*EXTREME SPOILER*
Wie heißt der deutsche Titel des ersten Cheech und Chong-Streifens?
Richtig! „Viel Rauch um nichts“ - Willkommen bei „A Serbian Film“
Storygerüst in Kurzform, damit alle wissen wovon ich überhaupt schreibe:
1. Pornostar geht Kohle aus
2. Erhält fettes Angebot eines zwielichtigen Regisseurs
3. Leider weiß unser Pornostar nicht mal worum es geht, macht aber trotzdem mit
4. Merkt langsam das er hier an einer ganz kranken Scheiße teilnimmt, doch dann es ist schon längst zu spät....
Wenn Filme so gehypt werden, ist meistens auch immer etwas dran. Im Falle von „A Serbian Film“ ist der negative Hype die bare Münze. Kinderpornographie, Nekrophilie, Snuff und jede Menge Torture-Porn in einem abendfüllenden Film. Scheiße, sowas kontroverses will man sehen! Meistens nur um dann (wie in meinem Falle) mitreden zu können oder für alle Weltverbesserer das Teil in Grund und Boden zu moralisieren. Das will ich auf keinen Fall, denn auch wenn dieses Werk hier ziemlich derb ist und Gesprächsstoff erzeugt, ist er eins auf keinen Fall - Amateurhaft!
Keine wacklige Handkamera, keine miesen Pseudo-Schauspieler, gute Effekte (ganz ohne dieses verdammte CGI), perfekte Musikuntermahlung und delikate bis hin zu kunstvollen Bildern. Eigentlich alles Top bis auf die Frage, was will dieses kleine hässliche Stück Film überhaupt vermitteln? Die großen Narben des Balkankriegs? Wie schlimm und abgestumpft wir alle sind und immer härtere Scheiße brauchen? Oder wie verrottet das Pornogeschäft heute schon ist? Eigentlich ist „Serbian Film“ eine Ansammlung von mehr oder weniger gelungen dargestellten Tabubrüchen. Das diese Tabubrüche schockierend bzw. krank sind bewies der Hype um den ganzen Film. Leider wirkt so einiges an diesem Erguss eher schlecht ironisch als schockierend und das macht ihn nur zu einer Lachnummer....
Wieso zu einer Lachnummer? Der Film schafft es einfach nicht zu fesseln bzw. eine Zuschauerseele schrittweise zu amputieren wie es grausamere Werke vor diesem hier schon getan haben. In den ersten 30 Minuten versucht der Film eine Verbindung zwischen glücklicher Familie und Zuschauer entstehen zu lassen. Leider wirkt das ganze nicht realitätsnah bzw. unschuldig genug um am Ende echt zu schocken sondern lediglich billig zu provozieren. Die Frau ist mehr oder weniger selbst mit dem Pornogeschäft vertraut und mag es etwas härter. Der Kindergartenbengel guckt sich Papas „Best Of“ Scheiben an und wundert sich warum sich Rädchen in seiner Hose bewegen. Der liebe Bruder begutachtet die Schwägerin nur um sich danach im Bad einen zu wedeln. Viele familiäre Abgründe tun sich da auf, perfekt um das alles in einer Riesentabu- und Pornoorgie am Ende entladen zu lassen. Nur wirkt das alles sehr konstruiert mit dem Ziel am Ende verkrampft zu schocken. So ist der Beginn der Dreharbeiten unheimlich interessant, da der angehende Hauptdarsteller keine Ahnung vom Drehbuch hat und seine Anweisungen per Knopf im Ohr erhält, ist eine gewisse Spannung vorhanden. Blöd nur das die Intention des Regisseurs (im Film als auch im Film im Film ;-) weniger auf eine spannungsaufbauende Story hinarbeitet als auf den Beginn einer Anreihung von perversen Tabubrüchen.
Anschließend schleppt sich der Hauptdarsteller von Filmszene zu Filmszene. Diese werden mit der Zeit immer kruder und perverser. Ganze Drogentrips durchlebt hier der „Filthy Stud“ und wir sind Zeuge. Sehr heftige rauschartige Exzessen werden hier Schubweise abgeliefert, die auch mal etwas expliziter ausfallen. Bisweilen funktioniert das auch, allerdings verrennt sich der Film mit dem Ziel das eben gesehene noch zu toppen und völlig sinnfrei den nächsten Tabucoup zu bringen. Der Gipfel war diese Newborn-Porn Szene, die eher wie ein ganz ganz schlechter Witz daherkommt als wirklich schockierend.
Der Film ist einfach zu viel Porno um ein wirkliches Drama und zu absurd/lustig um ein wirklicher Horrorfilm zu sein. Man kann es auch so sagen – „Serbian Film“ wirkt nicht so bedrohlich bzw. mysteriös wie 8mm, nicht so realitätsnah wie Noé und noch lange nicht so schockierend und verstörend wie SALO. So ist „Serbian Film“ eine Ansammlung von völlig aussagelosen Ekelszenen ohne eine wirkliche Tiefe. Zum Ende schafft der Film aber zeitweise eine gelungene Wende zu ruhigeren Momenten, die dann aber wieder zerkloppt werden. Fingerspitzengefühl und auch gute Dialoge sind hier Fehlanzeige. Eine inhaltslose aber gut ausgestattete Bums- und Blutshow, die oft absurd bis lachhaft wirkt, bisweilen sogar trashmäßig, wenn ein Gummipimmel als Bohrwaffe hinhält, kann man nicht mehr von einem Drama über verkorkste Gesellschaft reden, sondern über eine Art der ganz fragwürdigen Unterhaltung. Aber eins hat der Film erreicht, und das ist viel wichtiger, und im Wohle des Regisseurs auch gewinnbringender, als die Frage ob das hier gezeigte einen Sinn ergibt, nämlich Aufmerksamkeit!