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Hochzeitsglocken!
Was dem Manne sein SF-Epos mit großen Kalibern und jeder Menge Explosionen, ist der Dame des Hauses nicht selten ihre Drei-Taschentücher-Story von der Traumhochzeit mit dem kantig-lieben Kerl mit dem Dreitagebart, die nach allerlei Chaos und Schwierigkeiten dann doch noch so wahr wird, wie man sie sich beinahe vorgestellt hat.

Derlei "Hochzeitsfilme", die immer nach dem Romanze - Schwierigkeiten - Happy-End-Prinzip ablaufen, kann man auf dreierlei Art und Weise auf Film bannen: entweder man schafft es mit Witz und Esprit, etwas Denkwürdiges zu kreieren ("Vier Hochzeiten und ein Todesfall") oder man filmt Saccharin von der Stange ("27 Dresses") oder man kaut eine Idee mit enormen Produktionsaufwand absolut witzlos durch, so daß man alle Beteiligten gern totprügeln möchte.
Was uns jetzt zu "Bride Wars" bringt!

Okay, die Prämisse klingt wie eine passable, vielleicht sogar reizvolle Idee: zwei Freundinnen aus der Jugend wollen in einem ganz speziellen Monat, in einem ganz speziellen Hotel heiraten, doch durch einen Buchungsfehler müssen ihre Hochzeiten nun gleichzeitig stattfinden, was zu einem beinharten Konkurrenzkampf mit harten Bandagen führt, als keine von beiden einen Rückzieher machen will.
Das funktioniert aber nur gut, wenn man die natürlich gegensätzlich gepolten Freundinnen auch sympathisch finden kann.
Nun haben wir mit Kate Hudson ein karrierebewußtes, dominantes Blondchen, das ihren etwas ruhigeren Supertyp ehelichen möchte und die stillere, verspieltere Brünette, dargestellt von Anne Hathaway, die mit ihrem langjährigen Jugendfreund die Ringe tauschen will. Gegensätze ziehen sich an und/oder stoßen sich ab, aber wenn dem Zuschauer nicht so ganz klar wird, warum diese Frauen seit Jahren oder überhaupt befreundet sein sollen, dann hängt die ganze Produktion.
Während Prinzesschen Hathaway nun nämlich das brave Mäuschen derer von bieder darstellt, die man ganz prachtvoll in der reizarmen Klischeeecke ausstellen kann, ist Miss Hudson die ständig alle bevormundende Anwalts-Hyäne, deren ellenbogenbewerte Lebensführung nicht ganz klar stellt, wie so ein Drachen überhaupt einen Mann halten kann.

Wenn dann Hochzeitsplanerin Candice Bergen (die schön prophetisch auch das Voiceover spricht) für die Doppelbuchung sorgt, gehen die Girls bald auf die Barrikaden. Leider ist das nicht halb so reizvoll oder unterhaltsam, wie man sich das möglicherweise vorstellt, denn was so richtige Mädchen sind, die geben sich nicht verschlungenen Intrigen hin, sondern hauen und stechen wie in den üblichen Chaoskomödien aufeinander ein. Also verändert man die Bräunungscreme, jubelt der Konkurrentin kalorienreiche Schokolade unter, lädt wie wild gegen die Abmachungen Freundinnen ein, wechselt den Tanzlehrer oder prostituiert sich in einem Junggesellinnenabschieds-Battle auf das Lächerlichste.
Das ist weder spektakulär noch irgendwie lustig, sondern eher unglaubwürdig bemüht, da man schon ahnt, daß die Konkurrentinnen spätestens zum Showdown vor dem Altar vor Rührung wieder zusammenfließen werden - und genauso kommt es dann auch. Der letzte Rest Spannung entsteht eigentlich nur aus der Frage, ob es eine Doppelhochzeit gibt und wenn nicht, wer von den beiden dann ggf. einen Rückzieher macht.
Und wenn ich das im Hinblick auf die kreativen Entscheidungen der Drehbuchautoren (von denen zwei tatsächlich Frauen waren und der einzige Mann einen Film namens "Zickenterror" skripete!!!) so sagen darf: wofür man sich letztendlich entschieden hat, ist aus Sicht eines normalen, hochzeitsbereiten weiblichen Wesens noch ein Schlag in die Schnauze.

Bis es soweit ist, darf man sich aber an den hysterischen Bemühungen der Feindinnen delektieren, die mit Komödie nur bedingt etwas zu tun haben, während der Restfilm mit schwachbrüstigen männlichen Figuren angefüllt wird (die doch tatsächlich hauptsächlich Playstation spielen) oder mit der durchstrukturierten Clique ebenso hassenswerter Freundinnen, die entweder vergnügungssüchtig oder beziehungsgeschädigt oder kurz vor der Scheidung sind.
Daß solche Film streng durchkomponiert und klischeeangereicht serviert werden, ist ja allgemein gesellschaftsfähig geworden, aber hier sorgt wirklich gar nichts dafür, daß man möglichst bald den Bund der Ehe schließen möchte. Sämtliche Figuren scheinen eher einem ringlosen Beziehungs- oder Singleleben anempfohlen und wenn man den Protagonisten schon nicht ihr Glück (?) gönnt, dann liegt etwas entscheidend im Argen.
"Bride Wars" ist auf der ganzen Linie mißlungen, schürt die falschen Emotionen zugunsten ihrer Figuren und wirkt selbst dem Genreklischee "Hochzeitsfilm" so unglaubwürdig konstruiert, wie es eigentlich nur Autoren gelingen kann, die vom Heiraten an sich eigentlich gar nichts halten. Insofern: sensationell! (2/10)

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