A Punch to Revenge hat leider das Problem, dass er schon allein von den Herstellungsdaten her irgendwie seltsam uninteressant erscheint.
Sein Regisseur Lee Chiu ist ein weitgehend unbeschriebenes Blatt; hat in der Filmographie unter 18 Arbeiten eher nur ebenfalls Übersehenes abgeliefert. Abgesehen von vielleicht den etwas geläufigeren Cantonen Iron Kung Fu [ 1979 ], Mission of Condor [ 1991 ] und Martial Arts Master Wong Fei Hung [ 1992 ], nach denen aber trotzdem kaum ein Hahn kräht. Das Schicksal ereilte auch das vorliegende Produkt; selbst die Verbreitung hierzulande als Videopremiere stellt schon mehr Frage- als Ausrufezeichen auf. Man kann ihn schlecht promoten, der Absatzmarkt war mit seiner Handvoll Yukari Oshima Fans sehr überschaubar, und abgesehen davon hat sich keiner den Film ausgeliehen [ Im Deutschen eh ein Schnittdesaster; aber immerhin mit Til Schweiger in der Synchro. ] Selbst Kenner vergessen den Titel schon mal bei einer Aufzählung; bei der Wahl der Favouriten kann er deswegen schon gar nicht landen.
So richtig verdient hätte er es auch nicht, dafür ist er beileibe nicht gut genug. Dabei lautet der Umkehrschluss nicht, dass er schlecht ist; Gott bewahre. Aber es ist halt nichts Besonderers. Man könnte ihn schnell niedermachen, indem man die Adjektive „altmodisch“, „bieder“, „grau“ und „hausbacken“ für die Beschreibung nutzt und würde ohne grosse Erläuterung eine handfeste Meinung abgeben, die erstmal widerlegt werden muss. Man trifft nämlich wahre Punkte damit und kann dieses ablehnende Urteil sehr einfach verfügen.
Es ist aber auch ein verdammt unscheinbarer und gleichzeitig unwirscher Film, dieser verspätete Rückgriff auf die Long Arm of the Law [ 1984 ] Thematik.
Die Geschichte ist diesselbe wie beim Obrigen: Vier Chinesen kommen nach Hong Kong, um das schnelle Geld zu machen. Natürlich mit kriminellen Handlungen. Mit Waffen kennen sie sich sehr gut aus. Nötige Skrupel besitzen sie nicht. Helfen tut ihnen ihr vor Jahren vorangeganger Kumpel Tsang Kin Kau [ Eddy Ko ], der den Kontakt zum schmierigen Gangboss Ma Tin Hung [ Chen Jing ] herstellt.
Der Überfall auf einen Goldschmied klappt auch; dumm nur, dass Ma nicht vorhat für die Beute zu bezahlen und der Cop Peter Lee [ Ben Lam ] und die Sozialarbeiterin Fan Yi Ling [ Yukari Oshima ] hinter den Verbrechern her sind.
Hierbei schafft der Film sein erstes Novum: Eine Streetworkerin als schlagkräftige Vertretung von Recht und Ordnung hat man nicht alle Tage. Dabei geht einher, dass man anfangs wirklich einige Themen anspricht, die normalerweise weniger in einen Actionfilm und schon gar nicht in einen Billigreisser gehören. Fan nimmt ihren eigentlichen Job nämlich ebenso ernst wie die spätere Verbrechensbekämpfung; hilft Personen und Familien bei der Bewältigung von sozialen Problemen, Konflikten und schwierigen Lebenssituationen.
Bei einer dieser Krisensitzungen hat sie auch mit ihrem Schützling Tsang zu tun; dabei wird auch gleich penibel dessen Motiv aufgestückelt und die erste Charakterisierung angeschmissen. Folglich bekommt man zu sehen, dass Tsang ein ganz armes Schwein ist und gar nicht anders kann, als den illegalen Weg einzuschlagen: Er hat ein behindertes Kind und ist selber an einem Bein verkrüppelt. Deswegen findet er auch keinen Job, dementsprechend muss seine Frau die Brötchen verdienen; pikanterweise bleibt ihr dabei aber keine andere Möglichkeit, als ihren Körper zu verkaufen. In seinem Beisein. Die Wohnung ist zu klein um sich einen stillen Ort zu suchen und er kann nicht ständig woanders hin.
