Review

“Klassiker ahoi!”

Die 1950er und 60er Jahre gelten als die Jahrzehnte des klassischen (Hollywood-)Abenteuerfilms und brachten Genreperlen wie König Salomons Diamanten (1950), African Queen (1952) oder Hatari! (1961) hervor. Der Abenteuerfilm lässt sich in zahlreiche Subgenres - wie z.B. den Ritterfilm (Ivanhoe 1952, Prinz Eisenherz 1954), den Antikfilm (Ben Hur 1959, Spartacus 1960) oder den Mantel-und-Degen-Film (Scaramouche, Der Gefangene von Zenda, beide 1952) - unterteilen und erfreut sich heute wieder enormer Beliebtheit.
Seit dem überragenden Erfolg der Indiana Jones-Trilogie (1981, 1984, 1989) und den beiden Die Mumie-Filmen (1999, 2001) setzte auch Hollywood wieder vermehrt auf abenteuerliche Stoffe. Mit dem weltweiten Blockbuster Fluch der Karibik (2003) sowie der noch erfolgreicheren Fortsetzung (2006), erreichte das wiedererblühte Genre einen nicht mehr für möglich gehaltenen Popularitätshöhepunkt.
Die Fluch der Karibik-Filme sind eine Spielart des Seeabenteuers, ein Subgenre das in der oben beschriebenen Hochphase drei der zeitlosesten und stilprägendsten Abenteuerfilme hervorbrachte: Der rote Korsar (1952), Die Meuterei auf der Bounty (1962) und vor allem Des Königs Admiral (1951).
Roual Walshs Film über den englischen Kapitän Horatio Hornblower kann dabei als Blaupause bzw. Archetyp des klassischen Abenteuerfilms gelten, vereint er doch sämtliche das Genre definierenden Zutaten und Muster und verbindet sie zu einem perfekten, homogenen Ganzen.

Zur Story:
1807. England befindet sich im Krieg mit dem napoleonischen Frankreich. Der englische Fregattenkapitän Horatio Hornblower (Gregory Peck) ist auf geheimer Mission im Pazifik unterwegs. Mit Mühe kann er verhindern, dass Mannschaft und Schiff (die HMS Lydia) einem größenwahnsinnigen Insel-Diktator in die Hände fallen. So souverän und fintenreich er in diversen Seeschlachten agiert, so sehr gerät er ins Trudeln, als er sich in die seinem Vorgesetzten versprochene Lady Barbara Wellesley (Virginia Mayo) verliebt. Nach einem tollkühnen Unternehmen gegen die französische Flotte gerät er in Gefangenschaft und muss ich allein durch feindliches Gebiet nach England und zu seiner Geliebten durchschlagen.

Der von Gregory Peck gespielte Titelheld besitzt alle Eigenschaften des klassischen Abenteurers. Er ist selbstbewusst und entschlussfreudig, handelt umsichtig aber konsequent und ist so tapfer wie verwegen. Frauen gegenüber verhält er sich edelmütig und tugendhaft, seine (ihn bewundernden) Untergebenen behandelt er fair, gerecht und beinahe väterlich. Er ist loyal gegenüber Vorgesetzten und Vaterland. Seine Prinzipien sind Ehre, Treue und Pflichtgefühl.
Vor unkonventionellen Entscheidungen und gewagten Manövern schreckt er keinesfalls zurück, insofern sie Erfolg versprechend sind und seinen Prinzipien nicht zuwiderlaufen. Er besitzt einen natürlichen Führungsanspruch, der sich hauptsächlich aus seinem vorbildhaften Charakter und Verhalten speist.
Peck ist eine Idealbesetzung und spielt den Seehelden als (vordergründig) leicht mürrischen, etwas steifen, aber auch sehr humorvollen und liebenswerten Abenteurer. Sein nervöses Räuspern in Situationen der Unsicherheit oder Unzufriedenheit, seine Unbeholfenheit gegenüber Frauen im Kontrast zu seiner eisigen Ruhe im Gefecht sowie sein harter aber letztlich liebevoller Umgang mit seinen Männern, verleihen Horatio Hornblower zutiefst menschliche Züge und machen ihn somit zu einem absoluten Sympathieträger. Der „Harte Schale - weicher Kern“ -Typus wurde selten so überzeugend und facettenreich auf die Leinwand gebracht.

