„A beautiful Mind“ ist zwar eine ungewohnt ruhige Rolle für Russell Crowe, gibt ihm aber Raum sein schauspielerisches Können zu zeigen.
John Nash (Russell Crowe) ist ein aufstrebendes junges Mathetalent, der an der Uni aber lieber nach einer bahnbrechenden Theorie sucht anstatt das normale Unterrichtspensum mitzumachen. Und nach einigen Fehlschlägen kommt er über Umwege tatsächlich auf eine neue Wirtschaftstheorie, welche die Lehren Adam Smiths modifiziert. Schon zu Beginn macht „A beautiful Mind“ dem Zuschauer klar: Unser Protagonist ist ein Sonderling, den seine Mitmenschen weitaus schlechter verstehen als das Publikum.
Dieser Durchbruch ermöglicht Nash nicht nur den Doktortitel, sondern auch eine Anstellung beim Pentagon, wo er alsbald einer der besten Codeknacker wird. Seine Dozententätigkeit nimmt er nicht ganz so ernst, lernt aber die smarte Studentin Alicia (Jennifer Connelly) über diesen Job kennen. Bald entwickelt sich aus der Verbindung die ganz große Liebe, die zur Heirat der beiden führt. Glücklicherweise etabliert Regisseur Ron Howard diese Beziehung als wichtiges, aber nicht zentrales Element der Geschichte, was hilft Kitsch zu vermeiden.
Doch dann beginnt sich Nashs Leben nicht mehr ganz so toll zu entwickeln: Er übernimmt den Auftrag Codes in Zeitschriften für eine geheime Abteilung des Pentagon herauszusuchen, doch dieser Job zerrt bald an seiner Verfassung und seinem privaten Glück. Zumal er bald noch eine weitaus bedeutendere Entdeckung machen muss, was diesen Auftrag angeht…
Wer etwas über den realen John Nash weiß, den wird die entscheidende Wendung in der Mitte nicht überraschen, der unbedarfte Zuschauer hingegen wird das Geheimnis vermutlich nicht vorausahnen können. Beim zweiten Ansehen des Films fällt zwar auch für diese Klientel die Überraschung weg, aber dafür kann man nach Anzeichen suchen, an denen man den Verlauf hätte absehen können (auch wenn der Film hierbei nicht so geschickt ist wie z.B. „The Sixth Sense“ oder „Die üblichen Verdächtigen“). Leider schwächelt der Mittelteil ansonsten, da der Spionageaspekt nicht genau genug verfolgt und die Auswirkungen auf Nash dafür zu sehr ausgewalzt werden.
So bleibt der Anfangspart eine der größten Stärken von Howards Film. Beschwingt verfolgt der Zuschauer Nashs Unikarriere und darf sich immer wieder über nette Visualisierungen von Nashs Theorien ansehen (z.B. das Codeknacken im Pentagon oder das Blondinen-Beispiel in der Kneipe). Hinzu kommt etwas unaufdringlicher Humor sowie die Tatsache, dass Nash dem Zuschauer trotz aller Verschrobenheit ans Herz wächst.
Diese Beschwingtheit kann der Film dann auch nach Verstreichen des Mittelteils wieder aufnehmen, wobei es verwundert, dass gerade der Mittelteil nicht so zusagt, obwohl er die meisten Schauwerte aufbietet. Doch in der Schlussphase freut man sich darüber wie Nash sein Leben nach ein paar dramatischen Zwischenfällen wieder in den Griff kriegt, wobei „A beautiful Mind“ zudem noch allzu starke Glorifizierung seines Protagonisten vermeidet (von Ausnahmen wie der Füllerszene in der Kantine mal abgesehen). Für den ganz großen Wurf reicht es andrerseits zwar auch nicht (der Oscar als bester Film ist für mich nicht ganz so gut nachzuvollziehen), aber als gelungenes Biopic taugt er trotzdem.
Das Gelingen des Films liegt vor allem an dem mal wieder klasse aufspielenden Russell Crowe, der mal wieder sein großes Können unter Beweis stellt. Aber auch Jennifer Connelly, Ed Harris und Paul Bettany, der mit Crowe später noch „Master and Commander“ drehte, zeigen sich von ihre besten Seite und die restlichen Nebendarsteller liefern ebenfalls gute Performances ab.
So bleibt ein unterhaltsamer Hollywoodfilm mit viel Beschwingtheit und etwas Dramatik, auch wenn der Mittelteil etwas schwächelt.