„Du hast immer irgendwelche Geheimnisse!“
Der US-Film-noir „Goldenes Gift“ aus dem Jahre 1947, inszeniert vom Franzosen Jacques Tourneur („Ich folgte einem Zombie“) und geschrieben von Daniel Mainwaring, der damit seinen eigenen Roman für die Leinwand adaptierte, gilt als einer der Höhepunkte des Genres.
„Ein Mann mit 'nem Revolver ist wie 'ne Frau mit Stricknadel!“
Jeff Bailey (Robert Mitchum, „Späte Rache“) betreibt eine Tankstelle in der kalifornischen Kleinstadt Bridgeport und ist im Begriff, seine Freundin Ann (Virginia Huston, „Nocturne“) zu ehelichen, als ihn seine Vergangenheit einholt: Er wird von Joe Stephanos (Paul Valentine, „Blutsfeindschaft“) gefunden, der ihn darüber unterrichtet, dass der Gangster Whit Sterling (Kirk Douglas, „Die seltsame Liebe der Martha Ivers“) ihn sehen wolle. Jeff sieht sich gezwungen, Ann reinen Wein einzuschenken und ihr zu erzählen, dass er eigentlich Jeff Markham heißt und zusammen mit seinem Partner Jack Fisher (Steve Brodie, „Land ohne Gesetz“) einst ein Detektivbüro in New York unterhielt. Sterling hatte ihn beauftragt, seine Freundin Kathie Moffat (Jane Greer, „Dick Tracy“) aufzuspüren, die auf ihn geschossen und um eine erkleckliche Stange Geld erleichtert hatte. Jeff reiste nach Acapulco, wo er Kathie fand und sich in sie verliebte. Gemeinsam hintergingen sie Sterling und begannen in San Francisco zusammen ein neues Leben. Doch als Jeffs ehemaliger Partner Jack seinen Anteil an der Beute einforderte, erschoss Kathie ihn und floh. Jeff versteckte Jeffs Leiche und tauchte unter neuem Namen in Bridgeport unter. Zu seiner Überraschung stellt Jeff fest, dass Kathie mittlerweile wieder mit Sterling liiert ist, der Jeff beauftragt, ihn in Steuerangelegenheiten belastendes Material vom Anwalt Leonard Eels (Ken Niles, „The Inner Circle“) zu stehlen. Dafür sei er anschließend mit Jeff quitt. Doch Jeff bekommt Wind davon, dass Sterling ein Mordkomplott gegen Eels plant – und den Verdacht auf ihn lenken will…
„Wir verdienen einander!“
Die ausgedehnte Rückblende des in kontrastreichem Schwarzweiß fotografierten Films wird zuweilen von Jeff aus dem Off kommentiert, womit Erscheinungsbild und Struktur archetypisch Film noir sind. Kurz vor der Hälfte endet die spannend erzählte Analepse. Fortan liefern sich Jeff und Sterling einen Wettbewerb darin, sich gegenseitig jeweils einen Schritt voraus zu sein, obwohl die eigentliche Strippenzieherin Kathie ist. Was ziemlich aufregend beginnt, gerät im letzten Drittel dramaturgisch eigenartig ins Stocken und wird, so mein Eindruck während der Erstsichtung, komplizierter erzählt als nötig. Dafür sind das Ende und der Epilog sehr gelungen – und dass nicht alle Fragen in aller Eindeutigkeit beantwortet werden, tut dem Film letztlich gut. Mit Sicherheit ist Kathie eine der schlimmsten Opportunistinnen des Genres und somit eine Femme fatale par excellence.
Ein Pfund des Films sind die zwischen US-Großstadt, -Hinterland und mexikanischem Acapulco changierenden Drehorte, ein weiteres die Besetzung: Mitchum spielt seine Rolle als Privatdetektiv und Tankstellenbetreiber mit einer später oft kopierten Lakonie; Kirk Douglas stand noch ganz am Anfang seiner Karriere, empfahl sich mit seiner Leistung für etliche weitere Rollen, und Jane Greer ist hinter ihrer lieblichen Fassade wunderbar teuflisch und verschlagen. Die von ihr verkörperte Kathie erfährt im Roman übrigens ein anderes Ende, das ihn unterm Strich noch etwas härter als den Film machen dürfte.
Ich vergebe 7 von 10 Angelhaken unter Vorbehalt, denn ich spüre, dass da tatsächlich noch Luft nach oben sein, der Film seine ganze Pracht erst noch entfalten könnte. Eine Zweitsichtung wird beizeiten Gewissheit bringen. Zunächst aber muss die Neuverfilmung „Gegen jede Chance“ aus dem Jahre 1984 her, der seinerzeit recht populär war und dessen von Phil Collins beigesteuerter Soundtrack-Song „Against All Odds (Take a Look at Me Now)“ zum Evergreen avancierte.