Meilenstein des Schock-Kinos
Der "schockierendste Film aller Zeiten", "lässt einen nicht mehr los" & "zum kotzen". Von Meisterwerk bis perverser Zelluloid-Schrott hörte man Einiges über "A Serbian Film" im Vorfeld. Außer an Human Centipede kann ich mich an nichts erinnern, was in den letzten Jahren solche Wellen aus Blut, Sperma & Zensur über die Filmfans ergossen hat.
Der Film handelt vom serbischen Ex-Pornostar Milos, der sich eigentlich in ein recht idyllisches Familienleben zurückgezogen hat & mit der Branche nichts mehr zu tun haben will. Bis ein mysteriöser Produzent ihm ein mehr als lukratives Angebot macht & Milos dadurch immer weiter in einen Abgrund voller Neugier, Triebe, Süchte, Drogen, Tod & anderem kranken Scheiß rutscht.
Natürlich ist man als Horrorfilmfan, der eigentlichschon alles gesehen hat, besonders gespannt bei solchen Perlen des schlechten Geschmacks. Kann einen der Film noch schocken? Und die Antwort kommt schleichend aber umso härter: OHJA!!! Und das nicht auf Grund besonders viel Gedärms & Co., sondern durch die Stimmung, die Atmosphäre, dem unterkühlten Look (weit weg von Snuff & viel schöner als man erwarten könnte) & vor allem wegen der Themen. Pädophilie, Nekrophilie, Brutalität, Inzest, kranke Phantasien - eine Art künstlischer Hochglanz-Snuff-Film trifft (mehr) Arthouse (als gedacht).
Der Film ist staubtrocken - wenn es mal ein Grinsen gibt, bleibt dieses meist direkt im Hals stecken. Umso länger der Film geht, umso mehr steigt die innerliche Anspannung, die Schockstarre und - bei mir zumindest - auch das Beeindrucktsein auf Grund der Qualität des Filmes. Denn irgendwie ist da auch noch mehr als nur Schock. Etwas Unbehagliches, ein ungreifbares osteuropäisches Grauen, viele Bildmetaphern, Vordeutungen, kranke Szenen (und dabei denke ich noch nichtmal umbedingt an die künstlisch wirkende Baby-Szene). Ich war also ziemlich beeindruckt, kann aber auch die Gegenstimmen voll verstehen. Aber faszinierend ist das kranke Treiben schon, und ich hoffe dafür muss man sich nicht schämen.
Fazit: der Film spaltet natürlich das Publikum wie Milos Hintern & Köpfe, ist sicher nichts für den Otto Normalverbraucher... aber für alle Puristen des Schocks nahe an einer Offenbarung & viel besser als sein Ruf, den man sich so auch erst mal erarbeiten muss!