Review

Nachdem Marlon Brando ein Jahr zuvor in "Das kleine Teehaus" selbst einen Japaner gespielt hatte, um Verständnis für die japanische Kultur in den USA zu erzeugen, ging er in "Sayonara" den umgekehrten Weg. Dabei kam ihm zugute, dass er den Film selbst produzierte, wodurch er mehr Einfluss auf den Inhalt hatte. Die Story über die Beziehung zwischen einem amerikanischen Offizier und einer japanischen Künstlerin entstammte einem Roman von James A.Michener und kam zuvor schon als Musical am Broadway heraus. Obwohl sie diverse Klischees bediente, ist es besonders Brandos spezifischer Gestaltung der Hauptrolle, den sehr authentischen japanischen Theateraufführungen und letztlich der konsequenten Umsetzung zu verdanken, dass "Sayonara" bis heute als Plädoyer für Toleranz gültig geblieben ist.

Ähnlich wie in seinen früheren Filmen hatte Brando verstanden, dass er die Position des Publikums einnehmen musste, dass sich auf Grund seiner Popularität mit ihm identifizierte. So wie er in "Die Faust im Nacken" den einfach gestrickten Boxer gab, der die Gewerkschaftsintrigen nicht durchschaute, ist er in "Sayonara" das Flieger-As Major Lloyd Gruver, das sich getreu an die Maximen seines Vaterlandes hält. Er erhält während des Koreakrieges einen bequemen Posten im benachbarten Japan, dass seit dem Ende des 2.Weltkrieges zum amerikanischen Verbündeten wurde. Zu Verdanken hat er diese bevorzugte Behandlung seinem zukünftigen Schwiegervater, dem hochdekorierten General Webster (Kent Smith). Bewusst bereitet der Film einen Hintergrund vor, der jeden Ausbruch aus dieser idealen Lebenssituation unmöglich erscheinen lässt. Dabei begeht der Film auch nicht den naheliegenden Fehler, seine Schwiegereltern oder seine zukünftige Frau als intolerante oder verwöhnte Menschen zu schildern, um damit den heimlichen Stachel in der äußeren Optik zu offenbaren, sondern charakterisiert im Gegenteil seine schöne Verlobte Eileen (Patricia Owens) als tolerant und einfühlsam.

Major Gruver, der selbstverständlich das Fraternisierungsverbot der Armee unterstützt, wirkt dagegen kulturell uninteressiert, und es ist vor allem Brandos Spiel zu verdanken, dass sich auch der unbedarfteste Zuschauer mit seiner Situation identifizieren kann. Das er von Beginn als Sympathieträger funktioniert, liegt besonders an Joe Kelly (Red Buttons), ein ihm unterstellter Soldat, der trotz des Verbotes nichts sehnlicher herbeisehnt, als die Japanerin Katsumi (Miyoshi Umeki) zu heiraten. Das Kelly Major Gruver nicht nur ins Vertrauen zieht, sondern ihn auch bittet, sein Trauzeuge zu sein, verdeutlicht schon, dass hinter der etwas grob wirkenden Fassade des Flieger-Offiziers ein anständiger Charakter lauern muss.

Die Stärke in Brandos Spiel liegt in der komplexen Gestaltung dieser Person, deren Charakter er nie verleugnet und erst dadurch deren Veränderung im Denken deutlich werden lässt. Dabei ist vor allem die Szene, in der Gruver die Theaterschauspielerin Hana-ogi (Miiko Taka) anspricht, bemerkenswert, da der kulturelle Unterschied einer in Klausur lebenden Theater-Hauptdarstellerin zu dem recht eindimensional denkenden Soldaten kaum größer sein könnte. Dagegen wirkt die Verbindung zwischen Joe Kelly, der sehr vertraut mit der japanischen Kultur ist, und seiner aus einfacheren Kreisen stammenden Frau sehr schlüssig. Trotzdem gelingt es Brando, nachvollziehbar werden zu lassen, warum es zwischen ihm und Hana-ogi zu einem weiteren Treffen kommt und daraufhin zu einer Liebesbeziehung, die vor allem Gruver abverlangt, sich in eine andere Kultur einzufühlen.

Man könnte den vielen Details, die erst die Komplexität der Handlung ausmachen (darunter sehr gut James Garner als einerseits weltoffener, letztlich aber wenig mutiger Offizier), gegenüber der Story den Vorzug geben, die in ihrer Schürung der Dramatik bis hin zum Happy-End scheinbar üblichen Regeln folgte. Trotz einer gewissen Klischeehaftigkeit, die sich an ein großes Publikum wendet (der Film war nach "Der Pate" Brandos erfolgreichster Film), liegt darin gerade die Stärke des Films, denn zum Einen war das Happy-End keineswegs selbstverständlich, da nach dem internen Hollywood-Code Beziehungen zwischen unterschiedlichen Rassen damals letztlich nicht funktionieren durften, zum Anderen gelingt es "Sayonara" zum Schluß als etwas dazu stehen, was den Gedanken an kulturelle Unterschiede vergessen lässt - als wunderschöner Liebesfilm zwischen einem Mann und einer Frau (8,5/10).

Details
Ähnliche Filme