Review

Nach einer wahren Begebenheit: Russel Crowe spielt den Mathematiker John Nash, der als ehrgeiziger Schüler bereits nach revolutionären mathematischen Theorien suchte. Als bei ihm jedoch eine schizophrene Psychose diagnostiziert wird, beginnt für ihn und seine Frau, gespielt von Jennifer Connelly, ein langer Kampf gegen die Krankheit, die den späteren Nobelpreisträger nie ganz los lies.

Erst einmal erweist es sich als gelungene Idee, dem Leben des bekannten Mathematikers John Nash, dessen Lebensgeschichte spannender und interessanter als kaum eine andere ist, ein filmisches Denkmal zu setzen. Auch wenn ein paar Fassetten Nashs, wie sein Antisemitismus, oder seine Bisexualität bei dieser filmischen Umsetzung auf der Strecke bleiben, wurden die wichtigsten Charaktereigenschaften und die wichtigsten Stationen im Leben des Mathematikers übernommen und vor allem seiner Charakterkonstruktion bei der Umsetzung viel Raum gelassen. Ein äußerst häufig vorkommender Fehler bei Biografien ist eine episodenhafte Umsetzung, doch bei "A Beautiful Mind" wird dieser Fehler nicht gemacht. Die Story hat keine größeren Brüche, womit der Film überaus flüssig abläuft und damit bestens unterhalten kann. Auch die Nebenfiguren sind ordentlich konstruiert. Das beste am Film ist jedoch die Nebenhandlung um einen Geheimagenten, gespielt von Ed Harris, der Nash den Auftrag gibt, Codes aus Zeitungen zu filtern, die hervorragende Ansätze eines gelungenen Psycho-Thrillers beinhaltet. Die Mischung aus Biografie, Drama und Thriller stimmt somit.

Regisseur Ron Howard, der für "A Beautiful Mind" endlich seinen Oscar entgegennehmen konnte und im Lauf Karriere mit "Apollo 13" oder "Backdraft" bewies, dass er hervorragende Blockbuster inszenieren kann, mit "In einem fernen Land" oder "Kopfgeld" aber auch gelungene Thriller und Dramas in Szene setzte, leistet bei der Regie gewohnt gute Arbeit. Er setzt die Story gekonnt in Szene und räumt der Charakterkonstruktion seiner Hauptfigur viel Zeit ein. Die Wahnvorstellungen des Mathematikers setzt er darüber hinaus sehr spannend in Szene und lässt sie anfangs so realistisch wirken, dass auch der Zuschauer stellenweise an die Echtheit der Einbildungen Nashs glaubt. So kann Howard sowohl Spannung, als auch Dramatik aufbauen und liefert einen der besten Filme seit der Jahrtausendwende, der kaum genialer und unterhaltsamer sein könnte. Das Erzähltempo ist anfangs vielleicht ein bisschen zu langsam, ist dann im Mittelteil aber genau richtig, sodass der Film zu keinem Zeitpunkt auf der Stelle tritt. Der Frage ob und inwiefern Genie und Wahnsinn zusammenhängen wird dabei jedoch offen gelassen, da Howard nicht einmal ansatzweise auf diese Frage eingeht. Zuletzt wäre noch zu nennen, dass es Howard stellenweise ein bisschen mit der Rührseligkeit übertreibt, was die Darsteller mit ihrem guten Spiel kompensieren können und, dass die überaus geschwollene Ausdrucksweise des Genies vor allem am Anfang des Films stellenweise nervt.

Nach seiner überaus heroischen und martialischen Rolle in "Gladiator" und ähnlichen Rollen in "L.A. Confidential" oder "Virtuosity" hätte ich Russel Crowe die Rolle des Mathematikers niemals zugetraut, doch er meistert sie überraschend routiniert und überzeugend. Crowe liefert eine intensive und gelungene Vorstellung ab und wirkt sowohl bei den Liebes-Szenen, als auch bei seinen psychopathischen Anfällen überragend und kann durch das Vermitteln echter Emotion verhindern, dass der Film in den Gefühlskitsch abgleitet. Jennifer Connelly zeigt nach "Pollock" und "Requiem for a Dream" erneut, dass sie zu den talentiertesten Darstellerinnen Hollywoods gehört und zieht mit ihrem verträumten Blick und ihrem umwerfenden Aussehen einmal mehr eine große Leinwandpräsenz an sich und bekam für ihre überzeugende und bis dato beste Darstellung folgerichtig ihren Oscar. Welcher Teufel sie geritten hat, danach eine Rolle in "Hulk" anzunehmen, wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben. Ed Harris ist ebenfalls gewohnt stark und stellt erneut unter Beweis, dass er sich schon lang über das Niveau eines Action-Darstellers hinaus weiterentwickelt hat. Er spielt die Ausgeburt Nashs Fantasie überzeugend und entwickelt sich auch für den Zuschauer im Laufe des Films zu einem finsteren Alptraum und ist somit maßgeblich an der gespannten Atmosphäre beteiligt. Auch Paul Bettany, der 2 Jahre nach dem Dreh Jennifer Connelly heiratete und Christopher Plummer, der nach über 40 Jahren im Geschäft all seine Routine ausspielt, spielen gut, genauso wie der übrige Cast.

Fazit:
Mit einem überragenden Cast und einer gelungenen Umsetzung präsentiert Ron Howard die Biografie des Mathematikers John Nash. Durch die genaue Darstellung seiner Krankheit und dadurch, dass er den Zuschauer an der Psychose des Nobelpreis-Trägers teilhaben lässt, gelingt ihm ein, bis auf ein paar Schönheitsfehler, perfektes Meisterwerk, dass von der ersten bis zur letzten Minute durch den Aufbau von Spannung und Dramaturgie bestens unterhalten kann. "A Beautiful Mind" sollte man sich nicht entgehen lassen.

94%

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