Klassisch für das Abenteuergenre sind auch die im Film auftauchenden Motive und Beweggründe. Da ist zunächst das Motiv der Bewährung. Der Held muss sich diversen Herausforderungen stellen (Seegefechte gegen besser ausgerüstete Schiffe oder Auseinandersetzungen mit inkompetenten Vorgesetzten) und einige gefährliche Situationen meistern (Bedrohung durch einen größenwahnsinnigen Inselherrscher, Flucht durch das feindliche Frankreich), bis er schließlich wohlbehalten und umjubelt in die englische Heimat zurückkehren kann.
Ganz wichtig ist auch der Kampf mit den Elementen, mit der Natur. Extreme Landschaften werden im Abenteuerfilm häufig als zusätzlicher Gegner des Helden eingesetzt. In diesem Fall das Meer. So muss Kapitän Hornblower neben Stürmen auch eine auf See fast noch mehr gefürchtete, wochenlange Flaute überstehen.
In Des Königs Admiral findet sich zudem der genretypische Topos der Begegnung mit der Fremde bzw. den Fremden. „Im Kernbereich des Genres stößt man immer wieder auf Kolonialistisches. Die Eroberung und Kontrolle der Welt sind Rahmenbbestimmungen des Helden, denen er kaum zu entgehen vermag.“ (Zitiert aus: Filmgenres. Abenteuerfilm, Stuttgart 2004, S. 23) So beginnt der Film mit dem Geheimauftrag der englischen Admiralität, Waffen an einen verbündeten Insel-Diktator zu liefern, die dieser gegen das feindliche spanische Amerika einsetzen kann. Der Herrscher entpuppt sich dabei als wahnsinniger Despot, den es nach veränderter politischer Lage (Spanien wird Verbündeter Englands) zu stoppen gilt.
Schließlich das Motiv der Reise. Kein echter Abenteuerfilm funktioniert ohne ferne Länder, exotische und vor allem wechselnde Schauplätze. Das Seeabenteuer ist selbstredend besonders typisch, schließlich impliziert jede Schifffahrt ja bereits eine Reise. Hornblower durchkreuzt nicht nur einige Weltmeere, sondern bewegt sich auch auf feindlichen Territorien (Pazifikinsel und napoleonisches Frankreich). Der Held muss also erst aus dem sicheren Heimathafen in die Fremde gehen, um überhaupt Abenteuer bestehen zu können.
Das Ende im klassischen Abenteuerfilm ist stets ein Glückliches. Nach überstandenen Abenteuern kehrt der Held in die Heimat zurück. „Abenteuergeschichten sind Erfolgsgeschichten. Das Abenteuer frisst seine Helden nicht, sondern lässt sie reifen, wartet mit Belohnung und Ehre.“ (Abenteuerfilm, S. 14) In unserem Fall bekommt der Held die Frau seiner Träume und wird obendrein zum Admiral befördert.

Abgesehen oder unabhängig von den oben beschriebenen, genreprägenden Elementen besitzt Des Königs Admiral aber vor allem einen ungeheuren Unterhaltungswert. Auch nach über 50 Jahren macht der Film noch einen Riesenspaß. Er versprüht Charme, ist temporeich und kurzweilig und bietet vor allem mit den actionreichen Seegefechten und den leuchtenden Farben absoluten Eyecandy.
Die Rollen sind durch die Bank ideal besetzt, vor allem Gregory Peck gibt eine Galavorstellung in einer persönlichen Lieblingsrolle.
C.S. Forester (1899-1966) - der Autor der Romanvorlagen (Des Königs Admiral ist ein Destillat aus dreien seiner Hornblower-Romane) - überarbeitete das Drehbuch und sorgte damit für eine werkgetreue Umsetzung seiner Bestseller. Zudem fungierte der in historischen wie maritimen Dingen als Kenner bekannte Schriftteller als Berater während der Dreharbeiten. Das verschafft dem Film ein nicht unerhebliches Maß an historischer Authentizität und Detailtreue. So gefallen beispielsweise die Setdekorationen durch die akribisch rekonstruierten Nachbauten unterschiedlicher Schiffsdecks. Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang aber der (teure und aufwändige) Einsatz von zwei voll aufgetakelten Schiffen - eine Fregatte mit 38 Kanonen und ein Kommandeursschiff mit 100 Kanonen. Hier kann der Film durchaus mit vergleichbaren neueren Produktionen wie Peter Weirs Master and Commander (2004) mithalten.
Lediglich die im Film relativ breit ausgewalzte Liebesgeschichte zwischen Hornblower und Lady Wellesley wirkt auf heutige Sehgewohnheiten etwas antiquiert und kitschig, ist aber aus der Entstehungszeit heraus zu werten. Mylady darf zwar einige schnippische Bemerkungen machen, ist insgesamt aber doch auf die typische Rolle als ein den Helden anhimmelndes, hübsches Anhängsel reduziert. Ihr finales Zusammenkommen wirkt etwas konstruiert, da praktischerweise sowohl Hornblowers Frau (im Kindbett) als auch Lady Barbaras frisch angetrauter Ehemann (im Gefecht) das Zeitliche segnen. Walsh war hier in einer Zwickmühle, da sich diese Beziehung in den Romanen über drei Bücher erstreckte, das Hollywoodstudio allerdings auf ein Happy End bestand.
Diese kleine Ungereimtheit tut dem hervorragenden Gesamteindruck aber keinen Abbruch. Des Königs Admiral ist zeitlos frisches, perfektes Unterhaltungskino.

Fazit:
Des Königs Admiral ist der Prototyp des klassischen Abenteuerfilms der 1950er Jahre. Er verbindet sämtliche genretypischen Muster und Motive perfekt zu einem homogenen Ganzen. Der farbenfrohe Film bietet exotische Schauplätze, actiongeladene Seeschlachten und einen wendungsreichen Plot. Historische Authentizität und Detailtreue gehören ebenso zu seinen Stärken, wie der (teure und aufwändige) Einsatz von zwei voll aufgetakelten Schiffen und ausladende Setdekors.
Gregory Peck ist die Idealbesetzung für den wortkargen aber liebenswerten Titelhelden. Sein differenziertes Spiel verleiht ihm menschliche Züge und macht ihn zu einem absoluten Sympathieträger.
Der Film ist spannend, kurzweilig und für sein Alter ungemein unterhaltsam. Zweifellos nicht nur ein Genreklassiker, sondern ein Klassiker der Filmgeschichte.

(10/ 10 Punkten)

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