Nanu, ein Quasi-Remake von Hideshi Hinos "Flowers of Flesh and Blood" aus dem Jahre 1985? Das war mein erster Gedanke, als sich endlich der Abspann über Kôji Shiraishis aktuelles Schlachter-Machwerk "Grotesque" legte.
Die Parallelen zwischen beiden Werken sind jedenfalls nicht von der Hand zu weisen: Ein Middle-Aged-Psychopath entführt seine Opfer, um sie dann in seinem privaten Folterkeller genüßlich in ihre Einzelteile zu zerlegen. Dass sich der Irre am perversen Treiben auch noch erregen will, ist da bestenfalls eine Randbemerkung wert. Wie vor 24 Jahren konzentriert sich die Film"handlung" jedenfalls fast ausschließlich auf eine düstere Kellerräumlichkeit - und eine Überlebenschance für die willkürlich ausgewählten Opfer ist selbstverständlich nicht vorhanden.
Was bleibt, sind rund 70 Minuten voller Folter, Gore und sexuellem Missbrauch auf engstem Raum. Eine übergeordnete Storyline fehlt erwartungsgemäß, sieht man einmal von einer Handvoll nichtssagender, aber wenigstens ein bisschen auflockernder Rückblenden ab.
"Grotesque" will schocken und damit den aktuellen Splattertrend einmal mehr bedienen. Und in der Tat: Wer Neuling im Genre ist, der wird an Shiraishis Folterorgie defintiv längere Zeit zu knabbern haben. Genreerfahrenere Zuschauer werden hingegen recht bald die Stirn runzeln, denn "gelungen" sieht definitiv anders aus!
Das fängt schon bei den paar Goreszenen an, die "Grotesque" last but not least auftischt. Die gezeigten, handwerklich zweifelsohne hervorragend umgesetzten Greuel lassen beinahe jede Kreativität vermissen. Dass hier bestens bekannte Streifen "The Cell", "Hostel" und "Texas Chainsaw Massacre" bereitwillig Pate standen, ist offensichtlich. Etwas aus dem Rahmen fällt schließlich zwar der sexualle Missbrauch, welcher aber für Japano-Verhältnisse ohnehin recht zahm ausgefallen ist. Ebenso ungewöhnlich wie irritierend zeigt sich das Finale, welches das bis dahin bierernste Geschreie und Gesplattere zum Schluss auf eine leicht lächerliche Ebene hieft.
Wirklich sehenswert ist das Alles leider nicht wie ich finde. Auch wenn die klaustrophobische Atmosphäre natürlich von der begrenzten Location profitiert, Spannung wird man bei "Grotesque" auch mit der viel zitierten Lupe kaum finden. Dazu wird der von Shigeo Ôsako immerhin angemessen verkörperte Psychopathencharakter viel zu sehr in den Vordergrund gestellt und somit schnell jeglicher spannungsfördernden Anonymität/Unberechenbarkeit beraubt. Auch wenn die eingangs erwähnten Rückblenden den ganzen Quark ein wenig auflockern, letztlich stören sie im gleichen Zuge jeden noch so kleinen Anflug eines Spannungsaufbaus.
Da die beiden Opferfiguren (Tsugumi Nagasawa, Hiroaki Kawatsure) zu allem Überfluss leider auch kaum in der Lage waren, meine Sympathien zu wecken (altes Problem: Japan = andere Welt), fällt es mir letztlich wirklich schwer "Grotesque" weiterzuempfehlen. Eine relativ weiträumige Veröffentlichung über Österreich und ein eigentlich völlig unpassendes Cinemascope-Format haben dem Film in jedem Fall schonmal mehr Publicity und vermeintliche Klasse zu Teil werden lassen, als er überhaupt verdient hat.
Am ehesten werden wohl Fans der damaligen "Guinea Pig"-Reihe mit Kôji Shiraishis perversen Keller-Phantasien glücklich werden...