Dass „A Serbian Film“ mit seiner nihilistischen Grundstimmung bereits viel Raum in einschlägigen Filmforen eingenommen und zu heftigsten Debatten über Filmzensur und Verbote geführt hat, ist eigentlich genau das, was Regisseur Srdjan Spasojevic laut eigenen Aussagen in seinem Land anprangern wollte, nämlich der Zensur in Serbien mit reinster Provokation zu begegnen.
Im Zentrum der Geschichte steht der ehemalige Pornostar Milos (Srdjan Todorovic), der mit Frau und Kind ein zurückgezogenes Leben führt. Bis er von seiner ehemaligen Filmpartnerin von einem lukrativen Angebot erfährt und einwilligt, ohne auch nur den Hauch eines Drehbuches zu kennen, welches der exzentrische Produzent Vukmir (Sergej Trifunovic) bewusst verschweigt. Als Milos immer stärker in einen Sog aus Sex und Gewalt hineingezogen wird, will er aussteigen, doch da befindet er sich bereits unter Betäubung und beim Dreh von Snuff-Pornos…
Bei dem recht zweifelhaften Titel ist es um die Serben im In - und Ausland nicht wirklich gut bestellt, denn mag es auch für den Regisseur eine recht eigenwillige Kritik an der Politik seines Landes in jüngerer Vergangenheit sein, so wird aufgrund der schonungslosen Gewalt ein ungünstiger Umkehrschluss zum Volk Serbiens gezogen, welches aus vermeintlichen Nekrophilen, Pädophilen und sonstigen sexuellen Abarten zu bestehen scheint und nicht einmal den Hauch eines Hoffnungsschimmers in die Konstellation der Geschichte wirft.
Obwohl, eigentlich ist unsere Hauptfigur Milos ein liebevoller Ehemann und fürsorglicher Papa, doch das liebe Geld ist mal wieder knapp und am Ende sind es ja auch mehr die Drogen, die den neben sich stehenden Akteur zu etwaigen Gewalttaten hinreißen lassen, obgleich es fragwürdig erscheint, dass eine Viagra-Aggressions-Desorientierungs-Mischung zu so einem Verhalten führen kann, dauerhaft vögeln zu wollen, dabei jedoch nicht registrieren zu können, wen oder was man da soeben penetriert.
Jedoch wird man als Betrachter unweigerlich zum Voyeur, dem die zunehmenden Gewalttaten fast immer per Videoausschnitt zugetragen werden, etwa, als Milos nach seinem Filmriss versucht, anhand gefundener Kassetten die letzten Tage zu rekonstruieren.
Allerdings ist der Erzählung oftmals seine kontextlose Provokation anzukreiden, die spätestens beim Stichwort „Newborn Porn“ jegliche Grenzen überschreitet, zumal auch hier weder eine Metapher, noch sonst irgendeine Pointe der Szene auszumachen ist, wie es leider in vielen Momenten gegeben ist.
Der mit sehr geringem Budget verwirklichte Bastard von einem Film vermag allerdings auch in vielen Belangen zu punkten, denn die trostlose Atmosphäre ist bereits nach wenigen Minuten spürbar, der zurückhaltende Score, die kontrastarmen Farben, die düsteren und minimalen Settings und nicht zuletzt die passablen Darsteller transportieren eine desillusionierte Position, welche die Inszenierung mit einigen deftigen Einlagen recht gekonnt auf den Punkt bringt und einem in jeder Hinsicht mit einem flauen Gefühl in der Magengegend zurücklässt, was die äußerst makabere, aber dennoch treffsichere finale Szene sehr pointiert unterstreicht.
„A Serbian Film“ ist zweifelsohne ein kräftiger Schlag in die Magengrube und definitiv nichts für sensible Gemüter, denen harter Stoff von rund 99 Minuten Laufzeit lange nachhängt. Zwei, drei Szenen hätten aufgrund der Effekthascherei definitiv nicht sein müssen, doch im Gesamtbild ist es Regisseur Srdjan Spasojevic gelungen, einen eindringlichen, wenn auch selten spannenden und oftmals auch eindimensionalen Streifen zustande zu bringen, der vielleicht das Thema Zensur nachhaltig vorantreibt: Möge dies in Serbien auf positive Art und Weise gelingen, gleichermaßen, und das ist ebenfalls zu befürchten, nicht wieder das Gefasel von Verboten in Umlauf bringen, denn das Problem besteht nicht erst seit der Indizierung vom „Texas Chain Saw Massacre“…
5 von 10