Hier schrieb jemand: Grotesque ist grotesk. Dem kann ich nur zustimmen. Auch nach mehrmaliger Sichtung weiß ich nicht so recht, was ich von dem Film halten soll.
Zum einen ist er ein harter Torture-Porn, vielleicht sogar der härteste überhaupt. Dabei sind es nicht alleine die gezeigten Effekte, die mich beeindruckt haben. Vielmehr schafft es der Film die Ausweglosigkeit von Folteropfern zu demonstrieren. Abgesehen von der kurzen Vorgeschichte erfährt man wenig über die Figuren. Und das macht den Film über weite Strecken real. Als Folteropfer erfahre ich nichts über meinen Peiniger und als Folterknecht kann mir die Vorgeschichte meiner Opfer egal sein.
Nachdem das weibliche Opfer zu Beginn noch halb benommen auf einem beweglichen Tisch gefesselt in Position gebracht wird und sich ihr und dem Zuschauer der Raum des Geschens erschließt, fühlte ich mich selbst in dem Keller. Diese Szene wirkt fast wie eine Subjektive. Nichts lenkt von dem ab, was passieren wird. Es werden weder den Figuren noch dem Zuschauer Handlungsstränge angeboten, die einem Hoffnung geben, dieses Szenario zu verlassen.
Umso grotesker wirkt die "Zwischenszene" des Films. Nach der ersten Folterorgie werden die Opfer vom Folterknecht, der ein Arzt ist, "gesund" gepflegt. Er verspricht ihnen die Freiheit und die drei Freunden sich fast an. Sogar für den kastrierten Mann scheint ein Happyend in Sicht, als ihm die Frau verspricht, bei ihm zu bleiben. Und dann kommt das Glas mit Wasser ins Bild. Nein, kein reines Wasser, darin schwimmt ein Betäubungsmittel. Die langsame Kamerfahrt auf das Glas deutet an, dass nun etwas passieren wird.
Denn jetzt folgt die stärkste Szene des Films, wenn es um Ausweglosigkeit geht. Das Foltern geht weiter. Erst wird Hoffnung suggeriert, die dann wieder zerstört wird. Die Opfer wachen in dem Folterkeller auf, jetzt ist jedem klar, das wars mit Hoffnung und einer Zukunft, denn die endet in nur wenigen Filmminuten.
Das Ende: Hier wird der Film humorvoll. Die übertriebene Ausweidung des Mannes, der die Frau zu retten versucht, und der Tod der Frau sowie die Attacke ihres abgetrennten Kopfes erinnerte mich irgendwie an (den Pfarrer auf dem Friedhof in) Braindead. Noch übertrieben(er,) schwachsinniger geht es nicht. Auch die Erklärung, weshalb der Folterknecht zu dem geworden ist, was er ist, wirkt sehr trashig.
Handwerklich spielt Grotesque auf einem guten Niveau. Das Setting, die Fotografie und die gesamte Inszenierung sowie die Darsteller überzeugen.
Fazit:
Aufgrund des Endes des Films kann ich denjenigen nicht zustimmen, die den Film als krankes Machwerk bezeichnen. Verständnis dafür kann ich aufbringen, da der Film sich nicht klar zu erkennen gibt: Ist er nun eine überzogene Komödie, die erst spät, vielleicht zu spät, als solche zu erkennen ist. Oder ist er ein Folterhorror der derbsten Art mit einem schwachen Ende? Auf jeden Fall hält die Kamera nicht in jeder Szene gnadenlos drauf, vieles geschieht im Off. Was ich langweilig fand, war die Schwanz-ab-Szene sowie die psychologische Erklärung, weshalb der Folterknecht foltert. Auch finde ich den Film auf psychologischer Ebene nicht sonderlich hart, da spielt Martyrs in einer ganz anderen Liga.
Alles in allem kann man sich den Film anschauen, beim ersten Mal hatte ich ein paar Steine im Magen, beim zweiten Mal musste ich schmunzeln. Aufgrund dessen, dass der Film ungeschminkt polarisiert und grotesk ist sowie aufgrund der filmisch guten Umsetzung gebe ich 7/10.