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„Lost and Delirious“, die von der kanadischen Videokünstlerin Lea Pool inszenierte Verfilmung der Novelle von Susan Swan, erzählt die Geschichte der jungen Mary (Mischa Barton aus „Tart“), die von ihrem Vater und seiner neuen Frau auf eine Mädchenschule geschickt wird, wo ihr ein gemeinsames Zimmer mit den einigen Jahren älteren Jugendlichen Polly (Piper „Coyote Ugly“ Perabo) und Tori (Jessica Pare) zugeteilt wird:

Schnell lebt sie sich auf der Schule ein und erlebt zum ersten Mal persönliche Freiheit und Freude. Jede der drei Mädchen hat mit ihren Familienverhältnissen zu kämpfen: Mary trauert ihrer verstorbenen Mutter nach, Polly versucht nach Jahren als Adoptivkind ihre leibliche Mutter zu aufzuspüren, Tori will es ihren Eltern nur Recht machen und eine gute Tochter sein...

Schnell stellt sich für Mary jedoch heraus, dass Tori und Polly mehr als bloße Freundschaft miteinander verbindet – sie sind Liebende, was trotz der heutigen Zeit in Anbetracht von Familie und Schule geheim bleiben muß. Alles geht seinen glücklichen und geborgenen Gang, bis ausgerechnet Toris kleine Schwester beide zusammen im Bett erwischt...

Um sich selbst in Anbetracht ihrer Familie und deren Denken zu schützen, verleugnet Tori daraufhin eine Beziehung, bricht jede Art der Nähe gegenüber Polly ab und beginnt vor ihren Augen auch noch eine Beziehung zu einem Jungen.
Polly kommt mit der Situation, mit dem Vetrauens- und Zuneigungsverlust nicht zurecht, flüchtet sich in die Poesie und die Pflege eines verwundeten Greifvogels im Wald, doch ihre Emotionen und inneren Wunden brechen immer wieder auf...

Mary steht während der ganzen Situation zwischen beiden Parteien und hat dabei selbst mit ihren eigenen Familienproblemen zu kämpfen, da ihr Vater sich ihr ebenfalls weiter zu distanzieren scheint.
Als Polly schließlich Toris Freund zum Fechtduell bittet und sie ihre Gefühle vollends nicht mehr unterdrücken kann, scheint der tragische Ausgang vorprogrammiert...

„Lost and Delirious“ ist wunderschön, aber unaufdringlich gefilmt, mit einem hervorragenden und stimmigen Soundtrack unterlegt, und vor allem hervorragend gespielt: Das junge und hübsche Hauptdarstellerinnen-Trio beweist wahre schauspielerische Qualitäten – alle drei vermögen es, die Emotionen ihrer Charaktere gut und glaubhaft zu vermitteln.

Meiner Meinung nach trifft Lea Pool mit ihrer Inszenierung genau die richtigen Töne: Die lesbische Liebesbeziehung zwischen Polly und Tori wird wie das natürlichste der Welt in Szene gesetzt, gefühlvoll und ohne falsche Scham, aber nie ins voyeuristische ausufernd. Die Bildersprache passt sich den Stimmungen der Protagonisten an, der Film ist voller Poesie (mit vielen Zitaten) und großen Gefühlen, gepaart mit einem Hauch Gesellschaftskritik.

Etwas schade finde ich persönlich nur, dass die Figur der Mary im Laufe des Films leicht in den Hintergrund gerät, und dass die Story keine wirklichen Überraschungen bietet, denn das Grundprinzip ist ja hinlänglich aus anderen Werken (in ähnlicher Form) bekannt. Auch der Bereich der gesellschaftlichen Anerkennung von gleichgeschlechtlicher Liebe wird nur angerissen, was aber nicht so ins Gewicht fällt, da es hauptsächlich um die Figuren und deren Gefühle geht.

Fazit: Ein interessanter, gut gespielter Film um Liebe, Poesie und sexuelles Erwachen, der dem Thema zwar keine wirklich neuen Impulse verleiten kann, auf jeden Fall aber ein Blick wert ist ... gute 7 von 10.

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