Review

Gesamtbesprechung

Wenn "XIII - Die Verschwörung" aktuell mit dem Verweis auf die "Bourne"-Trilogie auf dem DVD-Cover beworben wird, lässt das außer Acht, dass die Comic-Vorlage für den Film aus den 80er Jahren stammt und es zu einer großen Anzahl von Alben bis zum heutigen Tag gebracht hat. Die Geschichte von dem Geheimagenten, der sein Gedächtnis verloren hat und von allen Seiten gejagt wird, nutzten Zeichner Vance und Autor Van Hamme zu einer Abrechnung mit dem us-amerikanischen Demokratieverständnis, seinen Geheimdiensten und deren verbrecherischen Machenschaften vor allem in Südamerika - lange vor dem Angriff auf das World Trade Center.

Die Comicreihe umfasst mehrere in sich abgeschlossene Stories, die über eine unterschiedliche Länge verfügen, verliert aber nie die eigentliche Linie des nach seiner Identität suchenden Geheimagenten aus dem Blick und kommt dadurch immer wieder auf scheinbar zuvor geklärte Punkte zurück. Diese Menge an Fakten, Querverweisen, handelnden Personen und unterschiedlichsten Storyelementen kann eine Mini-Serie nicht verarbeiten, auch wenn die Laufzeit über knapp 3 Stunden reicht. Deshalb konzentrierten sich die Macher auf den ersten über fünf Alben reichenden Zyklus über das Attentat auf den Präsidenten und die dahinter verborgene Verschwörung, in die "XIII" auf geheimnisvolle Weise eingebunden wurde.

Auch wenn sie die Handlung aus den 80ern in die Gegenwart des Irak-Krieges verlegten und als Attentatopfer nicht den Bruder von Wally Sheridan (Ted Atherton), sondern dessen Schwester als ersten weiblichen Präsidenten aufbieten, so verdeutlicht sich letztlich doch die Unmöglichkeit ein auf eine sehr lange Laufzeit angelegtes Konzept in eine kurze Filmhandlung zu übertragen. So beginnt der Film direkt mit dem Attentat auf die Präsidentin und macht durch die Tatsache, dass der Killer in der Tiefgarage schon von La Mangouste (Val Kilmer) erwartet und beschossen wird, klar, dass es sich um ein von weiten Kreisen geplantes Komplott handeln muss. Erst danach folgt die Szene, in der "XIII" (benannt nach einer Tätowierung oberhalb des Schlüsselbeins) von einem älteren Ehepaar gefunden und aufgepäppelt wird.

Das dieser im Fallschirm hängt und es nur schwer vorstellbar ist, wie der alte Mann ihn da runterholen konnte, ist nur ein Detail, aber zeigt schon die weniger schlüssige Umsetzung als im Comic. Dort wird "XIII" (Stephen Dorff) an einer Küste bewusstlos angeschwemmt. Im Comic dauert es sehr lange bis ein Zusammenhang zwischen "XIII" und dem Attentat hergestellt wird - eine Zeit, die der Comic für eine behutsame Vorstellung der Charaktere nutzt. Genau hier wird das eigentliche Problem des Films erkennbar. Obwohl die Story schon stark gekürzt wurde, werden eine Vielzahl wichtiger Protagonisten ohne genauere Charakterzeichnungen auf den Betrachter losgelassen.

Die wichtigsten Personen neben "XIII" - Jones (Lucina Davis) und General Carrington (Stephen McHattie) - tauchen einfach plötzlich auf mit einem sehr oberflächlich angedeuteten Hintergrund. Die etwas unglückliche Liebesbeziehung zwischen Jones und "XIII" kommt über eine minimale Andeutung nicht hinaus (die wahrscheinlich nur dem Kenner des Comics auffällt) und die väterliche Beziehung zum General existiert gar nicht. Besonders auffällig wird das in dem Moment als "XIII" Kim Rowland (Jessalyn Gilsig) trifft, die er zu diesem Zeitpunkt noch für seine Frau hält. Während die Komplexität der Vorlage sich in deren Rolle manifestiert, wird sie hier nur als Kolleteralschaden beseitigt.

Durch die Vielzahl an handelnden Personen (neben "XIII" und seinen Verbündeten noch diverse Politiker und die große Gruppe an Verschwörern, die sich mit ihren eintätowierten römischen Ziffern regelmässig outen) ist es nicht nur schwer den Überblick zu behalten, sondern es entsteht keinerlei Identifikation mit den Darstellern. Besonders Stephen Dorff agiert als "XIII" nur wenig nuanciert und kann seiner Figur weder den Gedächtnisverlust noch den dahinter verborgenen wahren Charakter glaubhaft verleihen. Der Film begeht zusätzlich den Fehler auch Elemente aus der Serie "24" nachzuahmen, indem er noch ein nukleares Attentat hinzu erfindet, das "XIII" im Stile von Jack Bauer in letzter Sekunde verhindern muss. Diese Fülle an Aktionismen kann die aus zwei nicht ganz 90minütigen Folgen bestehende "Mini-Serie" schlicht nicht bewältigen.

Leider werden trotz der Vielzahl an Schiessereien und Kämpfen die Actionszenen wenig filmgerecht in Szene gesetzt, was angesichts der vielen Cliffhanger als Verschwendung von Ressourcen angesehen werden muss. Das gilt letztlich für den gesamten Film (Fernsehserie ist sicherlich die exaktere Bezeichnung), der seiner Vorlage nicht im geringsten gerecht wird. Während sich die "Bourne"-Trilogie ganz auf den Kampf des einzelnen Mannes gegen den amerikanischen Geheimdienst konzentriert, der ihn erst geschaffen hat und dann wieder loswerden will, birgt "XIII" wesentlich mehr politischen Zündstoff, auch wenn die Brisanz seit den 80er Jahren nachgelassen hat. Nur in wenigen Momenten blitzt die paranoide Qualität des Vorbilds auf, bleibt aber im Zusammenhang mit der wenig übersichtlichen und durch zu viele Kürzungen unlogisch wirkenden Story ohne die verdiente Wirkung (4/10).

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