Auf einem abgelegenen See in der Wildnis Koreas leben Fischer auf ihren kleinen Hausbooten. Hee-Jin, eine wunderschöne aber stumme Frau versorgt die Angler mit Ködern, Nahrung und Prostituierten. Sie fährt dafür jeden Tag mit ihrem Boot zu den einzelnen Kunden. Nach einiger Zeit verliebt sie sich in den angeblichen Fischer Hyun-Shik, der von der Polizei gesucht wird und deshalb einen Selbstmordversuch begeht. Doch Hee-Jin rettet ihm das Leben. Es entwickelt sich eine bizarre Beziehung zwischen den beiden.
Ki-duk Kim, Regisseur und Schreiber von "Seom - The Isle" ist mit diesem Film ein künstlerisches und filmisches Meisterwerk geglückt. Ohne sich zurückzuhalten, beschäftigt er sich mit heiklen Themen wie Liebe, Prostitution, Vergewaltigung, Suizid und Mord. Es ist faszinierend, mit wie wenig Dialogen und Worten der Film auskommt. Es fallen in knapp 2 Stunden kaum mehr als 20 Sätze. Die Ausdrucksstärke des Films liegt in seinen gewaltigen, verstörten aber auch ästethischen Bildern. Die Naturaufnahmen sind wunderschön geworden, das typisch asiatische Spiel mit Farben und Kameraperspektiven findet hier einen Höhepunkt. Es entsteht eine zauberhafte, aber zugleich beklemmende Atmosphäre.
Im Mittelpunkt des Films steht die Beziehung zwischen den beiden Hauptcharakteren, geprägt von Liebe und Schmerz, Zu- und Abneigung. Neben den schönen Momenten zeigt Regisseur Kim auch die Schattenseiten auf. Zu nennen wären hier unter anderem die Suizidversuche beider Figuren, die sehr verstört auf den Zuschauer wirken. Rettung finden beide nur durch ihren Gegenpart. Blinde Wut und Eifersucht sind genauso Subjekt der Beziehung. Hee-Jin tötet aus Liebe eine Prostituierte, die sich mit Hyun eingelassen hat. Er vergewaligt sie später. Seine Motive sind primär unergründlich, seine kranke Psyche ist wahrscheinlich nur ein Grund.
Kim zeigt tiefsinnige Charaktere auf. Fühlende Charaktere. Menschen. Die Fehler machen. Sich von Instinkten leiten lassen. Für die Liebe alles tun. Ausraster haben. Vergeben. Lieben. Hassen ... Die Abgründe des Menschen, die Ängste und seine Alpträume werden aufgezeigt - ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Der Film will wohl absichtlich schocken und dabei zum Denken auffordern. Seine Erscheinungsform kommt leicht surrealistisch rüber. Letztendlich ist er trotz seiner Tiefe einfach nur wunderschön anzusehen. Die Bilder sind simpel gesagt einzigartig inszeniert. Die Ruhe, die den Zuschauer durch den ganzen Film begleitet, stimuliert und verängstigt zugleich. Man weiß nicht ob man sich erschreckt abwenden soll oder gefesselt ist. Ein Wechselbad der Gefühle, so unglaublich und einzigartig, ein modernes Kunstwerk. Ein perfekter, anspruchsvoller Film, der seines Gleichen sucht. Allein einzelne Tierverstümmelungsszenen hätte man sich getrost sparen können, für die Story tun die sowieso nichts.
Leider kann ich mit meinem bescheidenen Review nicht ansatzweise beschreiben, welche Gefühle und Gedanken "The Isle" in mir hervorrief. Er ist einfach nur schön anzuschauen, macht nachdenklich, wirkt so makellos perfekt. Einer der besten Filme, den ich dieses Jahr bewundern durfte. Und einer, den ich sicher nicht so schnell vergessen werde. Der Regisseur versteht sein Handwerk, die Akteure legen Spitzenleistungen hin, die Story ist tiefgreifend und ehrlich. Hier stimmt alles, dieser verstörte kleine Film ist auf seine eigene Art und Weise einfach perfekt und voller Magie.