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Eugene Lourie, der bereits beim bahnbrechenden Riesensaurier-Spektakel „Panik in New York“ Regie führte und damit die Japaner zum ebenso bahnbrechenden „Godzilla“ inspirierte, wurde Ende der 50er mit einem in Großbritannien spielenden Quasi-Remake seines Dinoklassikers beauftragt. Obwohl viele Szenen fast 1:1 übernommen wurden, versuchte man doch, dem Drehbuch einen etwas ernsteren Anstrich zu verleihen und orientierte sich dabei am düsteren „Godzilla“. So sind die Dialoge auf einem höheren Niveau angesiedelt, wurde die Rolle des Militärs weniger stark gewichtet und ungewöhnlicherweise vollends auf eine eingestreute Liebesbeziehung verzichtet. Die Hauptrolle, der Meeresbiologe Steve Karnes, fiel dabei auch weniger smart, als, für britische Sci-Fi-Horrorfilme typisch, eher rabiater aus, wie man es z.B. aus den „Quatermass“-Filmen kennt. Einen leider viel zu kurzen Auftritt als sympathisch-kauziger Wissenschaftler Dr. Sampson hat Jack MacGowran inne, dessen Szenen zu den Stärksten des Films gehören. Als Spezialeffektkünstler wurde diesmal anstelle Ray Harryhausens kein Geringerer als Willis O’Brien verpflichtet, der seinerzeit für den Vater aller Riesenmonsterfilme, „King Kong und die weiße Frau“, verantwortlich zeichnete. Leider wurde „The Giant Behemoth“, so der Originaltitel, denn mit dem Monster von Loch Ness hat der Film (leider) eigentlich gar nichts zu tun, trotz aller Ambitionen zu einem Schnellschuss, der merklich unter seinem arg eingeschränkten Finanz- und Zeitplan leidet. Das äußert sich neben dem wenig innovativen Plot vor allem in der Gestaltung der Monster-Actionszenen, für die eigentlich ein mechanisch beweglicher Saurierkopf entwickelt wurde, dessen Technik allerdings kaputtging und in der Kürze der Zeit nicht repariert werden konnte. So wird das Auftauchen des Modells zu einer ziemlich starren Angelegenheit mit unbeweglichen Glotzaugen und steifem Hals. Die Miniaturmodelle z.B. von Fahrzeugen sind deutlich als Spielzeugautos zu erkennen, beim Angriff auf eine Fähre verschwinden wie von Geisterhand plötzlich die Fahrgäste, wenn das Monster ins Bild kommt, nur um in der nächsten Szene wieder aufzutauchen. Zu allem Überfluss ist in diesen Einstellungen auch das Metallgestell des Ungetüms zu erkennen. Dadurch fällt es „The Giant Behemoth“ natürlich schwer, die ernsthafte, düstere Atmosphäre aufrecht zu erhalten und gerät in die Fahrwasser des Billigtrash. Andererseits entschädigen die von O’Brien gewohnt schönen Stop-Motion-Animationen dafür, die den Behemoth durch London stapfen lassen - wenn man auch alles schon einmal in „Panik in New York“ oder eben „Godzilla“ gesehen hat. Zwischenzeitlich geht dem Film dann auch etwas die Puste aus und es schleichen sich ein paar Längen ein. Schade, dass der Film durch den Pfusch seinen eigenen Ansprüchen nicht ganz genügt, denn unterhaltsam ist er auf jeden Fall und für Fans solcher Filme ein interessanter Geheimtipp.

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