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Mit jedem seiner bislang vier Langzeitfilme schlug Nimrod Antal, der amerikanische Regisseur mit ungarischen Wurzeln, eine genretechnische Gradwanderung ein, wobei sein Hang zu klaustrophobischen Schauplätzen oft durchschimmerte.
„Armored“ ist hingegen ein reiner Männerfilm geworden, ein gradliniger Thriller, indem erst gar keine Frauen mitspielen.

Die Mitarbeiter des Sicherheitstransportes „Eagle Shield“ wagen den großen Coup: 42 Mille sollen von A nach B transportiert, doch das Geld soll versteckt und ein Überfall vorgetäuscht werden, so dass niemand verletzt wird. Doch in einer leerstehenden Fabrik gerät alles aus dem Ruder als ein Zeuge bei der Operation gesichtet wird…

Allein die Besetzung ist natürlich schon eine Einladung: Matt Damon, Laurence Fishburne, Columbus Short, Fred Ward, Jean Reno und Skeet Ulrich sind Mimen, die eigentlich einen Garant für markante Figuren mit Ecken und Kanten abliefern, doch hier läuft es ähnlich wie bei den „Expendables“, denn viele Darsteller werden schlicht verheizt oder mit undankbaren Rollen ausgestattet, da sich am Ende nur Damon und Short herauskristallisieren, indem Damon den Wortführer der Aktion mimt und Short als Held ohne sonderlichen Bewegungsfreiraum im eingeschlossenen Truck operieren muss.

Der Background der Figuren ist vage, teilweise auch reichlich klischeebelastet, doch die Entwicklungen einiger ist durchaus interessant zu verfolgen, wobei die dankbare Prämisse stark an „Reservoir Dogs“ und Konsorten erinnert: Eine kriminelle Aktion geht schief und mit jeder Reaktion einzelner Individuen verschlimmert sich die Lage zusehends.
Allerdings wird das Potential der Konfliktsituation nicht vollends ausgeschöpft, einige Reaktionen wirken beinahe unfreiwillig komisch (aus Gewissensbissen lässt sich einer vom Dach fallen) und auch in Sachen Logik arbeitet das Drehbuch oftmals nicht sonderlich rational, was bei den luschigen Kontrollen eines solchen Transportes einsetzt, über eine Klappe im Boden des Geldtransportes geht und nicht erst mit dem unglaubwürdigen und arg überzogenen Ausgang endet.

Das Tempo ist allerdings konstant passabel, ab und an kommen kurze Verfolgungen durch das Gelände zum Einsatz, während die schnörkellose Inszenierung mit kleinen Spannungseinlagen punkten kann, obgleich die ganz großen Überraschungen außen vor bleiben. Die einzige Überraschung dürfte von Jean Reno kommen, denn der weiß bei seinen drei Sätzen wahrscheinlich selbst nicht, was er da am Drehort macht.

Ansonsten bietet „Armored“ einen unterhaltsamen, kurzweiligen, wenn auch nicht sonderlich erinnerungswürdigen Thriller, dem sein geringes Budget innerhalb der Action durchaus anzusehen ist, während die meisten der bekannten Mimen ordentlich performen, obgleich sie nicht übermäßig gefordert werden.
Zwar geht es im Kern um existenzielle Probleme, doch so sehr geht der Stoff nun wahrlich nicht ans Eingemachte, um nicht so nebenher konsumiert werden zu können.
6 von 10

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