Review

Dieses Jahr hatten wir DVD- bzw. Blu-Ray Liebhaber schon einige saftige Härte-Brocken vor die Latz geworfen bekommen, die im Horror-/Terror-/Gore-Sektor neue Maßstäbe setzten, bzw. sich  zumindest einen Platz in den Top Ten erarbeitet hatten.  "Eden Lake", "Inside", "Frontiere(s)"  oder vorallem auch "Martyrs"  hinterließen beim Publikum starke Eindrücke. Immerhin hat es bis dato  "Inside"  wegen §131 StGB, sprich Gewaltverherrlichung, auf den "Kaufen-wir-diesen-Film-eben-in-Österreich-Index" geschafft. Verwunderlich daran ist erstmal, dass es die in Deutschland erhältliche Fassung traf, die eh schon in 18 Szenen fast ganze zwei Minuten  rein an Gewalt geschnitten war. Zum anderen sind viele (wie auch ich) überrascht, dass der absolute Hardcore-Film "Martyrs" noch frei erhältlich ist, der selbst mir als altem Haudegen schwer im Magen  lag.

Und wo wir gerade bei "Martyrs" sind, kommen wir besser zum eigentlichen Thema:
Um "Groteque" wurde ein Riesen-Hype über das World Wide Web zelebriert. Dieser Film sollte "Martyrs" locker stehen lassen in Sachen Folterhorror und "SAW" und "Hostel" wie ein Kindergeburtstag aussehen lassen (laut Cover-Text)...

Naja, was soll ich dazu sagen?

Erstmal *Hust*

Die deutsch-sprachige Unrated-Fassung  hat eine knappe Laufzeit von 73 Minuten. Eine Story ist quasi nicht vorhanden, man wird direkt mit dem Kellerraum, dem Psychopath und den zwei Opfern konfrontiert und da geht das Foltern und Schnippeln schon los. Nach einer kurzen Verschnaufpause erfahren wir, dass sich die beiden Opfer Kazuo (Hiroaki Kawatsure) und Aki (Tsugumi Nagasawa) zufällig in einer Firmenpause näher gekommen sind und kurz davor waren, ihr erstes Date auszutragen. Leider kam es nicht dazu, weil unser frustrierter Irrer (Shigeo Osako) mal wieder zwei Leute bis zum Tod quälen will, um innere Befriedigung zu finden. Ob es jetzt an Einsamkeit, Genialität, dem Kontostand oder einfach nur an einem kleinen Penis liegt, was die Beweggründe anbelangen, bekommt der Zuschauer nicht raus. Scheinbar war der Schlitzer auf jeden Fall vorher mal Arzt gewesen, da er den Opfern extreme Verletzungen zufügt, dennoch diese Wunden "zuklebt", damit sie am Leben bleiben.

Also bis auf kurze Pausen und Szenen-Wechsel haben wir es hier mit einem astreinen Kammerspiel zu tun, dass sich fast nur in dem besagten Folter-Keller abspielt.
OK, nun zum eigentlichen: Dem Splatter, dem Gore oder sonstigen was mit rotem Saft zu tun hat - es wird schon ordentlich geschnippelt, dass Polen offen ist. Diese Szenen sind explizit ausgefallen, jedoch erwecken sie keine Bauchschmerzen bei mir. Diese Darstellungen sind entweder schnell geschnitten oder es passiert vieles im Off, was die Blood-Hunter unter euch wahrscheinlich abschrecken wird. Trotzdem kann man eine Entwahnung geben: Es spritzt auch noch so genug Blut, dass man den Film zu den brutalsten Filmen 2009 hinzufügen kann. In meinen Augen war jedoch die sexuelle Erniedrigung das Schlimmere Übel, auch wenn Brustwarzen abschneiden oder Finger mit der Motorsäge (scheint aus dem Baumarkt zu sein, die hört sich tatsächlich an wie ein elektrisches Brotmesser) absägen mit Sicherheit herbe Gemeinheiten darstellen.
Untermalt wird das ganze Treiben von Beethoven´s Unvollendeter oder Mozart-Musik (naja, so was in die Richtung auf jeden Fall) und passt gnadenlos verstörend dazu.

Der wirkliche Krückstoff des Filmes ist einfach, dass keine Handlung vorhanden ist. Es wird zwar 70 Minuten lang gequält, jedoch fühlt man mit den Opfern nicht mit, da sie nur zwei Minuten vorgestellt werden und in diesen zwei Minuten noch wirken wie saublöde, naive Jungfrauen über 20 Jahren, die IQ-mäßig 5 Meter Feldweg unterlegen sind. Zweiter Punkt ist  Doktor Schlächter: Seine in mehreren Persönlichkeiten verteilte Rolle wirkt unglaubwürdig und scheint nur Mittel zum Zweck zu sein - und zwar den  Opfern ordentlich eins auf die Fresse zu geben.

Allen ernstes: "Grotesque" ist die ganze Filmlänge über ein einziger Exzess (und trotzdem wirken andere Filme dennoch härter), manche würden sogar sagen menschenverachtend, aber mir war es einfach nur scheißegal, was sich da abspielt wegen den oben genannten Mängeln. "Grotesque" unterhält nicht, zündet trotz der Brutalitäten nicht wirklich und ist aussagekräftig wie Parteien vor der Bundestagswahl. Viel Lärm um nichts...

3/10

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