Review

Das Popcornkino wird immer gehaltloser, die Filmideen immer flacher - was liegt da näher, als einen Film in guter, alter Hollywood-Tradition in die Arme zu schließen, dessen Erfolgsrezept schon immer funktioniert hat.
Man nehme als Genre das Bio-Pic, irgendeine relativ interessante Person der Geschichte, dann schleife man alle Ecken, bis auf die wenig kontroversen, aber relativ interessanten ab und spanne einen weiten Erzählbogen. Anschließend besetzt man das alles mit einem namhaften Star, der gerade im Low oder auf der Erfolgswelle schwimmt und verpasse dem noch einen handwerklich ordentlichen Regisseur oder anerkannten Meister.
Das alles trimme man auf akzeptable Überlänge, füge ein paar Tropfen Herzschmerz hinzu und verkaufe das fertige Werk als nächsten potentiellen Oscar-Kandidaten, weil man damit ja weit über Sommerkinoniveau schwimmt. Und die Leute laufen rein, wenn man keine großen Fehler gemacht hat.

Tja, das ist auch eigentlich alles, was man auch über "A Beautiful Mind" wissen müßte. Die Story vom genialen Mathematiker John Nash, der etwas Wegweisendes schaffen möchte und dabei in die paranoide Schizophrenie abrutscht ist genau der Stoff, aus dem die Kinoträume gemacht sind. Jemand, der etwas Großes vollbracht hat und über dem gängigen Zuschauer steht, der jedoch mit Problemen zu kämpfen hat.
Und hier bekommen wir überhaupt die doppelte Dosis: Genie und mental beeinträchtigt! Da kann nichts schiefgehen.

Und richtig schiefgegangen ist es auch nicht. "A Beautiful Mind" ist ein gut gespielter und unterhaltsamer Film geworden, streckenweise sehr interessant und in sehr schöne Bilder eingefangen.
Aber die Formelhaftigkeit der Vorgehensweise ist doch sehr auffällig, so daß die kleinen Macken hier leider herausstechen.

Nichts zu nölen habe ich an Russell Crowe. Sicherlich kein Shakespeare-Mime, bietet er eine wunderbar nuancierte Darstellung eines seltsam-verschrobenen Einzelgängers, eines schwierigen Genies unter Erfolgsdruck, dessen Hang zur Schizophrenie immer ausgeprägter wird. Der Film gönnt seiner Figur eine unterhaltsame Einführung anno 1947 in Princeton, wo sein Charakter ausgiebig vorgestellt wird. Sein Zimmernachbar ist ein wilder Kauz, seine Kommilitonen sind entweder eingebildet oder hängen hinterher. Seine Umgangsformen und das soziale Verhalten sind noch unterentwickelt, was zu amüsanten Szenen führt. Nach zwanzig Filmminuten und einem ersten Erfolg, bekommt er sein eigenes Labor und teilweise Regierungsaufträge, wo er bei seiner Lehrtätigkeit auch seine kommende Frau kennenlernt, Jennifer Connelly (sehr gute Leistung) als intelligente Studentin.
Der Geheimdienstmann Parcher (ein hervorragender Ed Harris von der Stange) bringt ihn mit seinen Nachforschungen bezüglich des Einschmuggelns einer tragbaren Atombombe durch Kommunisten verstärkt in Gefahr. Er scheint immer stärker unter Verfolgungswahn zu leiden und seine Arbeit und sein Image leiden darunter.

Dann nach einer knappen Stunde folgt der Tragik-Teil mit der Krankheitsgeschichte. Hier erreicht der Film kurzfristig seinen Höhepunkt, als Nashs Wahnsinn endlich vollständig diagnostiziert wird. Der Umfang ist wunderbar "Sixth-Sense"-stylisch geraten, als sich drei Personen aus seinem Umfeld als pure Halluzinationen herausstellen.
Der Rest des Film folgt schließlich dem Kampf des halbvergessenen Genies um Heilung und Akzeptanz der Krankheit, bis zur leichten Wiederauferstehung, Anerkennung und der Verleihung des Nobelpreises.

Dieser zweite Teil des Films ist leider höchst konventionell. Liegt der Schwerpunkt des Films sowieso verstärkt auf dem Krankheitsbild und weniger auf der Schilderung eines mathematischen Genies, so gibt das am Ende hier zwar ein passables Drama, aber keine wirklich hochklassige Story.
Aber die haben wir hier sowieso kaum. Der nun wirklich nicht wenig geschmähte Schreiber Akiva Goldsman blendet auch hier das Publikum mit unterhaltsamen Episödchen über das Schicksal eines Genies, vernachlässigt jedoch den Unterbau der Geschichte. So wird z.B. nie ganz geklärt, was Nashs Frau Alicia denn an diesem Neandertaler so toll findet und warum sie in der harten Zeit nach seiner "Heilung" nie von ihm läßt. Anstelle dessen bekommen wir eine wirklich übertrieben schmalzreiche Dankesrede beim Nobelpreis an seine Frau, die Karies verursachen könnte.

Überhaupt konzentriert sich der Film über die meiste Zeit auf Nashs Jahre von 1947 bis zum Ende der 50er, die restlichen beinahe 40 Jahre wird in der letzten Viertelstunde schnell, wenn auch nicht hektisch, aufgearbeitet.
Schön umgesetzt ist die Idee mit den Halluzinationen, die Nash bis in die Gegenwart verfolgen und natürlich das hollywoodeske Streben nach Anerkennung, dessen Kommen so sicher wie das Amen in der Kirche ist.

Ron Howards Leistung in diesem Fall ist sicherlich eine beachtliche, ein Meisterwerk ist ihm hiermit jedoch nicht gelungen, dazu wurde das Drehbuch zu häppchenweise umgesetzt. Es kommt zwar nie Langeweile auf, doch so recht zufrieden kann man mit der Erzählweise auch nicht sein. Wer seine Ansprüche jedoch runterschraubt, findet einen recht runden Film vor, der innerlich zwar viele Fragen offenläßt, aber nach außen plangemäß zu konsumieren ist.
Auf jeden Fall ist die erste Hälfte deutlich die bessere, da spannender und unterhaltsamer. Für meinen Geschmack hätte es aber gern weniger hausbacken, dafür mehr mathematikorientierter sein dürfen. Aber mit kranken Figuren sind eben doch eher die Oscars zu gewinnen. (7/10)

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