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Auch wenn Bruce Willis in „Das Tribunal“ nicht die Hauptrolle spielt, so präsentiert er sich dennoch so wie Fans ihn lieben.
Doch eigentlich geht es um Thomas W. Hart (Collin Farrell), der als junger Lieutanent mit Jura-Erfahrung einfache Aufgaben weg von der Front im zweiten Weltkrieg verrichtet. Doch als er einen Fahrerjob übernimmt, wird der gefahrene Offizier getötet und er gefangengenommen. Er wird in ein Gefangenlager gebracht. Dieser Teil des Films dauert ziemlich lange, denn bis Hart im Lager ankommt vergeht ca. eine halbe Stunde, die seinen Transport, Zwischenfälle sowie Verhöre durch die Gestapo zeigen. Dennoch wirkt das alles nicht langgezogen, da es eine ordentliche Atmosphäre schafft.
Das Gefangenenlager kurz hinter der Westfront beinhaltet zum großen Teil amerikanische Gefangene, deren Anführer Colonel William A. McNamara (Bruce Willis). Er und der deutsche Kommandant Oberst Werner Visser (Marcel Iures) versuchen sich zwar gegenseitig auszubooten, haben aber auch Respekt und Achtung voreinander. „Das Tribunal“ beschreibt den Mikrokosmos des Gefangenenlagers sehr interessant ohne dabei in die üblichen Hollywood-Klischees zu verfallen.

Nach einer Weile werden zwei gefangene amerikanische, schwarze Piloten eingeliefert. Die restlichen Gefangenen verachten diese und einem der Piloten wird von dem rassistischen Vic Bedford (Cole Hauser) ein scharfer Gegenstand untergejubelt, woraufhin ihn die Deutschen exekutieren lassen. Am nächsten Abend wird Bedford ermordet aufgefunden und der Verdacht fällt auf den zweiten Piloten. Doch bevor auch dieser exekutiert wird, lässt McNamara eine Verhandlung vor einem Tribunal veranstalten. Hart übernimmt die Verteidigung und stößt dabei auf die Hintergründe der Tat...
Die Grundidee von „Das Tribunal“ ist wirklich interessant, wobei ich sagen muss, dass ich die Buchvorlage leider nicht kenne. Doch das Szenario ist genauso ungewohnt wie interessant und die Geschichte bleibt die ganze Zeit über spannend. Dabei lässt sich Regisseur Gregory Hoblit viel Zeit, ehe die Verhandlung erst in der zweiten Hälfte stattfindet. Dadurch strapaziert er die Idee nicht über (denn zum Ende des Films treten leichte Ermüdungserscheinungen auf), sondern schafft in der ersten Hälfte wirklich eine tolle Atmosphäre. Außerdem bietet die Story ein paar absolut fantastische Wendungen, die einen wirklich vom Hocker hauen.
Schön ist auch die Vermeidung der Klischees, denn trotz Hinrichtungen etc. lässt „Das Tribunal“ auch positive Seiten und zeichnet negative Aspekte der Amerikaner auf. So sind die Amis in ihrem Rassismus nicht besser als die Nazis, was auch sehr schön eine der deleted scene auf der DVD zeigt. Hier sitzen die Nazis und die Amerikaner in einer Gefangenenrevue, die böse Witze über Schwarze macht, und wenn sie Lachen ist kein Unterschied mehr zu erkennen. Allgemein sind die deleted scenes sehr gut und bieten tolle Momente, so dass es schade ist, dass sie es nicht in den Film geschafft haben.

Auch die Ausstattung und die Atmosphäre der winterlichen Front des Jahres 1945 kurz vor Kriegsende sind ziemlich gut. Denn Beginn nutzt Hoblit sogar um ein wenig Action in den Film zu bringen, was zwar etwas platt ist, aber optisch sehr schön und das Interesse des Zuschauers weiter steigert. Auch das Set des Gefangenenlagers ist schön geworden und kommt ohne CGI-Effekte aus.
Collin Farrell meistert die eigentliche Hauptrolle des Films (im Original heißt er schließlich auch „Hart’s War“) wirklich überzeugend. Ebenso gut die Leistung von Bruce Willis, der mal wieder den harten Hund gibt, wie seine Fans ihn lieben. Die Leistungen der Nebendarsteller sind auch nicht von schlechten Eltern.

„Das Tribunal“ ist ein unterhaltsamer Mix aus Kriegsfilm, Gefangenendrama und Gerichtsthriller, der zwar um Ende hin nachlässt, aber gutes Entertainment bietet.

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