Review

Auf den Spuren von „Bestien lauern vor Caracas“, „Insel des Dr. Moreau“ oder auch „Caprona“ wandeln immer mal wieder kleine Ableger, wenn es darum geht, das fehlende Glied der Evolution zu entdecken.
Unbewohnte Inseln üben schließlich eine ungeheure Faszination aus, - da können Schiffbrüchige die Bekanntschaft mit irren Wissenschaftlern oder Urzeitechsen genauso machen wie mit einem affenähnlichen Kannibalenvolk, welches uns hier präsentiert wird.

Für eine Grundsatzdiskussion über Evolutionstheorien reicht der Stoff natürlich nicht aus, auch wenn sich am Rande der Insellandschaft wissenschaftliche Forscher und ein Killer (Lance Henriksen) im Auftrag der Kirche in die Quere kommen.
Denn im Fokus steht die Gruppe Gestrandeter, die sich nach dem Kentern ihrer Yacht auf dem scheinbar unbewohnten Eiland umsieht und schon bald Bekanntschaft mit einer unentdeckten Spezies macht…

Leider vergeigt die Erzählung in der Frühphase eine effiziente Figureneinführung, denn an Bord befinden sich lediglich Yuppies auf dem Weg zu einem Vertragsabschluss, die mit ihren Ladies eine legere Stimmung heraus hängen lassen.
Eventuell könnte man sich Anna vormerken, da diese über anthropologisches Basiswissen verfügt und ihren Macker Tom, der vorm Kentern noch eine Liebeserklärung ablässt.
Nach dem einigermaßen ansprechend in Szene gesetzten Schiffbruch ist allerdings erst einmal „Lost“ - Feeling angesagt, der Dschungel wird erkundet und schon bald stößt man auf eine blutig zugerichtete Leiche.

Bis die grummelnden Insulaner schließlich in Erscheinung treten, streut man die üblichen bösen Vorzeichen in Form einer Schlange, unerklärlichen Geräuschen aus den eng gewachsenen Wipfeln und Fund des wissenschaftlichen Basislagers einschließlich einer Videobotschaft ein.
Natürlich bleibt die Gruppe nicht zusammen, damit Einzelpersonen leichter von den Urzeittypen gekascht werden können, was immerhin mit kleineren Gewalteinlagen wie offenem Rücken, Kralle durch den Unterleib oder angedeuteter Folter einhergeht.

Die Verständigung unter den (ohrenscheinlich) ausschließlich männlichen Wesen wirkt zwar phasenweise unfreiwillig komisch, doch zumindest behält man sich die vollständige Erscheinung der Kannibalenaffen bis zum letzten Drittel vor, in dem es noch ein paar Höhlenerkundungen, einen ergreifenden Abschied und den Versuch von instinktiven Rudelverhaltens zu sehen gibt, was dann schon fast an „Gorillas im Nebel“ erinnert.

Inszenatorisch punkten im Gesamtpaket der Dschungel Panamas, die größtenteils um taugliche Perspektiven bemühte Kamera und der abwechslungsreiche Score.
Auf darstellerischer Seite hat man es hingegen mit austauschbaren Gesichtern zu tun, wobei niemand negativ auffällt. Schade sind nur die viel zu kurzen Szenen mit Henriksen, der als kaltblütiger Killer voll in seinem Element ist.

„Lost Island“ kann am Ende nicht gerade zu den originellen Vertretern des Einsame-Insel-Horrors gezählt werden. Hintergründe über die unentdeckten Kreaturen bleiben komplett außen vor und die Erzählung betont vermehrt die reinen, oftmals recht einseitig ablaufenden Auseinandersetzungen zwischen Zivilisation und wilder Natur.
Partiell nicht unspannend und phasenweise auch abwechslungsreich, gelingt es dem Streifen zu selten, markante Szenen hervorzubringen, um vom Unterhaltungswert her an die teilweise liebevoll trashigen Pendants der 50er bis 70er heranreichen.
Für die einmalige Sichtung allerdings passabel, - eine dünne Story kurzweilig umgesetzt:
5,5 von 10

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