Review

Eine animierte Tragödie, hässliche Helden in Plastilin, kann so ein Film funktionieren? Bei Knetfiguren denken wir doch eher an "Wallace & Gromit", lustige Figuren, bunte Welten und überschäumenden Spaß.

Ja, das Konzept geht auf - und wie! "Mary & Max" ist einfach grandios! Selten hat mich ein Spielfilm so in seinen Bann gezogen, selten habe ich so mit den Protagonisten gelitten. Einfach sehenswert! Und die Entdeckung des Winters 2010/11.

Die Welt unserer beiden Antihelden ist in tristen Braun- und Grautönen gehalten, passend zu ihren bitteren Lebenssituationen. Denn sie sind Außenseiter und vom Schicksal arg gebeutelt. Mary ist ein hässliches kleines Mädchen ohne Freunde und Max ein dicker, durch das Asperger-Syndrom von Angstzuständen geplagter Mann mittleren Alters. Auch bei den Charakteren beweist Adam Elliot Mut zur Hässlichkeit, er überzeichnet seine Figuren teilweise bis zur Groteske, mit Wulstlippen, einem Fleck auf der Stirn, einem fetten Bauch oder einer unförmigen Brille. "Mary & Max" wirkt optisch schon fast wie ein Gegenentwurf zu den üblichen kunterbunten Heile-Welt-Animationsfilmen.

Allerdings scheinen die skurrilen Knetfiguren nur auf den ersten Blick abstoßend, denn sie sind absolut liebevoll und mit viel Herz gestaltet. Was sie so sympathisch und vor allem so menschlich macht ist der Umstand, dass es sich um Charaktere handelt, die man aus der Realität zu kennen scheint, mit all ihren Fehlern, Sorgen und Hoffnungen. Adam Elliot behandelt seine Figuren mit allem nötigen Respekt und lässt sie niemals lächerlich erscheinen. Und eigentlich sind sie nur leicht übertrieben und außerdem absolut liebenswert.

Trotz der bitteren Geschichte, den furchtbaren Schicksalsschlägen und menschlichen Tragödien wird einem bei "Mary & Max" warm ums Herz, denn Elliot begegnet der Tragik mit einigem Sarkasmus, schwarzem Humor und wirklich guten Gags. Die meiste Zeit über weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll, oft bleibt einem ein Lacher im Hals stecken oder man muss schlucken und dabei trotzdem lächeln. Die Story ist wirklich rührend und warmherzig erzählt und die Protagonisten verfallen nie der Hoffnungslosigkeit und halten eisern an ihrer Brieffreundschaft fest. Denn die Botschaft lautet: Wenn du echte Freunde hast - und sei es auch nur einer - dann kannst du jeden Schicksalsschlag überwinden.

Fazit: Ein Melodram in Plastilin... und gerade deshalb so bewegend und kein bisschen kitschig! Adam Elliot gelingt hier gekonnt der Spagat zwischen Tragik und Komödie und damit ein überaus warmherziger Film. Man spürt zu jeder Zeit, dass "Mary & Max" mit viel Herzblut gemacht wurde: Ein echtes Meisterwerk! (9,5/10)

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