Unter dem deutlichen Einfluss von Stanley Kubrick und David Lynch liefert der Norweger Pål Øie seinen zweiten Langfilm ab und überzeugt dabei primär mit dichter Atmosphäre und stimmungsvollen Settings. Allerdings ist die mysteriöse Geschichte weitaus durchschaubarer, als uns einige alptraumhafte Szenen glauben machen wollen.
Kai (Kristoffer Joner) kehrt nach neunzehn Jahren zurück in seinen Heimatort, um sich um den Nachlass der verhassten Mutter zu kümmern. Doch schon bald ereignen sich mysteriöse Ereignisse in dem heruntergekommenen Haus, während Kai zusehends von traumatischen Kindheitserlebnissen heimgesucht wird…
Zu Beginn (im Jahr 1989) sehen wir zwei Jungen im Wald. Einer läuft, der andere beobachtet. Der Läufer gerät auf die Straße, ein LKW muss ausweichen und rammt wiederum einen PKW, welcher sogleich in Flammen aufgeht.
Dieses Ereignis prägte Kai nachhaltig, denn er war einer der beiden Jungen.
Kurze Inserts und kleine Flashbacks erweitern das Puzzle um jenes Ereignis, welches eine Kette von unglücklichen Umständen in Gang setzte und während Kai nur Unterstützung von der Polizistin Sara erhält, begegnen ihm die übrigen Bewohner mit Argwohn oder Abneigung.
Es liegen einige Geheimnisse in der Luft und über das sonderbare Verhalten annähernd aller Beteiligten muss man sich im Verlauf schon sehr wundern, denn die surreale Stimmung greift in nahezu jeder Szene um sich.
In ruhiger, phasenweise fast meditativer Erzählweise folgen wir Kai ins alte Haus, in den Keller und ins Obergeschoss, Realität und Fiktion wechseln sich ab und Erscheinungen wie ein brauner Ball oder eine Gestalt mit roter Kapuze geben kleine Rätsel auf.
Dazwischen erfolgen kurze Schockmomente, welche durchaus effektiv sind und zuweilen auch kleinere Gewaltszenen beinhalten.
Handwerklich kann sich die Sache durchaus sehen lassen, denn die Kulissen wie ein Wald im Nebel, ein Wasserfall oder jenes alte Haus sind grundsolide eingefangen und in adäquat düstere Töne getaucht, während der Score, primär bestehend aus sphärischen Klangteppichen, die surreale Stimmung treffend untermalt.
Auch Hauptdarsteller Kristoffer Joner trägt seinen erheblichen Teil zur bedrückenden Grundstimmung bei, denn das Leid seiner Kindheit ist ihm in jeder Hinsicht im Gesicht abzulesen.
Leider ist die Erzählung insgesamt zu sehr von bizarren Sequenzen geprägt, was zur leichten Überfrachtung führt, denn der eigentliche Twist dürfte für Genrefans spätestens im Mittelteil erahnbar sein.
Zu oft soll man auf eine falsche Fährte gelockt werden, obgleich das Rätsel um den damaligen Unfall, als auch der Verbleib einer bestimmten Person nicht allzu schwer zu durchschauen sind.
Immerhin lassen die letzten Einstellungen Raum für weitere Spekulationen, denn alle Geheimnisse werden bis zum Ende nicht eindeutig enthüllt.
„Hidden“ bietet letztlich einen ruhig erzählten Mindfuck in gefälliger Optik, mit einem passablen Score und grundsoliden Darstellern.
Die Story liefert hingegen kaum Innovationen oder fesselnde Momente, - da können auch verschiedene metaphorische Szenen nicht kaschieren, wie schlicht das Geflecht aus Trauma, Schuld und Wahnvorstellungen eigentlich gestrickt ist.
Dennoch einigermaßen unterhaltsam und Leuten ans Herz zu legen, die jederzeit miträtseln mögen und Spaß an surrealen Bildern haben.
6 von 10