Der koreanische Film (z.B. Old Boy) ist augenblicklich ja cineastisch schwer angesagt, und so war denn auch ausreichend Anreiz geboten, der Neuausgabe von "Seom - Die Insel" ca. anderthalb Stunden Bildbetrachtung zu gönnen. Die finale Bilanz fällt etwas zwiespältig aus.
Von allen im Laufe der Filmgeschichte präsentierten Love-Stories zählt die hier beobachtete sicherlich zu den krudesten Variationen ihrer Art; gewalttätig, melancholisch, stumm und in karge, regnerische Bilder verpackt. Obwohl eher ruhig inszeniert, vermag die Handlung schon zu fesseln; auch gibt's zwischendurch immer mal wieder was von der krassen Sorte Schauwert zu bewundern: Mord und Totschlag an Mensch und Tier - um es mal neutral zu formulieren. Allerdings zwängt sich spätestens ab der zweiten Filmhälfte der Eindruck auf, daß hier ganz eindeutig Stil vor Handlung und Atmosphäre vor Inhalt rangieren.
Vielleicht ist ja manche Frage der Psyche gestresster Zentraleuropäer geschuldet, die mit der asiatischen Mentalität nicht so vertraut sind, aber so ganz stimmig erscheint das Agieren der Protagonisten dem Kritiker denn doch nicht. Und wegen all dieser Zweifel an Aussage und Absicht sowie der durchgängigen Unausgeglichenheit des Filmes gibt es eben nur 6/10 Punkten.