Beim deutschen Independent-Film, der ohne ein nennenswertes Budget realisiert wurde, ist man von Natur aus erst einmal skeptisch, vor allem, wenn es gerade einmal nicht in die Horror-Richtung geht. Und tatsächlich, die titelgebende Distanz durchzieht sämtliche Ebenen des Debüts von Autor und Regisseur Thomas Sieben.
Daniel (Ken Duken) arbeitet als Gärtner im Botanischen Garten in Berlin. Was niemand ahnt: Der Einzelgänger tötete bereits zwei Menschen, indem er einen großen Stein von einer Autobahnbrücke fallen ließ. Als er mit seiner Kollegin Jana (Franziska Weisz) zusammenkommt, hat er bereits zwei Menschen im Park mit einem gestohlenen Gewehr erschossen und es kann nur eine Frage der Zeit sein, bis Jana seinem dunklen Geheimnis auf die Schliche kommt…
Der Titel ist wahrlich Programm, denn besonders zu Beginn lässt sich kaum Nähe zur Hauptfigur aufbauen, über dessen Hintergrund und Motivation rein gar nichts durchschimmert. Ein wortkarger Typ Anfang Dreißig, zurückhaltend, allein lebend in einer Altbauwohnung am Stadtrand und außer Fernsehen und Herumspazieren keine ersichtlichen Hobbys.
So wird der Zuschauer ohne Vorwarnung Zeuge, wie Daniel mit dem Gewehr in den Park geht, nur kurz durchs Zielfernrohr schaut und ohne Zögern einem ihm fremden Jogger in den Kopf schießt. Die Tat war weder lange geplant, noch findet im Nachhinein eine sichtbare Verarbeitung statt, das muss man einfach so aus der Stille der Erzählung heraus hinnehmen.
Die Distanz ist dabei allgegenwärtig: Die Kamera beobachtet viele Ereignisse aus einiger Entfernung, Daniel selbst bringt seine Opfer ebenfalls aus einiger Distanz um, während selbst die Nähe zu Jana, auch als man bereits gemeinsam im Bett liegt, reichlich unterkühlt wirkt.
Dabei scheint es im Verlauf jedoch unglaubwürdig, dass sich eine augenscheinlich aufgeschlossene Frau mit einem Kerl wie in einem Vakuum auf Dauer einlässt und sogar bei ihm einzieht. Besonders gegen Ende wird Janas Verhalten zur Geduldsprobe für den Betrachter.
Geduld muss man ohnedies mitbringen, denn wer einen Film über einen Serienkiller mit Thrill und Suspense erwartet ist hier fehl am Platz. Vielmehr mutet die Erzählung wie ein Sozialdrama an, welches psychologische Erklärungsansätze völlig ausklammert. Das führt wiederum dazu, dass die Chose oberflächlich bleibt und nicht mehr als ein Mitfiebern auf Sparflamme stattfindet. Zudem fehlt eine musikalische Untermalung fast gänzlich und auch die Dialoge werden aufs Minimum begrenzt, - man sollte ergo ausgeschlafen an den Streifen herangehen.
„Distanz“ dürfte ein Nischenfilm bleiben, denn ein konkretes Zielpublikum spricht er genauso wenig an, wie die Erzählung mit einer Message zu schließen, denn nach dem Abspann ist man nicht klüger als zuvor. Dank Nuken und Weisz wird zumindest darstellerisch alles richtig gemacht, um ein wenig Leerlauf im Mittelteil zu kaschieren und auch kameratechnisch konzentriert man sich aufs Wesentliche.
Ansonsten wird man vor vollendete Tatsachen gestellt, zu denen weder Stellung bezogen wird, noch etwaige Hintergründe durchleuchtet werden und das ist zwar mal eine Erfahrung wert, bildet im Endeffekt jedoch nichts, was man mitnehmen kann.
5,5 von 10