„Heute ist ein Sarg geliefert worden!“
Im Jahre 1963 ergab sich für US-Genrefilm-Ikone William Castle („Mörderisch“), der seine Horrorfilme und Thriller mit publikumswirksamen Gimmicks auszustatten pflegte, die Möglichkeit zur Kooperation mit der britischen „Hammer“-Produktionsschmiede. Ergebnis ist eine komplett farbig gehaltene Neuverfilmung des Romans „Von der Nacht überrascht“ aus der Feder J.B. Priestleys, erstverfilmt 1932 von James Whale. Beide Verfilmungen unterscheiden sich stark voneinander, sind jedoch grundsätzlich dem komödiantischen Grusel zuzurechnen.
Der US-Amerikaner Tom Penderel (Tom Poston, „Verrückte Weihnachten“) teilt sich eine Wohnung mit dem seltsamen Caspar Femm (Peter Bull, „Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“): Während Caspar sie nur tagsüber nutzt, bewohnt Tom sie während Caspars nächtlicher Abwesenheit. Caspar pflegt seine Nächte stets im herrschaftlichen Familienanwesen auf dem Land zu verbringen. Dorthin soll ihm Tom eines Tages ein Auto überführen. Als er dort eintrifft, ist Caspar jedoch schon tot; dafür lernt er dessen exzentrische Familie kennen, die aufgrund einer alten Erbschaft wie ans Haus gefesselt sind. Nach und nach wird die Familie jedoch dezimiert. Mittendrin in dieser unheimlichen Mordserie: Tom Penderel, den man ebenfalls nicht gehen lassen möchte…
„Ich zähl‘ einfach Leichen bis zum Einschlafen!“
Nach einem gezeichneten Intro, das bereits auf den komödiantischen Charakter des Films verweist, beginnt der in England gedrehte und auch dort spielende Film in einem Spielcasino, wo die Charaktere Toms und Caspars eingeführt werden. Hier dominiert vor allem der Sprachwitz, bevor Penderel sich auf den Weg macht, das Auto abzuliefern. Dieses nimmt witzigerweise auf der Fahrt immer mehr Schaden und wird nach seiner Ankunft gar gänzlich demoliert. Von nun an führt Castle einen Charakter nach dem anderen ein, beginnend mit Caspars Onkel Potiphar (Mervyn Johns, „Traum ohne Ende“) über Caspars Cousine Cecily (Janette Scott, „Paranoiac“) und Onkel Roderick (Robert Morley, „African Queen“) bis hin zu Caspars Mutter (Joyce Grenfell, „Die rote Lola“) und Mrs. Morgana (Fenella Fielding, „Ist ja irre – Alarm im Gruselschloß“) sowie deren grobschlächtigen Vater (Danny Green, „Ladykillers“). Der verblichene Caspar scheint schließlich gar von den Toten auferstanden zu sein, doch handelt es sich um dessen Zwillingsbruder Jasper. Schnell reduziert sich diese Menschenansammlung durch die Mordserie wieder, wobei der Mörder derart geschickt vorgeht, dass er unerkannt bleibt, dafür sorgt, dass sich die Hinterbliebenen gegenseitig verdächtigen und dank Kreativität und technischem Geschick sich zeitweise nicht einmal selbst die Finger schmutzig zu machen braucht.
Man setzt auf eine Vielzahl skurriler Charaktere, jeder mit einer anderen schweren Macke ausgestattet (Höhepunkt ist sicherlich Potiphar, der doch tatsächlich an einer Arche baut und Penderel sowie Mrs. Morgana als zwei paarungsfähige Exemplare der menschlichen Spezies mitnehmen möchte), von denen man niemandem über den Weg traut. Angereichert mit einigen Slapstick-Einlagen tendiert Castle immer stärker in Richtung eines Grusel-Krimis, wobei der Gruselanteil in erster Linie durch die an typische Gothic-Horror-Anwesen erinnernden alten Gemäuer entsteht und eine untergeordnete Rolle spielt. Dies gilt ebenso für die nur marginal vorhandenen Spezialeffekte, für die man auch schon einmal auf eine billige ausgestopfte Hyäne zurückgreift. In erster Linie sind es die schauspielerischen Leistungen der vielen Charaktergesichter und die aus der Mördersuche resultierende Spannung, die den Film tragen. Die Komik ist vor allem Ergebnis der absurden Situation, in die Penderel geraten ist und in der sich der Femm’sche Familienclan seit langer Zeit befindet, gar nicht unbedingt der offensichtlichen Gags an sich.
William Castles britische Exkursion dürfte Freunden etwas eigenwilligen, kauzigen, letztlich jedoch harmlosen Humors durchaus Freude bereiten; eine interessante Variation des klassischen Stoffs ist „Das alte finstere Haus“ in jedem Fall geworden. Well done.