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Die kleine Mary lebt in Australien, ist sozial isoliert und leidet zudem unter ihrer alkoholsüchtigen Mutter und ihrem einzig und allein an seinen Hobbys interessierten Vater. Sie schickt einen Brief wahllos an eine Adresse in New York und kontaktiert so den 44jährigen Max. Dieser ist ebenfalls überaus einsam und kann sowohl mit seinen eigenen Gefühlen als auch mit denen seiner Mitmenschen wenig anfangen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine intensive Brieffreundschaft.

Computeranimationen werden dank Pixar und seinen Nachahmern zunehmend besser, aber auch günstiger und entwickeln sich -auch in 3D- immer mehr zum Standart; selbst die Simpsons als amerikanisches Kultformat sind mittlerweile animiert und dreidimensional, genauso wie z.B. die "Asterix"-Trickfilme. Herkömmlichen Zeichentrick bekommt man meist aus dem asiatischen Raum zu sehen, während Stop-Motion-Trickfilme eher selten erscheinen und noch seltener wirklich gut sind, wie der überschätzte "Coraline" oder "Der fantastische Mr. Fox" in letzter Zeit belegten. Umso höher ist "Mary & Max" von Adam Elliot, der bereits in einem Kurzfilm mit Knetfiguren und Stop-Motion-Tricktechnik arbeitete, einzuschätzen.

Und bei Elliot ist die Stop-Motion-Technik nicht allein deshalb besonders gelungen, weil man sieht, dass viel Arbeit und Herz im Projekt stecken, bzw. weil sie zwischen den computeranimierten Filmen heraussticht, wie dies etwa bei "Coraline" der Fall war. Vielmehr zeigt "Mary und Max" eine hervorragende Fusion des Stils, seines Inhalts und seines Humors. So gelingen Elliot einige Gags, die ihm in herkömmlichen Animationsfilmen so definitiv nicht gelungen wären. Immer wieder wirken diverse Slapstick-Einlagen deutlich amüsanter, weil die Stop-Motion-Technik ihnen einen gelungenen Rahmen bietet und auch das Erscheinungsbild der schrulligen Figuren passt letztlich wie die Faust aufs Auge. Hinzu kommen ein paar inszenatorische Spielereien von Elliot, der auch das Drehbuch verfasst hat, die den Film visuell umso eindrucksvoller machen. So ist das nachgebaute New York sehr dunkel dargestellt und in schwarz-weiß, während die bunten Bilder aus Australien diese gelungen kontrastieren. Zahlreiche weitere Einfälle, die Animation von diversen Tieren, die Zeichentrick-Einspielungen, die zusätzliche Einbringung etwa von Regen, komplettieren den hervorragenden visuellen Eindruck, der letztlich vor allem der Innovation seines Machers geschuldet ist.

Die Story dazu ist ebenfalls nicht schlecht. Die Charaktere gewinnen an Profil, vor allem deshalb, weil Elliot fast seine gesamte Laufzeit dafür aufwendet, tief in ihr Gefühlsleben einzutauchen, ihre Träume, Sehnsüchte und Ängste darzustellen. Der Plot dazu ist solide konstruiert, stellenweise jedoch etwas brüchig und konfus erzählt. Mit zahlreichen Zeitsprüngen und einigen arg konstruiert erscheinenden Wendungen verliert das Geschehen leider immer mal wieder an Fahrt, doch dies verhindert lediglich den Sprung zum Meisterwerk.

Denn letztlich ist "Mary & Max" dennoch ein sehenswerter und durchweg sympathischer Film, der Tragik und Komik virtuos ausspielt. Es gibt immer wieder heftige Schicksalsschläge, Todesfälle, menschliche Tragödien, doch diesen wird immer wieder mit schwarzem Galgenhumor oder sympathischen Gags begegnet, sodass eine emotionale, aber doch amüsante Grundstimmung gegeben ist. Die Schwächen und Leiden der Figuren sind ebenso die Grundlage für einige Gags, aber Elliot nimmt seinen liebenswerten, skurrilen, schrulligen Figuren zu keinem Zeitpunkt ihre Würde.

Fazit:
"Mary & Max" wandelt gekonnt auf dem schmalen Grat zwischen Komik und Tragik, unterhält mit zahlreichen Gags ausgezeichnet, bietet jedoch auch viele emotionale Momente in den skurrilen Lebenswegen seiner kauzigen, aber sympathischen Figuren. Hinzu kommt die liebenswerte Inszenierung mit Stop-Motion und Knetfiguren, die mit zahlreichen Innovationen und Details ebenfalls voll und ganz überzeugt, während die verspielten Bilder keinesfalls zum Selbstzweck verkommen. Wäre das Ganze dramaturgisch weniger brüchig und nicht ganz so überkonstruiert, wäre das Potential für ein Meisterwerk des Animationskinos vorhanden gewesen.

75%   

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