Geht ein Mann in die Videothek und verlangt aus dem liebgewonnenen Gewaltgenre mal was Originelles...
Könnte ein Treppenwitz sein, aber wer fischt nicht in den trüben, längt von Billigschrott zugemüllten Tiefen mal gern nach einem Film, der sowohl das Streßabbauzentrum und den kleinen Prinzen im Schritt anregt und nicht gleichzeitig dumm wie geschnitten Brot ist.
Im Falle des spanischen "Sexykiller" könnte man rein vom Coverartwork her natürlich voll ins Exkrement greifen: "sexy" im Titel, eine knappt bekleidete Schnitte im Minitanga mit Knarre und Kopf in der Handtasche lacht einem entgegen (oder guckt halt provokant) - solche Offensichtlichkeiten lassen sich unter Genrefans halt gut vermarkten.
Und ja, die Spanier haben die 87 Minuten Film für lockere Unterhaltung verwendet, nicht zuviel Anspruch, aber auch nicht bar jeder Kreativität, wenn man einen kleinen Film aufbereitet - und ordentliche Genrequalität ist in des Deutschen Lieblingsurlaubsland ja auch seit Jahren keine Seltenheit.
Und hey, was dann kommt, beweist einen enorm guten Ungeschmack: wir haben eine weibliche Serienkillerin, die (abgesehen von der Pre-Title-Sequenz, die den ersten von vielen augenzwinkernden Genreverweisen in diesem Film liefert, hier von "Scream") gleich zu den Klängen von "Barbie Girl" eingeführt wird, eine superschlanke Tussi de Luxe, die jede Menge bissiger Bitch ausstrahlt, aber mit ihrem Modeverständnis die armen Jungs locker in den Wahnsinn treibt, auch wenn man von der Farbauswahl in Sachen Mode und Ausstattung flottikowski Augenkrebs bekommen könnte, durchgehend ein brachialer LSD-Trip.
Die "heiße" Barbara - die übrigens nicht klassisch schön, aber exzentrisch speziell ausschaut - ist nun mal vorbelastet und beseitigt alles, was ihr dumm kommt oder sie stört, weswegen sie auch schon die flotte Campuskillerin ist. Wenn es gegen ihr Ego, ihren Geschmack, ihre Vorlieben geht oder die Jungs sexuell unzulänglich sind, dann greift sie zur Puste und zum reichhaltigen Sägewerk, während die Männer reihenweise entweder in die Kategorien luschig-schlappschwänzige und nervöse Nerds oder hormongesteuerte, blöde Arschlöcher eingeordnet werden können - die generelle Unfähigkeit beweist schon die Tatsache, daß alle immer noch einen Mann als Täter suchen, was sich im Film auch nicht mehr ändern wird.
An so einen Film stellt man dann auch wirklich kaum intellektuelle Ansprüche, hier soll ein bißchen fieser Fun bei rumkommen und Macarena Gomez (heeha, allein für den Namen!) liefert reichlich mit Outfit, Mordwerkzeugen und manchmal auch mit fiesen Kommentaren (zwei Drittel des Films erzählt sie einem Macho, den sie gerade wortwörtlich auf seine Nobelkarre genagelt hat), wenn letztere auch manchmal etwas witzfrei sind.
Der Plot selbst ergeht sich in vielen Rückblenden und Zwischeneinschüben, doch die Episödchen genügen eigentlich, wenn man damit einen abgedroschenen Sonderplot vermeidet, stattdessen hüpfen aber genügend andere nette Mädels in Abendkleid und Unterwäsche durchs Bild. Irgendwann, spätestens als der Prämisse endgültig die Luft ausgeht (inzwischen haben wir das halbe Horrorgenre durchkonjugiert und vorbeiflanieren lassen, nicht immer originell), kommt noch ein Subplot mit einer Maschine ins Spiel, die Tote ins Leben zurückruft, was eine Horde Zombies (aka: bisherige Opfer) auf eine Mediziner-Kostümparty losgehen läßt (von Leatherface bis zur Nazi-Uniform sind alle dabei). So garantiert man dann ein schön hysterisches Gemetzel als Höhepunkt.
Wie gesagt: mächtig originell ist das nicht, die Tricks sind ordentlich, aber meistens computerbearbeitet, dafür gibts viele kleine optische Spielereien (der Vorspann sei hierzu empfohlen) und nette kleine Einschübe, aber die Figur der Barbara an sich ist der Schwachpunkt des ganzen Films, denn wer bei ihr auf eine interessante Pointe oder tolle Erklärung wartet, bleibt auf der Strecke. Zu sehr konzentriert man sich auf den Subplot, der meistens noch mit zwei depperten Studenten aus der "American Pie"-Ära garniert ist und läßt interessante Ansätze (der ermittelnde Polizist erschießt u.a. seinen Chef, als dieser ihn kritisiert) meistens schnell wieder unter den Tisch fallen.
Bunt und schräg genug, um das Publikum ein Stündchen bei der Stange zu halten, erwartet man jedoch dann ein Ende, daß passend zum Bisherigen natürlich "over the top" daherkommt, doch ausgerechnet da, als es wahrlich comic- und ikonenhaft wird, gehen dem Film die Ideen aus. Spätestens wenn Barbara zur berühmten "Frosch-und-Skorpion-Story" ansetzt, die nun wirklich überall totgeritten wurde, ahnt man das Ende, das andernfalls eine hervorragende Steilvorlage für eine noch ausgeflipptere Fortsetzung gewesen wäre, aber so eher den Filmtiefpunkt markiert.
So bleibt der Film also mehr attraktives Häppchen als echter Geheimtipp, hat aber dank der Bekleidungen von Miss Gomez vermutlich schon bald reichlich männliche Fans - mit dem kleinen Problem, daß es einfach noch schräger, noch kaputter und noch greller hätte werden können, so aber eher leicht ironisch, leicht abgedroschen und erzählerisch unterentwickelt bleibt. Angesichts der Storyansprüche vieler Horrorfans ist das aber trotzdem noch Awardmaterial.
Dennoch: ich wünsch mir eilend eine Fortsetzung, da geht noch was. (6,5/10)