Review

Die Reputation, die sich Frank Darabont mit „The Shawshank Redemption“ erworben hat, wird wohl noch sehr lange anhalten, auch wenn die Geschichte ungerecht zu ihm war, und ihm die verdienten Oscars vorenthielt, zugunsten des ungleich schwächeren „Forrest Gump“.

Man weiß, dass Darabont ein sorgfältiger und detailbewußter Regisseur ist und man akzeptiert lange Wartezeiten.
Um so schlimmer, wenn dabei ein kaum mehr als mäßiges Kuddelmuddel wie „The Majestic“ herauskommt.
Darabont goes Capra könnte die Überschrift über diesem Film lauten, in dem Jim Carrey als Hollywood-Drehbuchautor in die Fänge der antikommunistischen Kommission gerät und praktisch auf der Flucht einen Unfall baut. Er erwacht in einer ländlichen Kleinstadt und wird für einen Sohn der Stadt gehalten, der eigentlich im Krieg gefallen sein soll. Gemeinsam mit seinem neuen „Vater“ macht er sich daran, den geschlossenen Kinopalast wieder zu eröffnen…bis ihn die Vergangenheit einholt.

Amerika hat seine Unschuld verloren, diese These schwebt über allem und der Ausflug in die Schrecken der McCarthy-Ära dient wohl nicht zuletzt als Metapher für die moderne politische Situation, die Diskrepanz für das Klima der Angst, der Verunsicherung und der fehlenden Nähe zum Menschen.
Aber das heißt gleichzeitig: Amerika solle sich doch wieder auf seine ursprünglichen Werte besinnen, den Mikrokosmos der fein ziselierten Kleinstadt, in der man sich kennt und nahe ist und jeder den anderen zumindest respektiert, die Wärme des Land entsteht hier in den kleinen Stuben, hier kann der Mensch noch Mensch sein außerhalb der Maschinerie der modernen Gesellschaft, hier sind noch Gefühle, Verstand und Einsicht möglich.

Ein hehres Ziel, das hier verfolgt wird, aber die nötige Portion Realismus geht leider verloren, denn diese Idylle ist selbst nur ein Produkt aus Hollywood-Idealen, TV-Mythen und Norman Rockwell-Bildern.
Diese visualisierte Kleinstadtpoesie entlarvt sich, im Jahr 2001 produziert, selbst als Postkartenkitsch erster Güte, rund um kleine und große Dramen, damals, drüben hinterm Mond.

Dramaturgisch wollen die Gegensätze der Handlung somit denn auch gar nicht erst zünden, Jim Carrey als Autor zappelt sich gebremst durch die Rahmengeschichte und geht dann nach seinem Unfall in einem Haufen Sülz auf, der aus reinstem Zuckerwerk raffiniert wurde.
Die alte Liebe, das neu zum Leben erweckte Kino, der Vater, der den Sohn vermisst.
Sollte die Metapher tatsächlich zum Publikum vordringen, darf man sie leider nicht in einem Haufen Schmalz ersäufen und wenn dann doch noch ein Fläschchen Dramatik entkorkt wird und die Antikommunismus-Vorwürfe vor Gericht enden, so wirkt das geradezu unpassend im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Plädoyers für Menschsein, Freiheit, Individualität, freien Willen und wahre Gefühle, die sind zwar von einem sehr engagierten Carrey brauchbar rübergebracht, aber kommen mindestens 50 Jahre zu spät. Hier ärgert nicht die Dreistigkeit, sondern die Gedankenlosigkeit, das Publikum sei so einfach zu fangen, mit so abgerundeten Bildern und zuckersüßen Reden.

Natürlich darf jeder nach Lust und Laune in diesem Fight für die heile Welt versinken, weil solche Filme ja heute nicht mehr gemacht werden, deswegen ist diese abgelutschte und geradezu beängstigend anbiedernde Story mit all ihren vorhersagbaren, übermäßig gefühlsbetonten und mit träntreibendem Soundtrack zugekleisterten Ecken und Kanten (oder Rundungen) aber dennoch leider missglückt.

Und zweieinhalb Stunden Spielzeit können da schon einigen Zähnen Löcher verschaffen, wobei man hier locker um ein halbes Stünden kürzen könnte, um die Unruhe im Publikum zu beseitigen.
„The Majestic“ fand, wie erwartet, nicht sein Publikum, denn außer an betonte Gutmenschen und Schnulzenfans wendet Darabont sich hier an niemanden – und letztere werden von Jim Carrey dann eher noch abgeschreckt. Aufgeklärte Naturen werden den Film sicherlich als veraltet oder kitschig abtun, der aktuelle Bezug geht leider mehr oder minder unter.

Als Kuriosum sicherlich einmal goutierbar, aber James Stewart konnte so was einfach besser, ohne einem den letzten Zahn zu ziehen. (4/10)

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