Staffel 1
erstmals veröffentlicht: 08.08.2015
Endlos sind die Möglichkeiten, von Kollisionen unterschiedlichster Menschen in der anonymen Großstadt zu erzählen, also wurde der Oscargewinner aus dem Jahr 2004 vier Jahre später als Serie fortgesetzt. Mit vorbestimmtem Konzept und Setting ergibt sich die stilistische Ausrichtung fast automatisch; dezente Linien ziehen sich im Vorspann durch die Blocks von LA und vereinen die einst durch David Finchers „Panic Room“ initiierte direkte Einbindung von Titeleinblendungen in den realen Hintergund sowie die seinerzeit aktuelle Google-Maps-Ästhetik unter sanftem elektronischen Herzschlag, der den Puls der Stadt imitieren soll.
Mit Bildern wie aus Lynchs „Mulholland Drive“ startet „Crash“ äußerst ambitioniert, scheitert aber bald schon auf dem schmalen Grat, die Charaktere gleichermaßen realistisch und intensiv anzulegen; die Drehbücher neigen stets zu Letzterem und opfern dafür ihre Glaubwürdigkeit. So viel Spaß es auch macht, einen von der Leine gelassenen Dennis Hopper auf seinen Irrwegen zu begleiten, viele andere Darsteller scheinen nicht so recht den Maßen zu entsprechen, mit denen ihre Rollen geschneidert wurden. Dies gilt vor allem für einen zentralen Handlungsstrang um den Polizisten Kenny (Ross McCall) und dessen Verhältnis mit Inez (Moran Atias), aber auch Jocko Sims, der dem längst der Filmkritik entflohenen, in einer eigenen Sphäre agierenden Hopper als Chauffeur und Schützling zuspielt. Sie alle lassen Zweifel an der authentischen Zufälligkeit der Begegnungen aufkommen und ziehen damit den Verdacht der Konstruiertheit auf sich. Andere Handlungsstränge, etwa jene um den Doktor, den Flüchtling oder die verlassene Hausfrau verlaufen mehr oder weniger im Sande. Ihnen gelingt kein poetischer oder sonst wie bedeutsamer Abschluss.
Ambitioniert, aber nicht immer glücklich.
(5/10)
Staffel 2
erstmals veröffentlicht: 22.08.2015
Für Season 2 wurden ausgerechnet die etwas glaubwürdigeren Handlungsstränge gekappt und die schrillen Figuren nicht nur behalten, sondern weitere Exemplare ihrer Art hinzugefügt. Dennis Hopper, der die erste Staffel mit seiner unterhaltsamen Querulantenart bestimmte, kommt in einer grundlegend erneuerten Drehbuchsituation allerdings diesmal wesentlich zahmer daher und verliert seinen Alphastatus an Eric Roberts, der das Zepter mühelos übernimmt und eigentlich nur Hoppers roten Faden kaum tangiert, für fast alle anderen Subplots jedoch als Zentrum fungiert.
Nun waren Charaktere wie Polizist Kenny oder seine Zufallsbekanntschaft Inez eher grobschlächtig ausgearbeitet und schienen nicht viel Tiefgründiges herzugeben, allerdings macht die Serie mit ihren Darstellern Ross McCall und Moran Atias, die neben Hopper und dessen Partner Jocko Sims als Einzige in allen Folgen vertreten sind, etwas sehr Kluges, das erstmals das konzeptuelle Potenzial aufzeigt: Es gibt ihnen völlig autarke Storylines auf den Weg, die sich fast nie direkt kreuzen, über Umwege aber gewisse Dynamiken aufeinander ausüben. Diesbezügliche Ambitionen untermauert das erneut 13-teilige Episodendrama auch mit besonderen Momenten wie einem stadtweiten Stromausfall, bei dem die Vernetzung der Bürger L.A.s besonders deutlich wird.
Neuzugänge wie Jake McLaughlin oder der aus „Twin Peaks“ bekannte Dana Ashbrook sorgen mit ihren schillernden Figuren zusätzlich dafür, dass man durchaus den berühmten Pageturner-Effekt erlebt, wenn mal wieder ein Erzählstrang vom nächsten abgelöst wird.
So drängt sich retrospektiv das Gefühl auf, „Crash“ sei abgesetzt worden, bevor es sich wirklich entfalten und von der Filmvorlage emanzipieren konnte.
(7/10)