Gibt es Nachsitzen heutzutage eigentlich noch oder ist das nicht mehr zeitgemäß?
In den Achtzigern erfolgte daraus spätestens seit „Breakfast Club“ ein Kult mit einigen Klischees als Begleiterscheinung und Regisseur James D.R. Hickox schafft es noch nicht einmal, diese auch nur ansatzweise zu umschiffen.
Sieben Schüler, unter anderem die befreundeten Paul und Lisa, müssen an jenem späten Nachmittag nachsitzen, als ein regelrechtes Unwetter einsetzt, der Strom ausfällt und die Telefone lahm gelegt werden. Als sie im Klassenzimmer eingeschlossen werden, suchen sie einen Notausgang und ahnen noch nicht, welcher Rachegeist bereits sein Unwesen in dem Gebäude treibt…
Kurzum, - die Figurenzeichnungen kann man in die Tonne treten: Zwei Abenteuerlustige, ein Nerd, ein Gothic Girl, eine reiche Bitch und ihr Dunkelhäutiger, ein Poser und die neue Lehrerin Ms. Cipher irren wie die aufgescheuchten Hühner durch Gänge, Räume, Labor und Aula und wissen eigentlich nicht, wovor sie überhaupt weglaufen.
Zunächst erscheinen einige schemenhafte Gestalten, Türen schließen und öffnen sich wie von Geisterhand, Fratzen erscheinen am Fenster und einige werden wie von unsichtbarer Gewalt drangsaliert oder geboxt.
Ursprung des Spuks ist ein Ereignis vom Sommer 1976, welches das an sich interessante Intro darstellt. Schüler Gabriel wird Opfer eines Streiches und dabei im Hochofen eingesperrt. Als die Kameraden schon fast verschwunden sind, bricht das Feuer aus und der Schüler verbrennt.
Ganz klar: Das Motiv ist Rache an den Nachkommen der damaligen Schüler.
Nur, warum erst jetzt, warum fährt der Geist in einen Körper, um die Taten teilweise ausführen zu lassen, weshalb liegen die Leichen an vollkommen anderen Orten, als dort wo sie ermordet wurden und welchem Zufall ist es zu verdanken, dass ausgerechnet jene sieben Schüler gemeinsam nachsitzen müssen, deren Eltern Schuld am Unfalltod des Jungen waren?
Immerhin geht der Ablauf nach Fund der ersten Leiche mit passablem Tempo einher und die langen Flure sehen teilweise sogar etwas spooky aus. Das wird allerdings wieder neutralisiert durch latent schwachmatische CGI, die von Gewitterblitzen über schwarzen Rauch bis hin zu brennenden Gesichtern reichen.
Darüber hinaus kann niemand der Mimen mit ordentlichem Spiel überzeugen, selbst David Carradine in einer seiner letzten Rollen wirkt eher routiniert und ein wenig gelangweilt.
So haben zwei noch Zeit, ihre einsame Präsenz auf der Bühne auszukosten und liefern sich ein neckisches Säbel-Duell, ein anderer plündert den Chemie-Raum, um sich einen finalen Cocktail zu geben, während die neue Lehrerin von Beginn an Zweifel als Vertrauensfigur setzt.
Der Rache-Spuk verkommt dabei fast zu einer Farce, da man das Blutvergießen weitgehend außer Acht lässt und lieber Opfer aus dem Bild zieht und selbst eine Stichwaffe im Bauch und eine Scherbe an der Schlagader wirken in ihrer Darstellung recht flüchtig.
Auch der Feuerlöscher auf dem Kopf kommt halbherzig, - da sind andere Streifen bereits weitaus deftiger zu Werke gegangen.
Doch sei´s drum: Rachegeist Gabriel muss besänftigt werden, der Hochofen kommt natürlich auch noch mal ins Spiel und wer sich nicht spätestens beim Finale an artverwandte Genrebeiträge aus den Achtzigern erinnert fühlt, hat möglicherweise die letzten Jahrzehnte verpennt.
Wenn auch nicht gänzlich langweilig, ist zu wenig Originalität vorhanden und die Story wirkt wie hundert Mal kopiert ohne auch nur einen Ansatz Neuland aufzuweisen.
Bei diesem Spuk im Klassenzimmer ist eher Schuleschwänzen angesagt…
3 von 10