Review

Susan Sarandon spielt die allein erziehende Mutter zweier Kinder, deren Ex-Mann, gespielt von Ed Harris, nun eine wesentlich jüngere Geliebte, gespielt von Julia Roberts, hat. Zusammen mit ihren Kindern verschwört sie sich gegen die Geliebte, als Sarandon dann aber erfährt, dass sie Krebs hat und vermutlich sterben wird, entwickelt sich zwischen den beiden eine vorsichtige Annäherung und die Kinder müssen akzeptieren, dass Roberts ihre Stiefmutter wird.

Gerade bei Familien-Dramen dieser Art ist der Grat zwischen Kitsch und einem gelungenem Drama mehr als eng und Chris Columbus bekommt ihn auch nicht immer gemeistert, aber über weite liegt das ganze meiner Meinung nach im Bereich des Verträglichen. Zudem liegt es meist auch in der Hand der Darsteller, ob sie Kitsch mit einer schwachen oder künstlichen Leistung zulassen, wofür beispielsweise deutsche Heimatfilme oder diverse Rosamunde-Pilcher-Filmchen ein Beispiel wären, oder ob sie sich Mühe geben echte und authentische Gefühle zu vermitteln und damit Schlimmeres, wie Kitsch, zu verhindern. Und in diesem Fall tritt letzteres ein und die Darsteller tragen den Film mehr oder weniger im Alleingang, zumal sie von Autor und Regisseur im Stich gelassen werden. Susan Sarandon gefällt mir dabei am besten und zeigt nach "Thelma and Louise", "Dead Man Walking" und "Der Klient" erneut, dass sie definitiv zu den besten Charakterdarstellerinnen der Welt gehört und so macht sie sich anfangs als abweisende Furie und am Ende als liebevolle Mutter, kurz vor ihrem Tod sehr gut und liefert eine emotionale Darstellung ab, wie ich sie schon lang nicht mehr gesehen habe. Julia Roberts, die zuvor eigentlich eher in den Rollen diverser Karrierefrauen zu sehen war, vornehmlich Thriller und Komödien spielte und vor allem mit "Fletchers Visionen" und "Die Akte" in Erscheinung treten konnte, macht sich offensichtlich auch in emotionalen und sympathischen Rollen hervorragend und spielt perfekt mit Sarandon zusammen und gibt so schon einmal einen Vorgeschmack, auf Rollen dieser Art, die noch kommen werden, wie z.B. ihre Paraderolle in "Erin Brockovich". Ed Harris, der gerade an einem Wendepunkt in seiner Karriere steht und, nachdem er sich als Action-Darsteller und in kantigen Rollen in "Abyss" oder "The Rock" einen Namen machen konnte zunehmend Charakterrollen wie in "Die Truman Show" oder später in "Pollock" und "The Hours" übernahm und durchaus zeigen konnte, dass er etwas auf dem Kasten hat, macht sich ebenfalls ganz gut, wirkt aber neben seinen beiden brillierenden Kolleginnen etwas fehl am Platz und ist vielleicht etwas zu ruhig und gelassen für diesen überaus emotionalen Film.

Die Inszenierung ist wie gesagt etwas kitschig geworden und Regisseur Chris Columbus, der zuvor durch Komödien wie "Kevin allein zu Haus" und "Mrs. Doubtfire" in Erscheinung treten konnte, ist mit diesem Familiendrama absolut überfordert. Das Erzähltempo hält er wohltuend langsam, aber das war's dann auch. Bei fast allen Dialogen unterlegt er melancholische Kitsch-Musik und das obwohl die starken Leistungen der Darsteller eigentlich schon für sich sprechen. Sowohl die melancholischen, als auch die tröstlichen Momente überspannt er dermaßen, dass er so den ganzen Film ruiniert. Darüber hinaus hätte er ruhig ein paar Gags mehr in seinen Film einbauen können, um die Suppe aus Kitsch und Melancholie wenigstens stellenweise umzurühren, aber so produziert er trotz der guten Darsteller nur Mittelmaß. Stellenweise sind ein paar Szenen ganz gut geworden, aber alles in allem bekommt er den Grat zum Kitsch nicht gemeistert.

Die Story ist ebenfalls nicht sonderlich gut. Die Handlung ist absolut einfallslos und hat nicht eine unvorhersehbare Wendung, da man keine einzige Stereotype auslässt. Außerdem läuft die gesamte Story einfach zu glatt ab, um realistisch zu wirken, auch wenn er dabei psychologisch überaus feinfühlig und sensibel gemacht ist. Die Charakterkonstruktion ist dabei eher flach und entspricht ebenfalls voll und ganz dem Klischee und damit ist die Story dann doch beim besten Willen zu naiv, aber Familienfilm-tauglich, auch wenn nur wenig Spannung und nicht sonderlich viel Dramatik aufgebaut werden kann.

Fazit:
Mit einer naiven und klischeehaften Story und einer kitschigen Inszenierung hätte "Seite an Seite" ein filmisches Desaster werden können, wenn die überragenden Darsteller, allen voran Susan Sarandon, nicht Schlimmeres verhindert hätten und den Film so genießbar machen. Für Fans des Genres auf jeden Fall empfehlenswert, wer sich an solch naiven Filmen stört, wird vermutlich schreiend vorm Fernseher aufspringen.

63%

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