das weckt natürlich Erinnerungen an die gute alte Action-Zeit, als ein muskelbepackter Österreicher und ein nicht minder aufgepumpter Italoamerikaner sich mit Krawumm durch papierdünne Plots prügelten und ballerten.
Geld ist die Antriebsfeder für das erstaunlich prominent besetzte Männerensemble. Und dieses Geld wird das Leben aller Beteiligten ordentlich durcheinander wirbeln. Matt Dillon, Jean Reno, Laurence Fishburne, Skeet Ulrich und Columbus Short arbeiten sämtlich für eine Geldtransport-Firma. Große Brötchen backen sie dabei natürlich nicht. Da kann man schon mal auf die Idee kommen, das eigene Insiderwissen zur Sanierung der Altervorsorge einzusetzen. Der von Mastermind Mike (Dillon) ausgetüftelte Plan scheint Idiotensicher. Die Wachleute überfallen sich einfach selbst, somit gibt es weder Opfer noch die Notwendigkeit von Gewaltanwendung. Nur dichthalten müssen alle. Aber jeder noch so perfekt ausgetüftelte Plan hat potentielle Schwachstellen. Mit dieser ebenso simplen wie bitteren Erkenntnis sehen sich auch bald die Hobby-Ganoven konfrontiert ...
Besetzung und Plot bieten also beste Vorraussetzungen für ein Actionkleinod. Leider wird der mit tumben Wrestlern, billigen C-Produktionen ehemaliger Stars und inflationär eingesetzter Videoclip-Bildsprache malträtierte Actionfreund auch mit Armored nicht von seinen Leiden erlöst. Nach vielversprechendem Auftakt geht dem Film ausgerechnet in der actionreicheren zweiten Hälfte gehörig die Puste aus.
Völlig verschenkt wird insbesondere die für die kurze Laufzeit und das Genre recht ausführliche Entwicklung der Charaktere. Jean Reno gibt seinen schon standardisierten stillen tough Guy (Ronin, Mission Impossible), Laurence Fishburne den gewaltbereiten Zyniker mit sadistischen Zügen (Kill Bobby Z), Skeet Urich den labilen Nervösen und Matt Dillon den nach außen netten Jungen und Kumpel von nebenan, dessen düstere Seite erst im entscheidenden Moment, dafür aber deutlich zum Vorschein kommt (L.A. Crash, Wild Things).
Bei einer solchen Konstellation freut man sich regelrecht auf den unvermeidlichen Zusammenstoß in der geplanten Extremsituation. Und dann kommt praktisch nichts. Jeder darf kurz mal im Sinne seiner Figur reagieren, ausflippen, einknicken oder überraschen. Lediglich Dillon vermag aus dem mit zunehmender Laufzeit immer schwächer werdenden Script ein halbwegs interessantes Charakterbild herauszuspielen. Fishburne und vor allem Reno verkommen zu reiner Staffage und hätten von weniger prominenten Mimen ersetzt werden können, ohne dass es irgendjemand aufgefallen wäre oder dem Film geschadet hätte.
Die ganze Misere hätte durch dichte Atmosphäre und knisternde Spannung zumindest bemäntelt werden können. Leider bietet Armored auch hier nur Dutzendware. Wie man aus den Steilvorlagen des begrenzten Raumes - einer der Wachmänner will ausscheren und schließt sich in dem Panzerwagen ein - und der verrinnenden Zeit - der Plan erfordert einen minutiösen Zeitablauf - so wenig herausholen kann, ist schon fast wieder eine Kunst. Auch das Auftauchen ungebetener und vor allem unerwarteter Gäste - die Beute soll auf einem verlassenen Industriegelände beiseite geschafft werden - wird recht ungeschickt eingebaut und dürfte beim Zuschauer kaum zu erhöhten Pulswerten führen. Alle Kniffe und Wendungen der Story hat man schon häufig cleverer, Adrenalinsteigernder und vor allem wesentlich nervenaufreibender arrangiert gesehen.
Letztendlich bietet Armored bestenfalls durchschnittliche Genrekost - vor allem gemessen an den storytechnischen und darstellerischen Möglichkeiten - und wurde zu recht dafür am US-Box Office ordentlich abgestraft. Bei dem entworfenen Heist-Szenario, der vor allem dank der prominenten Darsteller interessanten Figurenkonstellation sowie der insgesamt stringenten und ohne Nebenhandlungsmätzchen auskommenden Erzählweise wäre erheblich mehr drin gewesen. Hätte man sich einfach einer leicht abgewandelten Variante von Cindy Laupers größtem Hit erinnert, dann wäre sicher auch die finanzielle Ausbeute erheblich freundlicher ausgefallen. Denn insbesondere im Actiongenre gilt immer noch die simple Weisheit. „Boys just wanna have fun."