Sachverwalterin Fan hat in ihrer allgemeinen Beratungs- und Hilfstätigkeit also viel zu tun. Der Film will aber nicht durch Öffentlichkeitsarbeit auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam machen, sondern eine Erzählung anleiern, die sich schon primär um die jeweiligen Konfrontationen der verschiedenen Parteien dreht.
„I don't know your character. But I do know the ability of this gun.“
Das kurze Aufzeigen von Tsangs Situation hat dennoch eine unbequeme Wirkung; zumindest erscheint sein letztes Aufbäumen durch das Herausstellen der unerträglichen Lebenssituation glaubhafter als wenn man nur das Motiv Geld in den Raum geworfen hätte.
Mitgefühl entsteht aber nicht; generell fallen die Figuren trotz mehrerer Gespräche eher oberflächlich aus. Das jeweilige Dilemma und seine brüsken Umstände sind schon soweit animiert, dass man auch ohne hermeneutisches Verstehen keinerlei Probleme hat, hinter dem Geschehen eine Logik zu erkennen. Aber eine wirkliche Inspiration, sich dann auch emotional zu beteiligen bleibt aus. Dafür sind die Charaktere nicht sympathisch und schon gar nicht interessant genug. Letztlich verliert der Film deswegen auch wieder; das anfängliche Bewegen in den untersten Schichten der Gesellschaftsstruktur erscheint im Nachhinein eher abträglich als fördernd. Man will sich nicht erst pädagogisch im Dreck suhlen, um dann später schnell mitzubekommen, dass es nur als etwas blasses Antriebsalibi eingebracht wurde.
Auch das sonstige Umfeld ist weit entfernt von Hochglanz und Perfektion. Das Budget war augenscheinlich knapp bemessen und Lees Inszenierung versucht auch gar nicht erst, fehlendes Geld durch visuelle Anmut zu übertünchen. In Ermangelung von Finanzen peilt er den Naturalismus seiner Vorbilder an.
Aussendrehs sind sparsam gehalten und verlegen sich dann gleich in den kostenlosen Wald; Innenszenen zeigen spärliche Dekoration und stetig vorhandene Tristesse auf. Die Räume sehr karg und beengt und zudem noch in einem farbschwachen grau-braunen Einheitslook gehalten, der in seiner traurigen Dürftigkeit Empindlicheren fast aufs Gemüt schlägt.
Die Bühnen für die Actionszenen gestalten sich wie üblich in Parkhaus, Warenlager und Büro; geschmacklich sind auch die Orte genauso fade abgestimmt und fast so beengt wie der auch benutzte Fahrstuhl.
Dafür präsentieren sich die Auseinandersetzungen nicht so heruntergekommen. Choreograph Ridley Tsui sorgt für durchaus ansehbares Martial Arts, dass ohne förmlichen Ausfallschritt und übertriebene Verrenkungen vonstatten geht und stattdessen einfach, aber geradlinig durchgezogen wird. Mit Yukari Oshima und Ben Lam sind auch zwei Leute in den Hauptrollen besetzt, die beide nie wirklich gross herausgekommen sind, aber es dennoch draufhaben und dies auch ausgiebig beweisen. Der rohe Grundton kommt hierbei am Besten zugute; Köpfe werden in Fernseher gerammmt, rückwärts durch Glas geflogen, viel Bruch veranschlagt und zum Schluss sogar die Kettensäge angeschmissen. Die Abmischung der Gewalt entlädt sich in einem furiosen Showdown, der als Stürmung einer Villa samt Indoor – Shootout zu einer wörtlich brenzligen Belagerung auswächst und kaum Überlebende hinterlässt.
Auch hier sind wieder deutliche Verbindungen zum grossen Vorgänger spürbar; die Kompromislosigkeit und Ungeschöntheit in all ihren Auswirkungen macht auch hier deutlich Eindruck. Erfreulich der Verzicht auf unfreiwilligen oder beabsichtigten Humor. Das intensive Nachahmen in vielen Details läuft aber schlussendlich darauf hinaus, dass man nur Dasselbe auch noch in der gleichen Weise noch einmal erzählt und die Kopie im Endergebnis nicht besser, aber immerhin noch schroffer wird. Auch eine Leistung.